Teil 2: Stellungnahme zum Ausstieg von Greenpeace International aus dem FSC

Wie wir bereits in einem vorangegangenen Blogartikel kurz ausgeführt haben, hat Greenpeace International seine Mitgliedschaft im FSC beendet. Während wir bisher nur kurz auf die damit einher gehenden Konsequenzen eingehen konnten, möchten wir diese an hier ausführlicher erläutern.

Zuerst einmal ist ausdrücklich zu begrüßen, dass Greenpeace diesen wichtigen ersten Schritt endlich gegangen ist. Er war längst überfällig. Gleichzeitig geht er aber nicht ansatzweise weit genug.

Denn anders als in verschiedenen Presseberichten ausgeführt, ist Greenpeace keinesfalls aus dem FSC ausgestiegen, oder hat sich gegen ihn gewendet. Es ist tatsächlich (erst einmal) „nur“ die Mitgliedschaft beendet worden. Und das betrifft unseres Wissens nach bisher auch nur Greenpeace International und nicht die Ländergruppen, die weiterhin Mitglieder bleiben können – Greenpeace International zufolge um die „stärkere Implementierung auf nationaler Ebene voran zu treiben“. Auch hat Greenpeace dem FSC nicht seine generelle Unterstützung entzogen. Im Gegenteil, der FSC soll „auch in Zukunft der einzige Ansprechpartner von Greenpeace bei Zertifizierung von Wald und Holz“ bleiben.

Doch was für Konsequenzen wird das mit sich bringen?

Der FSC wird seine Praktiken nicht ändern, sich höchstwahrscheinlich nicht einmal öffentlich zu den von Greenpeace erwähnten Kritikpunkten (mangelnde Transparenz und inkonsequente Durchsetzung) äußern. Der FSC tut, was er immer tut – schweigen, und seine „Arbeit“ wie gewohnt fortsetzen. Wenn Greenpeace den FSC weiterhin unterstützt büßen sie damit ihren Status als „Waldschutzorganisation“ ein – da ihre jetzige Lossagung dementsprechend als Öffentlichkeitsinstrument und nicht als inhaltliche Distanzierung zu bewerten ist.

Damit ist Greenpeace mitverantwortlich für (hier nur einige Beispiele/Auszüge):

  • Waldrodungen, beispielsweise um Platz zu machen für Palmölplantagen
  • Kahlschläge, vor allem in borealen Wäldern
  • Die großflächigen Totalräumungen beispielsweise in Schweden um die in Deutschland durch Flächenstilllegung fehlenden Holzmengen nach Europa zu transportieren
    • Mit all den negativen Konsequenzen, die sowohl die ökologisch deutlich schlechteren Ernte- und Verarbeitungsbedingungen als auch der lange Transport mit sich ziehen
    • (Das ist im Übrigen ein hervorragendes Beispiel dafür, wie eine Waldbewirtschaftung à la „wellmanaged“ für den FSC aussieht)
  • Die deutliche Erhöhung des Arbeitsrisikos für Waldarbeiter, beispielsweise in Deutschland
  • Die Bedrohung der , die der FSC mit wissenschaftlich unfundierten, teilweise vollkommen aus der Luft gegriffenen Forderungen in Kauf nimmt
  • Die massive Entwertung und/oder Vernichtung von Holzernten durch Insekten, die durch den Minimaleinsatz von Insektiziden verhindert werden könnte (und den damit einher gehenden ökologischen und ökonomischen Folgen bei „Ersatzlieferungen“ aus dem Ausland)
    • Wiederum ein gutes Beispiel für wissenschaftlich unfundierte Forderungen

Dementsprechend fordern wir Greenpeace auf:

  1. … sämtlichen Aktivitäten unverzüglich die Unterstützung zu entziehen, die mit „nachhaltigen“, „wellmanaged“ oder ähnlich bezeichneter Nutzung von Primärwäldern einher gehen. Primärwälder können sowohl per Definition als auch nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nachhaltig genutzt werden, da sie im Moment der Entnahme eines Baumes (mit all den Begleiterscheinungen wie beispielsweise Wegebau, Erschließung, Waldschäden durch Rückegassenabständen usw) ihren ökologischen Status des Klimaxwaldes verlieren. Im Gegenteil, bisherige Praxisbeispiele haben gezeigt, dass oft ganze Ökosysteme zusammen brechen, wenn versucht wird, einen Primärwald holzwirtschaftlich zu nutzen.
  2. … diese Tatsache aktiv wie passiv öffentlich zu kommunizieren, da scheinbar weitestgehend unbekannt ist was Primärwälder sind und warum sie nicht genutzt werden können.  -> Das ist im Übrigen, liebe Greenpeace-Arbeitsgruppen, genau eure Aufgabe!
  1. … international sowie Regional klar zu stellen, dass ein Nutzungsverzicht in temperierten Sekundär- und Tertiärwäldern niemals bedeuten kann, dass auf dieses Holz verzichtet wird, sondern dass die entsprechenden Mengen in Primärwäldern geschlagen werden, die hiermit unwiderruflich verloren gehen.
  2. … sich von den COC Labels FSC Mixed und FSC Recycled aktiv und passiv zu distanzieren und Verbraucher darüber aufzuklären, dass dementsprechend gekennzeichnete Produkt nicht eine einzige Faser „nachhaltig erzeugtes“ beziehungsweise FSC-zertifiziertes Holz enthalten muss. (Mehr hierzu in unserem Warenflussdiagramm)
  3. … klarzustellen, dass der FSC entgegen weit verbreiteter Meinung kein deutscher Verein/keine deutsche Gesellschaft ist sondern ein Konzern mit Sitz in Oaxaca, Mexiko, der unter mexikanischem Recht handelt und sich dementsprechend jeglicher Kontrolle entzieht – und bei dem sie jetzt erst, nach 25 Jahren, ihre Mitgliedschaft beendet haben.
  4. … klarzustellen, dass eine sogenannte stakeholder-Beteiligung in Primärwäldern nahezu unmöglich ist, da viele indigene Völker nach wie vor keinen Zugang zu Medien haben. Wir zitieren an dieser Stelle immer gerne Bruno Manser: „Der Wald hat kein Telefon“. Eine Abholzung ihres natürlichen Lebensraumes – unabhängig von (meist nicht erfolgten) Kompensationszahlungen oder Entschädigungen – kann nur in Ausnahmefällen im Interesse eines Volkes sein. Reale stakeholder-Beteiligung würde dementsprechend bedeuten, dass unter FSC keine Primärwaldnutzung stattfinden könnte.
  5. … von öffentlichen Beteuerungen, dass der FSC ökologisch oder nachhaltig sei in Zukunft abzusehen und vergangene Äußerungen klar zu stellen. Der FSC selbst vermeidet die Verwendung beider Begriffe seit Jahren wohlweißlich.

Weiterhin fordern wir Greenpeace auf, sämtliche Aktivitäten, die den FSC unterstützen oder ihn protegieren unverzüglich einzustellen. Die einzige Möglichkeit zur Sicherung der Legalität und Herkunft (und ausdrücklich NICHT der Nachhaltigkeit des Holzes) ist in unseren Augen eine gesetzliche Volldeklaration. Wir fordern Greenpeace auf, die Entwicklung einer solchen in Deutschland sowie weltweit zu unterstützen – und zwar auf Basis von wissenschaftlichen Standards, damit Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden können! Dies beinhaltet beispielsweise:

  1. botanischer Name
  2. Handelsname, gegebenenfalls örtlicher Handelsname
  3. Ursprungs-/ Wuchsland (welches durch Isotopenanalyse mittlerweile größtenteils nachprüfbar ist)
  4. Waldformation (primär/sekundär/tertiär)
  5. Klimaregion erste und zweite Ordnung (boreal, temperiert, tropisch; alpin, kontinental,…)

… zur Nachvollziehbarkeit der Herkunft und damit einhergehenden ökologischen Folgen des Holzgebrauches für den Verbraucher.  Diese Volldeklaration muss weiterhin integraler Bestandteil der Beschaffungsrichtlinien des Bundes und der Gemeinden, sowie des Holzhandelssicherungsgesetz und der EUTR (European Timber Regulation) sein.

Wir wollen hiermit keinesfalls ein neues FSC-Siegel erschaffen sondern im Gegenteil die Verantwortung für die Legalität des Holzes von einem Privatunternehmen weg auf staatliche Kontrollverfahren übertragen, sodass ein Verstoß gegen die Volldeklaration strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen würde; Sankionen waren im FSC-System nie vorgesehen und dementsprechend inkonsequent wurden und werden FSC-Regularien von zertifizierten Betrieben umgesetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.