“Die Ausbeutung der Urwälder – Kann ein Öko-Siegel die Holzindustrie stoppen?” die arte-Doku und ihre Reaktionen näher betrachtet

 

 

Wie in den Medienberichten richtig betont, bekommt der FSC zum 25. Geburtstag dieses Jahr ein ganz besonderes Geschenk:

Die arte-Doku “Die Ausbeutung der Urwälder – Kann ein Öko-Siegel die Holzindustrie stoppen” wurde in der vergangenen Woche ausgestrahlt und ist verfügbar bis 22.10. in der arte-Mediathek

(danach werden wir diesen Beitrag überarbeiten, sobald wir eine neue Abrufquelle gefunden haben)

Wobei er dieses wohl liebend gerne umtauschen würde. Um bei der Metapher zu bleiben: wir hoffen, der Bon ist in den Dokumenten verloren gegangen, die die zertifizierten Betriebe eben nicht vorlegen müssen. Damit fehlt ihm jegliche rechtliche Grundlage, Einblick zu verlangen. Vielleicht wäre das mal eine Maßnahme, ihn auf die Fehler im eigenen System hinzuweisen.

 

Zum Film:

Anfangs zögerlich, zum Ende hin jedoch deutlich energisch, klar und – unserer Meinung nach – fair und transparent reisen Manfred Ladwig und Thomas Reutter um den Globus um den FSC von allen möglichen Seiten zu beleuchten. Hierbei versuchen sie wiederholt, mit FSC-Vertretern, zertifizierten Firmen und anderen Repräsentanten der Gegenseite in Kontakt zu kommen. Einzig FSC-CEO Kim Carstensen setzt sich vor die Kamera. Und sagt dann doch nichts, was inhaltlich irgendwie verwertbar wäre.

 

Gegendarstellung:

Der FSC äußert in seiner Gegendarstellung seine “Erschütterung” über die “einseitige Darstellung”. Wir fragen uns, welchen Film genau die Autoren dieser Gegendarstellung gesehen haben. Uns ist in jedem Fall positiv aufgefallen, wie häufig die Autoren bemüht waren, die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen – und wie oft sie damit (meist ohne wirkliche Begründung) vor verschlossenen Türen standen!

In Ermangelung der Wahrscheinlichkeit, dass eine Gegendarstellung unsererseits zur Gegendarstellung irgendeinen Effekt hätte, zumal die Fronten klar sind, möchten wir nur so viel anmerken:

  • Zitat aus der FSC-Gegendarstellung: “Wir wollen diese Gelegenheit nutzen, um anhand von Fakten sowie gründlichen Recherchen, unsere Erfahrungen und Positionen zu jedem der Hauptthemen des Films darzulegen.”
    • Wir fragen: wer unterstellt jetzt wem subliminal, nicht gründlich zu recherchieren?
  • Zitat aus der FSC-Gegendarstellung: “Auch wenn wir uns als FSC bewusst sind, dass unsere Arbeit in einigen Bereichen noch weiterentwickelt und verbessert werden muss, sind wir bestürzt darüber, wie schamlos hier Fakten verdreht wurden.”
    • Wir freuen uns sehr über dieses Eingeständnis, und hätten sehr gerne ein paar Beispiele für Fälle, in denen die Arbeit des FSC verbessert wurde. Der aktuelle FSC-Standard für Deutschland, beispielsweise, ist eine noch weicher, unkonkreter, in manchen Vorgaben sogar nicht gesetzeskonform!
      • wir verweisen hierfür auf unsere Stellungnahme zum UNIQUE-Gutachten für die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes in Hessen
  • Zitat aus der FSC-Gegendarstellung: “Wir sind entsetzt über den Versuch, FSC mit diesen Aktivitäten in Verbindung zu bringen und lehnen Gewalt, illegalen Holzeinschlag, Missachtung der Menschenrechte und Waldvernichtung kategorisch ab. Derart unethisches Verhalten hat keinen Platz im Rahmen der FSC-Zertifizierung und führt, wenn dies in konkreten Fällen belegt werden kann, zum kompletten Ausschluss dieser Akteure aus dem FSC.”
    • Gegenbeispiel: das Unternehmen Schweighofer, gegen das vom WWF im November 2015 Beschwerde wegen Assoziation mit illegalem Holzeinschlag eingelegt wurde. erst 1,5 Jahre (um Kritik vorzubeugen: 15 Monate) später erst wurde Schweighofer auf “Bewährung” gesetzt, direkt im Anschluss wurden die Konditionen erarbeitet, unter deren Einhaltung Schweighofer weiter im FSC verbleiben darf. Während des gesamten Zeitraumes hat die Schweighofer-Gruppe das Siegel weiter getragen. Ein Ausschluss aus dem FSC scheint nicht einmal erwogen worden zu sein, stattdessen wurde sofort daran gearbeitet, die Firma in der FSC-Familie zu halten.
    • eine Auflistung der gesamten Zeitlinie findet sich (in englischer Sprache) auf der Website des FSC: Link

-> Um es im Zeitalter der Social Media-Kommunikation visuell auszudrücken:

 

Weitere Beispiel-Presseberichte:

 

 

 

Unser Fazit:

Dass wir die Dokumentation ausdrücklich begrüßen dürfte aus den vorherigen Zeilen sowie aus unserer vorherigen Arbeit schon deutlich hervorgehen. Trotzdem möchten wir auch hier wieder ausdrücklich die Wichtigkeit der eigenen Meinungbildung betonen. Falls hierfür weitere Informationen oder einfach nur ein Ansprechpartner benötigt werden, stehen wir gerne zur Verfügung!

Abschließend möchten wir den beteiligten Journalisten unseren tiefen Respekt aussprechen. In Anbetracht der Ungerechtigkeit, der (und wir bedienen uns hier bewusst der Wortwahl aus der FSC-Stellungnahme) “Schamlosigkeit” des Vorgehens der angeprangerten Firmen und des teilweise mindestens in Graubereichen agierenden FSCs

(ja, wir haben es gesagt – wir erwarten Ihre Zuschriften und freuen uns auf den Diskurs!)

noch neutral und fair zu bleiben zeugt von fachlichem Können und dem Mut, gegen einen Branchenriesen aufzustehen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Neutralität gelingt uns, wie den Texten dieser Website zu entnehmen ist, trotz bester Vorsätze leider nicht immer.

Manchmal überwiegt einfach die Wut über die Machtlosigkeit, einen milliardenschweren Riesen, der sich hinter Prestige und NGO-Unterstützung gemütlich nieder gelassen hat und keinen Grund sieht, sein Verhalten auch nur ansatzweise zu überdenken, wieder und wieder irgendwie in Bewegung kriegen zu wollen.

Wir hoffen, dass Ladwig/Reutter hierzu einen weiteren Beitrag liefern konnten.

 

 

 

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