Teil 5: Gutachten zur FSC-Zertifizierung in Hessen durch die Firma UNIQUE

Nach langem Warten – und nach einer vorherigen Ankündigung dieses Gutachtens für den August – erschien nun endlich das Gutachten zur FSC-Zertifizierung in Hessen durch die Firma Unique.
Alle Interessierten finden dies entweder auf der Website des Umweltministeriums: https://umwelt.hessen.de/umwelt-natur/wald/wald-hessen/fsc-zertifizierung-des-hessischen-staatswaldes

als auch zum Download hier: 2018-01-18_abschlussbericht_fsc_hessen_unique

13 thoughts on “Teil 5: Gutachten zur FSC-Zertifizierung in Hessen durch die Firma UNIQUE”

  1. Sind die Ergebnisse dieses Gutachtens als eigentliches Gegengutachten der Landesregierung gegen die eigene Fachbehörde nicht eher eine Bankrotterklärung der betreffenenden Fachministerin – Hinze heißt diese glaube ich – wenn diese nicht einmal mehr ihrer eigenen Fachbehörde glauben schenken möchte – womöglich aus ideologischen Gründen? Wo gibt es denn so etwas, wo ich als vollziehende Behörde und Kontrollorgan der eigenen Gesetze und Verwaltungsvorschriften – im Übrigen ureigenste Aufgabe von Behörden jeder Verwaltungsstufe – mich externer Labels oder Zertifikate von Lobby-Verbänden getragen und kontrolliert – bedienen muß, um mir meine korrekte Arbeitsweise und Gesetzes/Rechtskonformität bestätigen lassen muß(?) – schlicht ein Armutszeugnis. Hier wird ein sinnloses, teures offensichtlich nur aus Lobbyisten-und ideologischen Gründen eingeführtes Zertifikat mit aller Macht versucht am Leben zu erhalten, das mit diesem Gutachten sich selbst erledigt. Klassisches Eigentor!! Ich kann diese Schwarz-Grüne Regierung nur auffordern, wieder – wenn diese das je überhaupt war – auf den Pfad der Tugend von Recht und Gesetz zurückzukehren und das Geld, welches an anderer Stelle viel nötiger gebraucht wird (Beispiel Hebammen, Bildung – bei richtiger Bildung wäre so Unfug nicht passiert) einzusetzen und nicht die Verbraucher für dumm zu verkaufen – die sind i.Ü. auch Wähler – nicht vergessen:)

  2. Seite 28:

    “Der Leitfaden für Praktiker ergänzt den FSC Standard 2.3, in dem die Vollbaumnutzung (Nutzung
    der kompletten oberirdischen Biomasse) ebenso wie die Nutzung von Ast- und Kronenmaterial
    ausgeschlossen wird. Das entsprechende Material muss dabei auf der Fläche verbleiben.”

    Wie war das noch gleich mit der Energiewende und der Bioökonomie auf Basis nachwachsender Rohrstoffe? Sind die wieder abgesagt? Arbeiten die hessischen Grünen jetzt für die Ölindustrie?

  3. Seite 32:
    “Für den hiermit verbundenen höheren Aufwand bei der Holzernte durch das Abtrennen des
    nutzbaren Stammabschnittes wird ein Zuschlag von 1,10 €/Fm angesetzt.”

    Das ist doch allenfalls bei einer vollmechanisierten Ernte mit speziell dafür eingerichteten Maschinen zu erreichen. Bei motormanueller Aufarbeitung von Kronenholz und den heutigen Arbeitszeitkosten wird aus wirtschaftlichen Gründen faktisch viel mehr stärkeres Kronenmaterial im Wald verbleiben müssen, was die Klimabilanz deutlich verschlechtert.

  4. Mit Bezug auf den vorletzten Kommentar:
    Im FSC-Standard 2.3 wird offenbar die Nutzung von Kronenholz komplett ausgeschlossen.
    Im Gutachten ist aber fast nur von Nicht-Derbholz 7 cm Durchmesser?

    1. genau das ist ja der Trick, man verbietet einen Teil und bekommt – wie eigentlich beabsichtigt – das Ganze – weil es sich dann nicht mehr lohnt bzw. gar keine Technik vorhanden ist, das Energieholz größer 7cm zu nutzen. Wie soll das auch funktionieren bei Kronen großer Buchen, Eschen, Ahörner oder Eichen. Wie schon richtig erkannt , man trickst wo’s geht.

  5. Seite 34:
    Der aktuelle Industrieholzpreis ist untauglich, um die Bereitstellung von Energieholz über abgewertetes Industrieholz langfristig zu beurteilen. Der Industrieholzpreis kann sehr schnell ansteigen. Wenn man überhaupt eine langfristige Prognose wagen will, dann evtl. über das längerfristige Verhältnis von Industrie- zu Energieholzpreisen in der Vergangenheit. Wie sich die anstrebte Bioökonomie mit vermehrter stofflicher Verwertung der aktuell noch geringwertigeren Holzsortimente auswirken könnte, wäre für eine seriöse Prognose ebenfalls zu berücksichtigen. Die Klimaschutzziele der Bundesregierung sind ohne eine konsequente stoffliche und energetische Holznutzung jedenfalls nicht erreichbar. Wer Holz im Wald lassen will, muss begründen, wodurch er dieses nachhaltig ersetzen will.

  6. Seite 35:
    “Insgesamt ist gegenüber dem Ist-Zustand eine leichte ökologische Aufwertung durch den Verzicht auf die Nichtderbholznutzung zu erwarten.”

    Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar. Belange des Klimaschutzes und der Bioökonomie wurden nicht berücksichtigt und sind den geringen Vorteilen durch den Biotopwert gegenzurechnen.

  7. Seiten 32 bis 35:
    Die Daten zur Energie- und Industrieholznutzung beziehen sich auf die aktuell niedrigen Preise für diese Sortimente. Vermutlich verbleiben aktuell größere Mengen Holz im Wald, deren Erntekosten die aktuell niedrigen Preise übersteigen. Das kann sich bei geänderten Holzpreisen (Ölpreise wie vor einigen Jahren) sehr schnell wieder ändern.
    Für eine längerfristige Prognose sind die Daten aus dem aktuellen Preistief deshalb nicht geeignet. Man gewinnt den Eindruck, dass bei der Auswahl der Datenbasis gezielt getrickst wurde.

  8. Seite 36:
    Der Begriff “natürliche Waldgesellschaften” ist insgesamt fragwürdig.
    Stand der Wissenschaft ist, dass die größte Teil Deutschlands im natürlichen Zustand wohl durch Grassteppen mit Herden großer Pflanzenfresser statt durch Wälder dominiert würde. Die buchendominierte Bewaldung der Vergangenheit wurde wohl überhaupt erst durch die Störung des empflindlichen Gleichgewichts zwischen Herbivoren, Prädatoren und Grasland durch den Menschen und dem daraus resultierenden Zusammenbrechen der Herbivorenherden ermöglicht.
    Die These vom natürlichen Buchenwald hat bisher keiner Überprüfung standgehalten. Wo Flächen bei Anwesenheit mehrerer Arten großer Pflanzenfresser unter echten Prozessschutz gestellt werden (ohne Regulierung des Schalenwildes + Zäunung um die Abwanderung des Wildes und die damit verbundene Bejagung außerhalb der Schutzflächen zu verhindern) wird der Wald zurückgedrängt. Selbst im Białowieża-Nationalpark müssen die Wisente im Winter gefüttert werden, um die waldbaulichen Ziele auf den angeblichen Prozessschutzflächen zu erreichen. Die Tiere würden sonst ihrer Natur folgen und ihren Lebensraum zu ihrem Vorteil umgestellten, indem sie den Baumbestand reduzieren.

  9. Seite 37, zu FSC 3.0:
    “Der Forstbetrieb setzt fremde Arten nur dann ein,
    wenn Wissen und/oder Erfahrung gezeigt haben, dass invasive Auswirkungen kontrolliert
    werden können und effektive Maßnahmen zur Schadensminderung angewandt werden
    können. Der Anteil nicht-heimischer Baumarten im Forstbetrieb beträgt max. 20 %. Hierfür
    gilt: Bei Verjüngungsmaßnahmen können auf maximal 20 % der Verjüngungsfläche nichtheimische Baumarten künstlich eingebracht werden. Deren Einbringung erfolgt einzel- bis
    maximal horstweise.”

    Das steht im Widerspruch zu den auf Seite 19 unten für die Variante FSC 3.0 angeblich angestrebten Baumartanteilen. Es ist also davon auszugehen, dass auch unter FSC 3.0 der Anteil der Douglasie deutlich geringer ausfallen müsste als auf Seite 19 behauptet, was eine massiv negative Auswirkung auf das Betriebsergebnis hätte.

  10. Seite 42:
    “Es ist wissenschaftlich unbestritten, dass der größte Teil des Landes Hessen von Natur aus von
    Buchenwäldern dominiert würde”
    Das ist fachlich nicht haltbar. Die Megaherbivorentheorie und das von Savory et al seit den 1960er Jahren erarbeitete Wissen um den Herdeneffekt einfach auszublenden ist ein einer echten wissenschaftlichen Betrachtung nicht möglich.

  11. Seite 45:
    “Der Unterschied zwischen dem Basisszenario II und der Variante FSC 3.0 (Baumartenziele 2050)
    ist in ökologischer Hinsicht vergleichsweise gering.”

    Das sollte man fett anstreichen.
    Regionale ökologische Bilanz der Zertifizierung nach FSC 3.0: Viel Wind um nichts.
    Globale ökologische Bilanz: Verheeren, wegen Förderung des internationalen Raubbaus durch zunehmenden Bedarf an Holzimporten.

  12. Seiten 46 und 47:
    Hier ist leider nicht ersichtlich, ob bei den erwarteten Deckungsbeiträgen die Reduzierung der nutzbaren Fläche durch geschützte Kernzonen und den steigenden Biotopbaumanteil berücksichtigt wurde.
    Auch der zu erwartende Wegfall der Kronenholznutzung bei der Buche wurde hier nicht ausgewiesen.
    Wenn ich von 2% mehr Kernzonen und 1% Nutzflächenverlust durch mehr Biotopbäume ausgehen, müsste der DB des Szenarios FSC 3.0 evtl. um weitere 3% reduziert werden.
    Ist die Nicht-Nutzung der Buchenkronen noch nicht berücksichtigt, müsste man den DB der Buche evtl. auf Null reduzieren.

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