Rückegassenabstände

Slideshow: Beispiele für Rückegassen

 

Erschließung
Um überhaupt irgendeine Arbeit im Wald verrichten zu können, muss man erst einmal an ihn heran kommen, d. h. man braucht einen Weg. Üblicherweise ist es jedoch mit einem Weg nicht getan. Letztendlich ist der bewirtschaftet Wald von einem Wegenetz durchzogen welches der Fachmann als Erschließung bezeichnet. Diese Erschließung besteht i. d. R. aus zwei Teilen. Erstens aus dem mit Lkws befahrbaren Wegenetz (Groberschließung) über welches der Transport von Geräten, Maschinen, Material und Menschen, etc. in den Wald sowie die Holzabfuhr aus dem Wald erfolgt. Und zweitens aus dem Rückegassensystem (Feinerschließung) über welches das Holz aus dem Bestand an den Waldweg gebracht wird. Während ein Lkw-befahrbarer Weg eine echte Wegebaumaßnahme darstellt und befestigt ist, sind Rückegassen einzig baumfreie Trassen in den Beständen, ohne jegliche bauliche Veränderung des Untergrundes. Im Mittelgebirge gibt es noch eine dritte Variante, den sogenannten Maschinenweg. Dieser stellt quasi eine Art „Zwischenvariante“ dar, denn hier sind nicht nur die Bäume entfernt und die Stöcke gerodet sondern der Weg ist auch geschoben und verdichtet – nicht aber befestigt. Letzterer wird zumeist in steilem Gelände eingebracht, da der Tragschlepper (Forwarder) Einsatz i. d. R. nur bis max. 30 % Gefälle durchgeführt werden sollte .

Aktuell werden diese Abstände durch die Zertifizierung in den betroffenen Wäldern von 20 auf 40 m erhöht (Version 2.3 vom 01.07.2012) bzw. die Befahrung auf 10 % der Fläche reduziert (Version 3.0 vom 15.06.2016 noch nicht offiziell gültig). Das klingt zunächst so, als würde der Schaden am Wald hierdurch geringer gehalten. Denn wenn jede zweite Rückegasse still gelegt wird, so scheint auf den ersten Blick weniger Waldfläche zerstört zu werden. Leider basiert diese Forderung jedoch weder auf einer fundierten Analyse aus der Praxis noch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es wird einfach unterstellt, dass größere Abstände nachhaltiger seien – wie es auch für einen Laien auf den ersten Blick ersichtlich sein kann.

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Stellen Sie sich folgende Rechnung bildlich vor. Wenn der Abstand von 20 auf 40m erhöht wird, fällt jede zweite Rückegasse weg. Das bedeutet, dass über jede der verbleibenden Rückegassen die doppelte Menge Holz transportiert werden muss – was mit einer höheren Belastung des Bodens einhergeht. So wird beispielsweise angemahnt, dass durch das Befahren des Bodens mit großen Erntemaschinen (Harvestern) dieser verdichtet und dementsprechend schlechter durchlüftet wird wodurch auch die Wasserspeicherfähigkeit verloren gehen kann. Darüber hinaus können Feinwurzeln durch den Druck abreißen.

Grundsätzlich sollte ein dauerhaftes Erschließungssystem angestrebt werden welches über mehrere Umtriebszeiten Bestand hat. Bei der Erst- und oder Neuanlage sollte diese möglichst frühzeitig im Bestandesleben erfolgen, im Idealfall mit Beginn der Erstdurchforstung. Eine Anlage in älteren Beständen, die erstmals erschlossen werden, muss die Ausnahme bleiben.

Aus vielfältigen Gründen hat sich in vielen Teilen Europas ein Rückegassenabstand von 20 m etabliert. Zur Erläuterung der den komplexen Sachzusammenhänge verweisen wir auf:
• Forsttechnische Informationen 1+2/2010, „Bodenschonung Beim Forstmaschineneinsatz“ FTI_1+2_2010-NEU_ende
• Forsttechnische Informationen 3+4/2010, „Bodenschutz“ FTI_3+4_2010_final
• Forsttechnische Informationen 9+10/2010, „1. KWF-Thementage Bodenschutz“ FTI_9+10_2010 (3)
• AFZ Der Wald Nr. 18, September 2013, „ 2. KWF-Thementage Umweltgerechte Bewirtschaftung nasser Waldstandorte“ AFZ_Thementage_komplett

Die Diskussion ist also nicht einfach, zeigt aber, dass eine Vereinheitlichung auf 40 m keineswegs als sinnvoll erachtet werden kann.

Viel schwerwiegender ist jedoch, dass bei der Bewirtschaftung durch die weiteren Abstände i. d. R. motormanuell zugefällt werden muss, was neben deutlich höheren Schäden am Bestand auch ein erheblich höheres Sicherheitsrisiko für die Waldarbeiter darstellt. Hierzu verweisen wir auf:

• Forst & Technik 9/2017, S 20 ff „Arbeitssicherheit – Prinzip Stop

Damit steht die Forderung nach weiteren Rückegassenabständen durch die erheblich höhere Gefährdung der Arbeiter geltendem Arbeitsrecht entgegen.

3 thoughts on “Rückegassenabstände”

    1. …… not at all. Will der Verfasser dieses Schwachsinns-Artikel etwa behaupten, dass mit 20 Meter-Rückegassen weniger Waldboden geschädigt wird, weil nur die Hälfte des Holzes über die Wege gezogen wird? Jeder der weiß welche Schäden die Befahrung mit einem Harvester im Waldboden unabhängig von der Beladung anrichtet, der weiß auch, dass jeder Quadratmeter Rückegassen ein Quadratmeter zerstörter Waldboden ist. Der 40 Meter-Abstand (hätte er in der Praxis überhaupt eine Relevanz) würde also die Fläche des geschädigten Waldbodens REDUZIEREN, und zwar um die Hälfte. Scheint als ob Forstleute den Artikel verfasst haben (Forst = Holzacker mit dem Greenwashing-Siegel “Wald”).

      1. interessanter Kommentar wahrscheinlich aus dem Klientel von Weltverbesserern , die dann in den Harvester Spuren Gelbbauchunken suchen und natürlich finden und just diese Spuren und Waldflächen unter Schutz stellen wollen. Keine Rede mehr von Bodenschäden durch Befahrung. Und höchstwahrscheinlich hat er sein Haus voll ökologisch mit Dachstuhl aus Fichtenholz, Türen, Fenstern und Treppen sowie die gesamte Möbeleinrichtung aus Holz gebaut und eingerichtet. Auch alles noch hergestellt aus einer schrecklichen Nadelbaumart, die er draußen verdammt. Diese Klientel paßt natürlich peinlichst darauf auf, daß alles verwendete Holz mit ihrem vermeintlichen Ökosiegel FSC versehen ist, um ihr Umweltgewissen zu beruhigen; nicht wissend bzw. wissen wollend, was ersatzweise im Ausland mit diesem Siegel angerichtet wird – Kahlschläge und Fahrspruren in Ausmaßen, die den Autor bei der gezeigten Reaktion wahrscheinlich ins Grab bringen würd. Vielleicht geht der Verfasser ja auch noch als Freizeit-Umweltpolizist – der deutschen liebster Beschäftigung – nach. Dann wünsch ich mal viel Spaß bei der Kröten und Unkensuche und vielleicht auch noch bei einer besinnlichen Recherche über die tats. wichtigen Dinge, die wir unseren Nachkommen hinterlassen nicht nur im schnuckeligen deutschen Ökoheim sondern v.a. auch in fernen betroffenen (Ur)Waldgebieten.
        Kleiner Tipp am Rande – google mal nach Karelien – und google mal nach, woher Dein FSC-Holz, Tetra-Pack ect. kommt – da wünsch ich jetzt schon viel Spaß u.v.a. Erfolg dabei.

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