Anleitung zur Nutzung der Kriterienkarten


1. Zweck der Karte

Die FSC Kriterienkarten dienen dem strukturierten Vergleich nationaler FSC-Waldstandards in Europa. Sie ermöglichen insbesondere:

  • den Vergleich einzelner FSC-Prinzipien, Kriterien und Indikatorenausdeutungen zwischen verschiedenen Ländern,
  • die Anzeige des jeweiligen nationalen Wortlauts,
  • die Erkennung nationaler Ergänzungen und Abweichungen,
  • die Untersuchung möglicher Risiken und Zielkonflikte,
  • den Zugriff auf relevante normative Anhänge und Addenda,
  • sowie die Kontrolle der vorhandenen Datenabdeckung.

Die Karten sind Recherche- und Vergleichswerkzeug. Sie ersetzen weder die Prüfung des jeweiligen Originalstandards noch eine fachliche, rechtliche oder naturwissenschaftliche Bewertung im konkreten Einzelfall.

2. Auswahl eines Kriteriums oder Indikators

Oben auf der Seite befindet sich das Auswahlfeld „Kriterium / Indikator“.
Dort kann der gewünschte FSC-Punkt ausgewählt werden, beispielsweise:

Prinzip 10 / Kriterium 6.6 / Indikator 6.6.1

Nach der Auswahl aktualisiert sich die gesamte Darstellung. Die Karte zeigt anschließend, welche Informationen zu diesem Punkt für die einzelnen Länder vorliegen.

3. Karte

Die Karte ermöglicht den direkten Zugriff auf die einzelnen Länder.
Durch Anklicken eines Landes öffnet sich die dazugehörige Detaildarstellung. Dort werden – soweit vorhanden – insbesondere angezeigt:

  • Status,
  • Kurzbewertung,
  • Quelle,
  • und der vollständige erfasste Wortlaut des nationalen Standards zum ausgewählten Punkt.

Das ausgewählte Land wird auf der Karte hervorgehoben.
Über die Suchfunktion kann gezielt nach einem Land oder ISO-Ländercode gesucht werden.

4. Bedeutung der Farben

Die Farben der Länder dienen zunächst der schnellen Orientierung über den vorhandenen Datenbestand.

Grün bedeutet, dass ein ausführlicher Eintrag vorhanden ist.

Gelb weist auf einen eher kurzen oder formalen Eintrag hin.

Orange kennzeichnet Stellen, bei denen insbesondere die technische Zuordnung, eine Folgereferenz oder die Einlesung überprüft werden sollte.

Grau bedeutet, dass für den ausgewählten Punkt kein entsprechender Eintrag in der Vergleichsdatenbasis vorhanden ist.

Die Farbe ist also keine Bewertung des FSC-Standards eines Landes. Sie beschreibt zunächst den Status des jeweiligen Datensatzes beziehungsweise der Zuordnung.

5. Original- und Leittext

Unterhalb der Karte befindet sich der Bereich „Original-/Leittext“.

Dieser dient als Bezugspunkt für den ausgewählten FSC-Punkt. Dadurch lässt sich der nationale Wortlaut eines Landes unmittelbar mit dem zugrunde gelegten Referenztext vergleichen.

Für die Bewertung einer Abweichung sollte jedoch immer auch der systematische Zusammenhang berücksichtigt werden. Einzelne Anforderungen können sich aus anderen Indikatoren, Definitionen oder Anhängen ergeben.

6. Ländervergleich als Tabelle

Unterhalb der Hauptdarstellung befindet sich die Tabelle „Ausgewähltes Kriterium – Länderzeilen“. Sie zeigt die erfassten Länder zum aktuell ausgewählten Kriterium oder Indikator in einer gemeinsamen Übersicht. Angezeigt werden unter anderem:

  • Land,
  • ISO-Code,
  • Status,
  • Kurzbewertung,
  • Quelle.

Diese Darstellung eignet sich besonders, um Unterschiede zwischen mehreren Ländern schnell zu erkennen.

7. Risiko- und Zielkonfliktanalyse

Der Bereich „Risiko- und Zielkonfliktanalyse“ enthält gesondert erfasste Fragestellungen, bei denen FSC-Anforderungen möglicherweise praktische, ökologische, wirtschaftliche oder andere Zielkonflikte erzeugen können.

Die Fälle können nach verschiedenen Kriterien gefiltert werden, insbesondere nach:

  • Suchbegriff,
  • Risikostufe,
  • Land,
  • Themenfeld.

Die dort dargestellten Risiken sind keine Feststellung eines tatsächlich eingetretenen Schadens und auch keine abschließende fachliche Bewertung. Sie markieren vielmehr Fragestellungen, bei denen ein möglicher Zusammenhang näher geprüft werden sollte.

Eine belastbare Aussage kann je nach Thema beispielsweise forstwissenschaftliche, ökologische, technische, statistische oder rechtliche Untersuchungen erfordern.

8. Normative Anhänge und Addenda

Nationale FSC-Standards enthalten teilweise umfangreiche Anhänge, Tabellen, HCV-Regelungen oder zusätzliche normative Dokumente. Diese Inhalte werden in einem eigenen Bereich dargestellt, damit der normale Kriterienvergleich übersichtlich bleibt. Der Bereich kann unter anderem nach Land, Status und Suchbegriff gefiltert werden.

Unterschieden wird dabei beispielsweise zwischen:

  • normativen beziehungsweise materiellen Anlagen,
  • risikorelevanten Anlagen,
  • Referenz- oder Informationsmaterial.

Wichtig ist: Eine Regelung muss nicht unmittelbar im Text eines Indikators stehen, um für die Zertifizierung relevant zu sein. Verweist der Standard verbindlich auf einen normativen Anhang, kann auch dessen Inhalt Bestandteil der einzuhaltenden Anforderungen sein.

9. Datenabdeckung und Prüflücken

Der Bereich „Datenabdeckung, Originalprüfung und verbleibende Prüflücken“ zeigt, in welchem Umfang die jeweiligen Länderstandards in der Datenbank erfasst sind. Dabei werden unter anderem dargestellt:

  • belegte Standardpunkte,
  • Prinzipien mit vorhandenen Daten,
  • fehlende Prinzip-Blöcke,
  • besondere Prüfhinweise.

Diese Angaben sind wichtig, um fehlende Daten nicht mit einer fehlenden FSC-Anforderung zu verwechseln. Wenn bei einem Land kein Eintrag angezeigt wird, bedeutet dies deshalb nicht zwangsläufig, dass dort keine entsprechende Regelung existiert.

10. Nationale Nummerierungen und Zusatzindikatoren

Die nationalen Standards folgen nicht immer vollständig derselben Nummerierungsstruktur. Einzelne Länder verwenden beispielsweise:

  • zusätzliche Unterindikatoren,
  • nationale Ergänzungen,
  • SLIMF-Regelungen,
  • besondere Varianten,
  • oder zusätzliche Anhänge.

Solche Inhalte werden soweit möglich dem entsprechenden Grundkriterium oder Basisindikator zugeordnet.

Bei komplexen nationalen Strukturen kann eine vollkommen schematische Eins-zu-eins-Zuordnung jedoch irreführend sein. Deshalb sollte im Zweifel der vollständige nationale Standard herangezogen werden.

11. Quellenprüfung

Die Kriterienkarte soll den Zugang zu den Standards erleichtern, nicht die Originalquelle ersetzen. Bei einer fachlich oder rechtlich relevanten Frage sollte deshalb immer geprüft werden:

  1. Welche Standardfassung ist betroffen?
  2. Zu welchem Zeitpunkt galt diese Fassung?
  3. Gibt es normative Anhänge oder Addenda?
  4. Gibt es nationale Zusatzindikatoren?
  5. Ist der dargestellte Wortlaut vollständig und korrekt zugeordnet?

Besonders bei historischen Sachverhalten ist darauf zu achten, dass nicht ohne Weiteres ein heutiger Standard auf frühere Zeiträume übertragen werden kann.

12. Hinweise und Korrekturen

Hinweise auf Fehler, fehlende Regelungen oder unvollständige Zuordnungen sind willkommen. Für eine möglichst schnelle Prüfung sollte eine Rückmeldung enthalten:

  • das betreffende Land,
  • das Kriterium oder den Indikator,
  • die beanstandete oder fehlende Aussage,
  • möglichst den genauen Wortlaut,
  • und die Originalquelle beziehungsweise Fundstelle.

Hinweise werden geprüft, bevor sie in die Kriterienkarte übernommen werden. Da hierfür gegebenenfalls der vollständige nationale Standard, Anhänge und Querverweise kontrolliert werden müssen, kann die Bearbeitung entsprechend Zeit benötigen.

13. Wichtiger Hinweis zur Verwendung

Die FSC Kriterienkarten sind eine strukturierte Arbeits- und Recherchehilfe.

Aus einer farblichen Darstellung, einer Kurzbewertung oder einem dargestellten Risiko kann allein keine Aussage darüber abgeleitet werden, dass ein bestimmter FSC-Standard falsch, rechtswidrig oder ursächlich für einen bestimmten Schaden ist.

Die Karte soll Unterschiede, Zusammenhänge und mögliche Fragestellungen sichtbar machen. Die eigentliche Bewertung muss anhand der jeweiligen Quellen und der konkreten Sachfrage erfolgen.


Veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: