Mann, Sieber! – Endlich Siegel-Satire im öffentlichen Fernsehen!

In ihrer Sendung vom 15.Mai 2018, und damit kurz vor der Sommerpause, setzte sich die ZDF-Satiresendung “Mann, Sieber!” mit der Siegelproblematik auseinander. Zwar wurde hier vor allem mit dem Marine Stewardship Council aufgeräumt, wir sind jedoch vor allem begeistert, dass endlich eine kritische Auseinandersetzung auch in nicht-Dokumentationsmedien ankommt, und damit unser Anliegen in breiteren Kreisen verbreitet wird. Und das mit hervorragender, treffender Satire! Der gesamte Beitrag ist aktuell noch in der ZDF-Mediathek zu finden, alternativ auch auf YouTube

Unser Antwortschreiben an die Redaktion und die beiden Moderatoren folgt wie immer unter diesem kurzen Artikel, über weitere Entwicklungen halten wir Sie selbstverständlich informiert.

 


Auch die pdf steht wie immer zum Download bereit: Mann, Sieber!


Sehr geehrtes Team von Mann, Sieber!,

mit großer Begeisterung haben wir Ihre Sendung zu Nachhaltigkeit, Siegeln und dem „Hände in Unschuld waschen“ verfolgt. Wir sind eine kleine Gruppe, die sich gegen den Forest Stewardship Council (FSC) engagieren. Unser Ziel hierbei ist eine breitere Aufklärung über Siegel.

Sie haben in Ihrem Beitrag bereits Kritik am MSC geäußert und unserer Meinung nach damit einen wichtigen Beitrag geleistet, die Siegelproblematik endlich in den deutschen Medien zu etablieren. Bisher haben sich nur einige wenige getraut, sich negativ zu äußern, weswegen wir ihre satirische Auseinandersetzung hiermit umso mehr begrüßen. Eine Fortsetzung einer solchen, insbesondere auch satirischen, Aufarbeitung würden wir sehr gerne unterstützen.

In der Orientierung hin zu weniger Plastik (die, verstehen Sie uns nicht falsch, absolut notwendig ist!) wird oft Holz als nachwachsender Rohstoff gelobt. Leider gewinnt hierdurch aber der FSC immer mehr an Macht, denn die Skepsis gegenüber Siegeln wird nur ausgesprochen selten mit vermittelt. Diese ist jedoch zwingend notwendig. Wir wissen nicht, inwieweit Sie sich während Ihrer Recherchen auch mit dem FSC auseinander gesetzt haben, können Ihnen jedoch versichern, dass er mit dem MSC auf einer Ebene agiert. Allerdings haben die Handlungen, die er unter dem Begriff „Naturschutz“ proklamiert, gravierende ökologische Auswirkungen, deutlich gravierender sogar als beim MSC. Lassen Sie uns unsere Kritik nur kurz umreißen:

Der FSC ist ein Unternehmen mit Sitz in Mexiko. Hinzu kommen zahlreiche Tochter- Unternehmen, von denen nur ein kleiner Bruchteil Not for Profit ist. Der FSC ist mitnichten demokratisch. Der Problematik um den Begriff der Nachhaltigkeit ist der FSC sich sehr bewusst. Er nutzt ihn niemals um sich selbst zu beschreiben. Auch die Bezeichnung „Ökosiegel“ negiert er. Trotzdem wird er mit beiden in Verbindung gebracht und in fast jeder Veröffentlichung so betitelt. Wissenschaftlichkeit sucht man im FSC-System vergeblich. Quellen sind, sofern Sie denn angegeben werden (meist verzichtet er auf jegliche Begründung) NGO-nah. Von Glaubwürdigkeit oder von „bestmöglichen Praktiken“ kann hier nicht mehr gesprochen werden.

Im Bundesland Hessen wurde vom Landesforst ein Gutachten zum Nutzen und den entstehenden Kosten durch FSC-Zertifizierung erstellt. Dieses wurde lange Zeit vom (grünen) Umweltministerium unter Verschluss gehalten und ist auch jetzt nur geschwärzt einsehbar. Auch das anschließend bei der Firma UNIQUE forestry and land use GmbH3 in Auftrag gegebene Gegengutachten erzielte nicht das gewünschte positive Ergebnis sondern bestätigte die Schlussfolgerungen von HessenForst AöR. In der anschließenden Stellungnahme wurden diese Fakten jedoch konsequent ignoriert, die von UNIQUE genannten 8 Mio € Mehrkosten mit keinem Wort erwähnt, stattdessen 3.5 Mio Mehreinnahmen aufgeführt, von der an keiner Stelle des Gutachtens die Rede ist. Die (grüne) Politik in Hessen scheint bereit zu sein, den FSC um jeden Preis durch zu setzen, und ignoriert dabei angestrengt alle sachlichen Fakten (allein das ist schon gelebte Satire:

Das vom FSC angestrebte generelle Pestizidverbot beinhaltet größtenteils Posten, die in der BRD ohnehin verboten sind. Auf Fungizide und Herbizide wird in der deutschen Forstwirtschaft schon seit langem verzichtet. Insektizide werden nur zur Abwehr drohender größerer Schäden und Schäden am geernteten Holz mit strengen Restriktionen eingesetzt, wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind. Dieses Vorgehen ist im Übrigens auch behördlich vorgeschrieben, bei Einhaltung der FSCRegularien würde bewusst dagegen verstoßen werden müssen. Hintergrund ist, dass es durch den kategorialen Ausschluss der Nutzung im Fall einer Kalamität zu schwersten Schäden am Holz und in naheliegenden Waldbeständen käme, in Hessen würde hierdurch 2018 ein zweistelliger Millionenbetrag vernichtet (Holz, das an anderer Stelle mit z.T. verheerenden ökologischen Folgen wieder eingeschlagen und importiert werden muss). Zudem handelt es sich meist um Kontaktgifte, die nur lokal wirken und schnell abgebaut werden können. Verstehen Sie uns nicht falsch, wir sind generell weder für Dünge- noch für Spritzmittel. In diesem Fall sind sie jedoch das deutlich kleinere Übel. Und die Regelung macht sich spätestens dann lächerlich, wenn man sich von diesem Verbot in Ausnahmefällen gegen eine Gebühr befreien lassen kann. Zum Thema regenerative Energien und damit der Bereitstellung von Strom und Wärme aus Holz-Biomasse wurden ebenfalls wegweisende Entscheidungen getroffen, die vom FSC wieder in Frage gestellt werden. Die „Nährstoffmanagementsysteme“ regeln, bei welchen Böden Nichtderbholz (Holz unter 7cm Durchmesser) aus dem Wald entnommen werden darf und bei welchen nicht; nun sollen diese bewährten Regelungen durch ein generelles Entnahmeverbot ersetzt werden – das ähnliche Probleme durch die Alternativbeschaffung mit sich bringt wie die im Folgenden erwähnte Flächenstilllegung. Auch hier spiegelt der vom FSC suggerierte Zusammenhang zwischen Nährstoffgehalt des Bodens und „Wert“ eines Ökosystemes nicht den aktuellen Forschungsstand wider.

Da Sie in Ihrem Beitrag so viele Zahlen genannt haben, lassen Sie uns das auch tun. Der FSC will 10% der hessischen Waldfläche still legen (also aus der Bewirtschaftung nehmen). Das hat zur Folge, dass aufgrund von weniger ausgereiften Ernte- und Produktionsbedingungen letztendlich in borealen Wäldern 30% mehr Holz eingeschlagen werden muss um die gleiche Endproduktmenge zu produzieren. Dementsprechend werden für die Nichtnutzung von 32.000 ha in Hessen pro Jahr in borealen Wäldern etwa 16.000 ha pro Jahr kahl geschlagen werden. Innerhalb von nur zwei Jahren wird also die in Hessen still gelegte Fläche in borealen Wäldern zerstört. Durch die forstwissenschaftliche Nutzung in Form von großflächigen Kahlschlägen tauen die Permafrostböden auf und setzen große Mengen Methan frei, das im borealen Gürtel bis zu 400mal klimawirksamer ist als CO2. Außerdem werden durch das Kahlschlagsystem ganze Habitate zerstört. Die verbleibenden „Ökosysteme“ sind oft lebensfeindlich. Das so geerntete Holz muss dann wiederum nach Deutschland transportiert werden. Das entspricht jährlich:

· 54.000 t zu transportierende Güter

· Hierfür werden 2.252 LKWs benötigt, hintereinander gestellt entspricht das einer Schlange mit 41km Länge

· Diese müssen eine Distanz von (hypothetischen) 5.000km zurück legen, das entspricht einer Gesamtdistanz von 11.264.000 km

· Hierfür werden etwa 2.279.200 Liter Diesel verbraucht, ein Liter Diesel erzeugt 2.64kg CO2

· Die 2.252 LKWs produzieren also 8.921t (!)CO2

· Hierbei werden jährlich etwa 10 LKWs verbraucht

Dementsprechend ist vollkommen unverständlich, dass auf einer derartigen Zertifizierung beharrt wird. Die einzig nachhaltige Folge der Handlungen des FSC ist die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes. Völlig unter den Tisch fällt dabei mit sicherer Regelmäßigkeit, dass schon per se durch unsere bestehenden Bundes- und Landeswaldgesetze sowie deren Durchführungsverordnungen die wesentlichen Forderungen der Forstzertifikate (FSC und PEFC) sicher gestellt sind und dort v.a. einer staatlichen Kontrolle unterliegen. Die Einhaltung der vielfältigen Regelungen wird schon alleine durch die zahlreichen begleitenden Gesetzgebungen (Länder wie Bund; Naturschutzgesetzen, Wasserschutzgesetzen, Bodenschutzgesetzen, Emissionsschutzgesetzen etc) sichergestellt. Durch zusätzliche Label und Siegel sind also auch ökologisch keine wesentlichen Verbesserungen zu erwarten.

Sollten Sie weitere Informationen benötigen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diese Themen in Ihren weiteren Beiträgen weiter aufgreifen würden, damit die deutsche Gesellschaft aufgeklärt und befähigt wird, sich selbst eine kritische Meinung zu bilden.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Arbeitsgruppe Fragen an den FSC

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