Hessischer Rechnungshof: FSC-Zertifizierung “riskant und nicht zielführend”

Wir freuen uns sehr festzustellen, dass unsere Aufklärungsarbeit zur FSC-Zertifizierung im hessischen Staatswald scheinbar insoweit erfolgreich war, als dass sich der hessische Rechnungshof mit dem Thema FSC auseinander gesetzt hat. Hierzu erschien am 20. Oktober 2020 das Dokument

„Bemerkungen 2019 des Hessischen Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Hessen“

In dem ab Seite 146 im Kapitel

„FSC-Zertifizierung des Staatswaldes – Alles wird besser?“

Die Zertifizierung des hessischen Staatswaldes betrachtet wurde.

Wir freuen uns sehr über dieses Kapitel, da es im Wesentlichen zu den gleichen Schlüssen kommt, die auch wir in der Vergangenheit kritisiert haben:

  • Die Zertifizierung bedingt Veränderungen bei der Waldbewirtschaftung
    • Beispielsweise wird eine klimaangepasste Waldbewirtschaftung stark eingeschränkt (siehe Seite 146: „Die Einschränkungen bei der Baumartenwahl und bei erprobten waldbaulichen Verfahren begrenzen die Möglichkeiten, den Folgen der Extremwetterereignisse im Wald zu begegnen“)
  • FSC hat keinen Öffentlichkeitsnutzen (Seite 146: „eine messbar höhere gesellschaftliche Akzeptanz der Waldbewirtschaftung war nicht belegt“)
  • Sowohl das externe Gutachten als auch das von HessenForst kommen zu dem Schluss, dass die FSC-Zertifizierung dauerhaft zu Ertragseinbußen von mindestens 10 Mio. Euro führen werden (Seite 147)
  • Die in den Gutachten ausgewiesenen ökologischen Vorteile sind „nicht messbar oder wissenschaftlich belegt“ (S. 147) und damit nicht nachgewiesen
    • Der Rechnungshof geht sogar so weit zu sagen, dass die Beispiele für die ökologische Aufwertung ihn nicht überzeugt hätten (S. 147)
    • Beziehungsweise die „FSC-Standards schränken die erprobte und an den Stand der Wissenschaft und Technik angepasste gute fachliche Praxis der nachhaltigen Waldbewirtschaftung ein“ (Seite 148)
  • Dass durch die Anpassung des Rückegassennetzes von HessenForst an den FSC-Standard tatsächlich „der Waldboden stellenweise auf größerer Fläche befahren“ wurde (S. 150)

Weiterhin kommt dieser Bericht zu dem Schluss

  • Dass die FSC-Maßnahmen zu Einschränkungen und Ertragseinbußen von mindestens 10 Mio Euro im Jahr führen können (allein die Kontrollen kosten jährlich 1.2 Mio Euro)
  • Dass die ständigen Neuinterpretationen und Überarbeitungen zu „massiven Unsicherheiten bei der Festlegung langfristiger Ziele“ darstellen
  • Dass die Aussagen des Umweltministeriums zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unwahr waren; tatsächlich wurde auch unter FSC-Zertifizierung nicht auf Pflanzenschutzmittel verzichtet
    • Stattdessen wurde lediglich der Aufwand für eine Bewilligung des Einsatzes massiv erhöht (S. 150)
    • … wodurch „entsprechend wenig Effekt aus ökologischer Sicht […] dem Zertifikat zuzuschreiben“ ist (s. 151).
  • … dass dies den gesamten FSC-Standard gilt, dass er „mit einem erhöhten und fachlich unnötigen konzeptionellen und waldbaulichen Aufwand verbunden“ ist (S.151)
  • Dass die Waldbesitzer im FSC keine eigene Stimme haben, in Umweltbelangen sogar gar keine Stimmt (S. 150)
  • Dass durch die FSC-Vorgaben und die ständigen Änderungen „bei der langfristig und nachhaltig ausgerichteten Forstwirtschaft […] zu Unsicherheiten bei der Festlegung langfristiger Ziele und bei der Umsetzung in der täglichen Praxis“ führt, wodurch das „Risiko von Fehlentscheidungen“ steigt (S. 150)
  • Dass zwar im Szenario „mit FSC“ des Gutachtens rund 3.5 Mio. Euro Mehreinnahmen erwartet werden können, diese jedoch im Szenario „ohne FSC“ fast 8 Mio. Euro betragen

Insgesamt kommt der Bericht zu dem Schluss, dass nicht ersichtlich ist, warum HessenForst keine eigen nachhaltige Waldbewirtschaftung ohne Zertifikat durchführen und hierdurch die Mehrkosten vermeiden könnte, da ohnehin „keine höhere gesellschaftliche Akzeptanz erzielt wird“ (S. 151). Er hält die FSC-Zertifizierung für „riskant und nicht zielführend“ (S. 153).

Bei Interesse finden Sie den gesamten Bericht über folgenden Link:

Antwort: Kosten und Mehreinnahmen der FSC-Zertifizierung

Die Antwort der Landesregierung unterstreicht unsere Vermutung, dass die von der Landesregierung erwähnten 3.5 Mio € Mehreinnahmen aus dem Unique-Kapitel zur Baumartenzusammensetzung abgeleitet sind.

Durch die Anfrage hinweg zeigt sich deutlich, dass die Strategie, sich auf die (angeblichen) Mehreinnahmen durch Douglasie zu konzentrieren, nur bedingt aufgeht. So ignoriert die Landesregierung beispielsweise sämtliche andere Kostenpunkte, verweist aber beispielsweise bei Frage 4 nach indirekten Kosten auf das Gutachten. Dabei wird großmütig ignoriert, dass ebenjene erwähnten Kapitel zu einer anderen Schlussfolgerung kommen als die Landesregierung.

Auf Frage 5 antwortet die Landesregierung, dass Staatssekretärin Tappeser als Privatperson Mitglied im FSC ist, und sieht hierdurch scheinbar keinen Konflikt gegeben.

Die meisten anderen Fragen sind erstaunlich ausführlich und zum Teil sogar zufriedenstellend beantwortet. Eine Auflistung dieser Antworten wird hochgeladen, sobald diese Arbeitsgruppe die Fertigstellung beendet hat.

Die Kleine Anfrage ist wie immer über die Server der Landesregierung herunter zu laden: http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/3/06723.pdf

FDP Hessen stellt Kleine Anfrage zu Flächenstilllegungen – und wiederholt unsere wesentlichen Kritikpunkte!

Nachdem die SPD Fraktion Hessen eine Reihe Kleiner Anfragen an die hessische Landesregierung stellte, haben Ende März auch die Freien Demokraten eine Anfrage gestellt. Schon in der Überschrift betonen Sie, dass die Landesregierung mit der aktuellen Strategie (namentlich der FSC-Zertifizierung) “auf dem Holzweg” ist.

Weiterhin unterstützt die Anfrage unsere Forderung nach einer wissenschaftlichen Basis der Waldbewirtschaftung sowie unsere Betonung, dass Deutschland bereits seit Jahrzehnten eine nachhaltige Bewirtschaftung etabliert ist, der der FSC nichts zufügen kann. Im Gegenteil, die Zertifizierung hebt elementare Grundsätze außer Kraft und ersetzt sie durch populistische Phrasen.

Die pdf zur Anfrage steht zum Download auf den Servern der hessischen Landesregierung zur Verfügung, eine Vorschau gibt es zudem hier:

Teil 11: second SPD-request

Due to the growing depth of the discussion about FSC-certification for Hessian state forests, the SPD released another request to the State Ministry of Environment, Climate Protection, Agriculture and Consumer Protection on March 23rd. As always, the official document can be found on the website of the State Parliament: Small request concerning effects on the forest by hurricane Frederike.

 

Unfortunately, our ressources are limited, and translating our articles takes some time. If you are in need of an urgent translation of the documents we mention in this article, please contact as and we will try to translate as soon as possible.

Part 3a: Official response and our statement

On January 16, 2018, the Hessian State Parliament release the official response of the Ministry of Environment, Climate Protection, Agriculture and Consumer Protection to the SPD-request about FSC certification from November 2017.

As we are currently working on our official statement concerning UNIQUE’s report, our response to the publication mentioned above took some time and just now available for those who are interested. We did not send it to Ministers or the press, because our current focus is on UNIQUE’s report. Nevertheless, we wanted to publish it; for the sake of completeness.

Teil 8.4: Offener Brief Herr Schäfer-Gümbel

Unsere Reaktion auf die Rede von Herrn Schäfer-Gümbel (SPD) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Herr Schäfer-Gümbel

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

 

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Sehr geehrter Herr Schäfer-Gümbel,

 

es freut uns, dass Sie seit unserem letzten Anschreiben scheinbar vorsichtiger geworden sind mit Lobeshymnen auf den FSC. Schade, dass Sie in einem Großteil Ihrer Rede nicht auf das Thema sondern nur auf das Publikum eingehen.

Es freut uns, dass der „Schlingerkurs […] damit zu tun [hat], dass wir Sachen zu Ende denken“. Dann besteht für uns noch Hoffnung, dass Sie am Ende dieser Überlegungen Waldschutz und Transparenz nicht dem politischen Kalkül opfern. Denn aus politischer Perspektive mag verständlich sein, dass Sie der Konflikt in der Koalition freut. Tatsächlich wäre das aber Ihre Chance, sich als glaubwürdigen und durchsetzungsfähigen Politiker zu etablieren und sich mit dem Sachverhalt auseinander zu setzen statt abzuwarten, welche Position im Hinblick auf die nächsten Wahlen günstiger erscheint. Inhalte statt Phrasen, das wäre doch mal eine angenehme Abwechslung, um die politikverdrossene Bevölkerung von Ihrer Kompetenz zu überzeugen.

Insofern stimmen wir Ihnen vollkommen zu, dass es nicht reicht, nur Kontroll- und Zertifizierungskosten zu kompensieren. Denn was tatsächlich kompensiert werden müsste, wie wir letzte Woche schon schrieben, sind die negativen Folgen auf Mensch und Natur, die mit der Zertifizierung einhergehen. Darüber, dass das weder möglich ist noch versucht werden wird, muss man sich wohl keine Illusionen machen. Es ist ja auch der grundverkehrte Ansatz.

Die Frage, die bleibt: Wer profitiert am Ende überhaupt von einer FSC-Zertifizierung? Die Grünen, weil Sie Ihre Forderung öffentlichkeitswirksam durchgesetzt haben? Am Ende ist doch der einzige Profiteur das System FSC mit seinen akkreditierten Zertifizierern, den NGOS und Universitäten (die durch ihn Drittmittel bekommen). Der Wald, den alle immer beteuern, schützen zu wollen, ist es sicher nicht!

Auch die von Ihnen angestrebte Mitgliedschaft im FSC wird hieran nichts ändern. Sie ist im Gegenteil einer der Gründe dafür, dass dieses System niemals funktionieren kann. Solange Interessenvertreter aus Politik und Wirtschaft in den „Steuerungskreisen des FSC“, wie Ihr Kollege Herr Landau es bezeichnete, mitwirken, werden Nachhaltigkeit und Naturschutz niemals im Mittelpunkt stehen. Statt den Erkenntnissen aus moderner Forschung zu folgen werden medienwirksame aber nichtfundierte Forderungen gestellt. Wir haben Ihnen das letzte Woche bereits an den Beispielen Flächenstilllegung und Rückegassenabstände erläutert. Natürlich haben Sie Recht, dass es absurd ist, dass in Osteuropa gänzlich andere Standards gelten als hier. Glückwunsch, übrigens, dass Sie bereits bis zu diesem Sachverhalt durchgedrungen sind. Es freut uns, dass zumindest ein Teil unserer Aufklärungsversuche auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Dass das Mitwirken des Umweltministeriums oder der hessischen Landesregierung hieran etwas ändern würde, bleibt jedoch stark zu bezweifeln.

Dass eine solche Vermischung einen massiven Interessenkonflikt darstellt und dementsprechend inakzeptable ist, scheint weder die Landesregierung noch die Opposition zu stören. Wir finden diese Vermischung zutiefst schockierend und fordern Sie auf, sich hiervon klar zu distanzieren.

Im Übrigen sind die weltweit zum Teil stark unterschiedlichen Standards nicht nur aufgrund einer Wettbewerbsverzerrung für Deutschland problematisch. Sie führen auch zu Verlagerungs- bzw. Verdrängungseffekten die das genaue Gegenteil von dem bewirken, was angeblich erreicht werden soll. Wie beispielsweise den Holzimport aus borealen Primärwäldern, den wir bereits in unserem letzten Schreiben ausführlich erläutert haben.

 

Um wirklichen Naturschutz in den hessischen Wäldern zu erreichen fordern wir Sie auf:

  1. Halten Sie Ihr Versprechen, dass der „Personalabbau nicht nur gestoppt sondern Personal wieder aufgebaut wird damit nachhaltiges Wirtschaften auch weiterhin möglich ist“. Und das bedeutet: Keine FSC-Zertifizierung. Hierfür lassen sich die von Ihnen versprochenen Kompensationszahlungen hervorragend nutzen. Und Sie sparen eine Menge Geld, das nicht für eine unsinnige Zertifizierung ausgegeben werden muss.
  2. Klären Sie Ihre Kollegin Frau Feldmayer darüber auf, dass eine Tarifbezahlung für Landesbedienstete selbstverständlich ist – und keinesfalls einer FSC-Zertifizierung bedarf.
  3. Nutzen Sie die rechtlichen Grundlagen, die bereits seit Jahrzehnten in den Bundes- und Landeswaldgesetzen verankert sind, statt Ihre Verantwortung an einen Multimillionen Dollar Konzern mit Sitz in Mexiko abzugeben, der sich jeder Kontrolle entzieht.
  4. Ziehen Sie bei Ihren Bestrebungen nach einer einheitlichen Strategie für Staats-, Kommunal- und Privatwald auch die Privatwaldbesitzer mit ein, statt deren Stimmen konsequent zu ignorieren. Wussten Sie eigentlich, dass deren Ausstiegszahlen aus dem FSC seit Jahren so stark steigen, dass es so gut wie keine privaten Waldbesitzer mehr im FSC gibt? Selbst Gründungsmitglieder haben dem FSC-System inzwischen den Rücken gekehrt. Das sollte Ihnen zu denken geben.
  5. Fordern Sie Ihre Kollegen der anderen Parteien auf, Falschaussagen bezüglich des FSC und Falsch“deutungen“ des Gutachtens umgehend richtig zu stellen und von Ihren Onlinepräsenzen zu entfernen
  6. Entziehen Sie den FSC-Zertifizierungsbemühungen für den hessischen Landesforst Ihre Unterstützung. Umgehend.

 

Sie sagen, dass Sie „von nachhaltiger Waldwirtschaftsstrategie […] bisher herzlich wenig gesehen [haben].“Wir auch nicht. Und wir würden uns wirklich außerordentlich freuen, wenn sich das in naher Zukunft ändern würde. Was Sie ja versprechen. Nur bitte nicht indem Sie einer Partei folgen, die nur weil sie „grün“ im Titel trägt, noch lange nicht qualifiziert ist (und aktuell sehr anschaulich das Gegenteil beweist) die Umweltgeschicke für Hessen „allein“ zu bestimmen.

Wir sind wie immer gerne bereit weiterführende Dokumente zu liefern und uns einer Diskussion mit Ihnen oder anderen Interessierten zu stellen. Aktuelle Informationen finden Sie auch jederzeit auf unserem Blog www.fragen-an-den-fsc.de .

 

Mit freundlichen Grüßen,

Arbeitsgruppe FadFSC

 

Teil 8.3: Offener Brief an Herrn Landau (CDU)

Unsere Reaktion auf die Rede von Herrn Schott (CDU) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Herr Landau

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

 

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Sehr geehrter Herr Landau,

mit Interesse haben wir die Diskussion um die FSC-Zertifizierung für den hessischen Landesforst verfolgt. Zuerst einmal möchten wir Ihre Rede insofern loben, als dass sie im Verhältnis zu denen Ihrer Koalitionspartner verhältnismäßig viele Sachverhalte korrekt dargestellt haben.

Leider müssen wir Sie trotzdem an einigen Stellen berichtigen.

So loben Sie die Mitarbeiter von HessenForst als „gut ausgebildet und leistungsfähig“ und bedanken sich für die „wissenschaftliche Bewertung“ – wenn auch seitens des Umweltministerium diese nur mit Widerwillen öffentlich zugänglich gemacht wurde. Gleichzeitig handeln Sie jedoch bewusst gegen die Empfehlung dieser Mitarbeiter, die sich explizit gegen die Zertifizierung ausgesprochen hatten. Statt sich also wirklich zu bedanken entmündigen Sie die Landesbediensteten, sprechen Ihnen die Fähigkeit ab, die Zukunft des Landesforstes mitbestimmen zu können. Zumal die FSC-Zertifizierung für viele von Ihnen den Verlust der Arbeitsplätze bedeutet[1] und für andere damit eine signifikante Erhöhung des Risikos von Arbeitsunfällen einher geht[2]; da können Sie noch so viele Kompensationen in Aussicht stellen. Eine Handlung, die nach Aussage Ihres Koalitionspartners ja angeblich gar nicht nötig ist, wie sowohl Frau Feldmayer als auch Frau Hinz versichern. Dass mit einer solchen Dreistigkeit wissenschaftliche Ausführungen eines Gutachtens verdreht werden, macht uns nahezu sprachlos. Lassen Sie uns kurz aufklären: Tatsächlich geht das UNIQUE-Gutachten von lokalen Kosten von 8 bis 11 Millionen Euro aus. Eine Position der Gesamtrechnung sind hierbei 3.29 Millionen Euro Mehreinnahmen durch die Bewirtschaftung jeder zweiten Rückegasse[3]. Diese Summe kann jedoch erst fließen, wenn der Bestand in den natürlich längst angelegten Rückegassen nachgewachsen ist, was in frühestens 50 Jahren der Fall wäre. Ferner veranschlagt UNIQUE rund 1.21 Millionen Euro

Mehrkosten für die Bewirtschaftung mit weniger Rückegassen pro Jahr[4]. Darüber hinaus müssten die „zuvielen“ Rückegassen erst zurückgebaut werden um sie entsprechend bepflanzen zu können, dieser nicht unerheblich kostenverursachende Umstand ist erst gar nicht eingepreist.

Dabei handelt es sich aber gar nicht um die Summe, auf die Frau Feldmayer und Frau Hinz sich beziehen. Diese soll durch Mehreinnahmen durch Douglasienholz entstehen. Ein Punkt, der im gesamten Gutachten gar nicht zu finden ist. Außerdem wird auch hierbei unterschlagen, dass diese Einnahmen in frühestens 50 Jahren zu Buche schlagen werden. Und wenn, so kann OHNE FSC mehr Douglasie angepflanzt werden als MIT; eine Vortäuschung von Mehreinnahmen ist hier also nicht nur mangelhaft recherchiert sondern auch stümperhaft durchgeführt worden.

Wir dürfen Sie zitieren: „Uns als CDU ist wichtig, dass der Wald in Hessen nach höchsten Standards nachhaltig und umweltschonend bewirtschaftet wird, weil er als unser Erbe für künftige Generationen erhalten bleiben soll und weil er viele Funktionen für die Umwelt, die Artenvielfalt, den Klimaschutz, den Wasserhaushalt – aber eben auch als Erholungsraum für die Menschen.“ Da Sie sich ja bereits seit 25 Jahren in der CDU engagieren sollte Ihnen eigentlich bewusst sein, dass diese „höchsten Standards“ schon seit Jahrzehnten im Bundeswaldgesetz sowie in den Landeswaldgesetzen verankert sind. Das, was der FSC für sich selbst in Anspruch nimmt, nämlich „umweltgerechte, wirtschaftlich tragfähige und sozial förderliche“[5] Waldwirtschaft, also längst festgelegt und in weiten Teilen auch umgesetzt wurde. Abgesehen davon ist der FSC das denkbar ungeeignetste Mittel, um die Bewirtschaftung der hessischen Wälder nachhaltiger zu gestalten. Er garantiert entgegen gängiger Meinung mitnichten die Nachhaltigkeit eines Produktes respektive einer Bewirtschaftungsform. Auch ist er, übrigens nach eigener Aussage, kein Ökosiegel[6]. Seine Forderungen sind rein plakativ, populistisch und undifferenziert. Wenn Sie sich zum Beispiel mit dem Thema Rückegassenabstände wirklich auseinandersetzen, werden Sie schnell erkennen, das die pauschale Forderung des FSC, diese auf 40 m auszuweiten, jeder fachlichen Basis entbehrt.

Das Geschenk, das Sie Ihrem Koalitionspartner da machen, bringt keinen Vorteil für irgendwen (außer den FSC selbst, natürlich) – aber es wird uns alle etwas kosten. Und damit meinen wir längst nicht nur die sowohl in der Bewertung von HessenForst als auch im Gutachten von UNIQUE veranschlagten 8 bis 11 Millionen Euro und die Folgen für die Mitarbeiter von HessenForst. Auch die Umwelt wird unter FSC mehr in Mitleidenschaft gezogen als ohne – wie beispielsweise durch die weiteren Rückegassenabstände[7] oder auch durch Flächenstilllegungen. Ihre Aussagen, dass „Bodenschutz durch weniger Rückegassen“ erreicht werden könne, ist im Übrigen grundlegend falsch[8].

Natürlich muss man für die Kalkulation der tatsächlichen Kosten solcher Forderungen eine globale Betrachtungsweise an- – und globale Verantwortung übernehmen. Aber das sollte ja für eine regierende Partei selbstverständlich sein. Eigentlich müssten Sie bei der Lektüre unserer bisherigen offenen Briefe an Ihre Kollegen verschiedener Parteien[9][10][11][12] bereits hierauf gestoßen sein. Da Sie diese trotzdem weiterhin ignorieren fordern wir Sie dringend auf, als CDU Hessen hierzu Stellung zu nehmen.

Noch mehr hat uns schockiert, dass Sie annehmen, dass Ihre Mitwirkung in den „Steuerungskreisen des FSC“ eine gute Idee sei. Eine solche Einmischung von fachfremden, politischen Interessen ist einer der großen Kritikpunkte am System FSC! Denn so werden statt Umweltschutzinteressen immer auch politische Abwägungen im Mittelpunkt stehen, die an dieser Stelle keinen Platz haben! Auch das „der neue FSC-Standard […] nicht vorschreibt, dass wir vollständig alle FSC-Standards erfüllen müssen, sondern dass wir uns hier in einen kontinuierlichen Prozess begeben“ ist schlicht falsch. Dass Ihnen der FSC gelegen kommt,

damit Sie keine neue Richtlinie für die Bewirtschaftung im Staatsforst oder der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung entwickeln müssen, ist, ehrlich gesagt, eine lahme Ausrede. Sie können die Zukunft des hessischen Waldes, des „Erholungsraumes“, den Sie so preisen, nicht einfach an einen Multimillionen Euro schweren Konzern mit Sitz in Mexiko abgeben, der sich jeder Kontrolle entzieht. Erwarten Sie wirklich, dass das keine Konsequenzen nach sich zieht? Sicher, die NGOs, die massiv vom FSC profitieren werden Sie hierfür öffentlichkeitswirksam loben. Aber kann das wirklich Ihr Ziel sein?

Wo bleibt Ihre Verantwortung für Ihr Land und künftige Generationen, die Sie durch die Annahme der Regierungsführung übernommen haben?

Für weitere Informationen und Diskussionen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Die bisherigen offenen Briefe sowie Hintergrundinformationen finden Sie auf unserem Blog www.fragen-an-den-fsc.de .

 

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe FadFSC

 

 

[1] Ihre Kollegin Frau Knell hat das auf 500 Arbeitsplätze hoch gerechnet, in der Regel ergeben sich aus 1000m³3 Waldholz ein Arbeitsplatz.

[2] https://www.forstpraxis.de/klugmann_arbeitssicherheit_og/, abgerufen am 05.02.2017 um 15:17 Uhr

[3] https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/2018-01-18_abschlussbericht
_fsc_hessen_unique.pdf, Seite 73 mittig

[4] https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/2018-01- 18_abschlussbericht_fsc_hessen_unique.pdf, Seite 74 unten

[5] http://www.fsc-deutschland.de/de-de, abgerufen am 05.02.2017 um 15:17 Uhr

[6] https://www.regenwald.org/pressemitteilungen/4475/fsc-ist-kein-oekolabel,
abgerufen am 06.02.2018 um 15:08 Uhr

[7] http://www.fragen-an-den-fsc.de/?p=1051

[8] http://www.fragen-an-den-fsc.de/?p=1051

[9] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2018/02/Anschreiben-Sch
%C3%A4fer-G%C3%BCmbel.pdf

[10] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2018/02/Offener-Brief-Frau-
Feldmayer.pdf

[11] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2017/09/Fragen-An-Den-
FSC_OffenerBrief-LT-Hessen.pdf

[12] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2018/02/Offener-Brief-Frau-
Schott.pdf

Teil 8.2: offener Brief Frau Schott (Die LINKE)

Unsere Reaktion auf die Rede von Frau Schott (Die Linke) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Frau Schott

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

Sehr geehrte Frau Schott,

mit Bedauern haben wir Ihre gestrige Rede im hessischen Landtag verfolgt. Zuerst einmal freut es uns, dass Sie sich zu Waldschutzbemühungen bekennen. Gleichzeitig sind wir jedoch erschrocken über den Informationsmangel, der Ihren Aussagen zugrunde liegt.

Falls Sie sich nicht erinnern können: Wir sind eine Arbeitsgruppe die es sich zum Ziel gesetzt hat über den FSC aufzuklären und gegen die FSC-Verbrauchertäuschung und Betrug zu kämpfen. Aussagen, die wir im Übrigen gerne belegen können. Wir haben bereits im September letzten Jahres angefangen uns gegen die FSC-Zertifizierung der hessischen Staatswälder zu engagieren und haben hierzu mehrere offene Briefe formuliert. Dementsprechend fragen wir uns, warum Sie diese Informationen nicht prüfen und stattdessen weiterhin vorformulierten Ansichten des FSC und seiner Profiteure folgen. Ein Verhalten, das einer linkspolitischen Partei absolut unwürdig ist!

Sie betonen, dass der Waldschutz wichtiger ist als monetäre Interessen. Diese Grundeinstellung ist erst einmal lobenswert! Sie lassen dabei jedoch völlig außer Acht, dass der FSC ein gänzlich unzureichendes Instrument ist um dies zu erreichen. Wir betonen noch einmal, wie wir es schon dutzende Male getan haben, dass er weder ein Garant für Nachhaltigkeit ist, noch ein Öko-Zertifikat. Eine Tatsache, die er im Übrigen selbst betont: „Ihre Aussage, der FSC sei ein Ökolabel ist falsch und entbehrt jeder Grundlage“1. Abgesehen davon unterstellen Sie den Landesbediensteten mit dieser extrem verkürzten Darstellung, dass sie nicht in der Lage sind, ökologische sowie ökonomische Aspekte der Waldbewirtschaftung zu beachten. Eine ganze Berufsgruppe derart pauschal zu verunglimpfen, macht uns geradezu sprachlos. Zumal gerade diese Berufsgruppe sich die FSC-Zertifizierung „etwas kosten lassen“ muss – unter anderem dadurch, dass durch eine Ausweitung der Flächenstilllegung Arbeitsplätze weg fallen. Und ist Ihnen bewusst, dass sich durch die vom FSC geforderte Erweiterung der Rückegassenabstände von 20 m auf 40 m das Sicherheitsrisiko für Forstmitarbeiter signifikant erhöht2? Eine Tatsache, die unserer Meinung nach übrigens gegen geltendes Arbeitsrecht verstößt!

Wir fordern Sie auf, sich umfassender zu informieren und den FSC, sein System, seine Grundsätze und Handhabungen (beispielsweise in der nicht vorhanden, angeblich „strengen“ Kontrolle) kritisch zu hinterfragen!

Sie werfen der FDP vor, in der Schule nicht aufgepasst (und die eine oder andere Sendung mit der Maus verpasst) zu haben. Gleichzeitig ignorieren Sie, dass die FDP – scheinbar im Gegensatz zu Ihnen – das Gutachten gelesen und ausgewertet hat. Da stellt sich die Frage, wer von Ihnen wo nicht aufgepasst hat. Auch werfen Sie der Partei vor, „ökologisch komplett blind“ zu sein. Dass das Gegenteil der Fall ist erlauben wir uns im Folgenden ausschnittartig darzustellen.

Da wäre beispielsweise die von Ihnen erwähnte Flächenstilllegung zu nennen. Neben dem Aspekt der Entlassung von Waldarbeitern – 1.000 m³ Waldholz entsprechen etwa einem Arbeitsplatz – ist diese Forderung auch ökologisch verwerflich. Wir vermuten, dass Sie mit der Aussage, dass „ein Wald nie mehr CO² freisetzen kann als er zuvor gebunden hat“ auf den Klimaschutz durch Flächenstilllegungen einzugehen versuchen? Sollte das der Fall sein, so bitten wir zu beachten, dass durch eine Flächenstilllegung in Hessen die gleiche Menge Holz an anderer Stelle eingeschlagen werden wird – meist in borealen Wäldern z. B. in Russland. Sie müssen also beachten, dass
a) … die Einschlagsmethoden wesentlich rudimentärer sind, was im Klartext bedeutet, dass es auf den ökologischen Super-Gau des Kahlschlages hinaus läuft.
b) … mit der Kahlschlagung dieser Wälder das großflächigem Auftauen von Permafrostböden einher geht. Hierdurch werden massive Methanvorkommen freigesetzt – ein Gas, das 400 mal klimawirksamer ist als CO2. Das zieht ungleich schlimmere Folgen nach sich als die Einschlagung der gleichen Menge in Deutschland.
c) … dass das Holz durchschnittlich 5000 km weit transportiert werden muss, was mit massiven Folgen (sowohl monetären als auch ökologischen!) einhergeht.
d) …etwa 50% der Ernte aufgrund der Erschließungsbeschaffenheiten verloren geht und die Hauptproduktausbeute im Vergleich zu mitteleuropäischen Sägewerken um 30% reduziert ist. Es muss also etwa die dreifache Menge Holz eingeschlagen werden um die gleiche nutzbare Menge zu erzeugen.
Es handelt sich also, global gesehen, um einen massive Steigerung der Vernichtung ökologischer Ressourcen. Das Gleiche gilt auch für die Rückegassenabstände, die nach dem Willen des FSC von 20 m auf 40 m ausgeweitet werden sollen. Neben den negativen Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit bedeutet dies auch, dass der Boden in den verbleibenden Rückegassen exponentiell stärker geschädigt wird als bei Beibehaltung des 20 m-Abstands3.

Wie Sie ja selbst schon betonen, sind bereits jetzt gesetzliche Grundlagen vorhanden die beispielsweise den Schutz der Biodiversität durch Flächenstilllegung (aber eben nicht von 10%) gewährleisten können. Der FSC-Standard stellt hierzu keine Verbesserung da. Lassen Sie uns das an einem kurzen Beispiel verdeutlichen. Generell werden in deutschen Wäldern nur dann Pestizide verwenden, wenn sie unumgänglich sind – beispielsweise um eine großflächige Waldzerstörung zu unterbinden. Nach FSC-Richtlinien sind Pestizide generell verboten – man kann aber im Fall der Fälle auf eine Art „Sondergenehmigung“ zurück greifen, die gegen Zahlung einer Gebühr vom Verbot befreit. Dementsprechend ist diese Pestizidrichtlinie für den Waldschutz völlig sinn frei; für den FSC stellt sie jedoch eine weitere Einnahmequelle dar.

Von Transparenz, die Sie loben, kann darüber hinaus wirklich keine Rede sein. Die „vergleichende ökonomische und ökologische Bewertung der schrittweisen FSC-Zertifizierung im Hessischen Staatswald“ durch den Landesbetrieb HessenForst AöR wurde schließlich fast eineinhalb Jahre (!) lang unter Verschluss gehalten. Veröffentlicht wurde am Ende, aufgrund von massivem Druck aus den Medien, nur eine geschwärzte Version! Und dass Frau Tappesser nicht nur Staatssekretärin sondern auch Mitglied im Verein für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V. ist, winken die Grünen als belanglos ab, sie sei es ja „nur als Privatperson“. Eine Aussage, die wir bezweifeln4 – die an der Meldepflicht aber auch nichts ändern würde.

Da Sie selbst ja schon Zweifel verlauten lassen, dass die stillgelegten Flächen „hoffentlich sorgfältig ausgesucht“ werden, hoffen wir, dass Sie sich für die folgenden Debatte wissenschaftlicher Fakten und keiner medienwirksamen Oberflächlichkeit bedienen und zur einzig richtigen Erkenntnis kommen – nämlich dass die FSC-Zertifizierung in Hessen nicht dem Wald nutzt – sondern nur den monetären Interessen einiger Weniger, in diesem Fall auf der „Umweltschützer“seite.

Für weitere Informationen und Diskussionen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Die bisherigen offenen Briefe sowie Hintergrundinformationen finden Sie auf unserem Blog www.fragen-an-den-fsc.de

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe FadFSC

Teil 8.1: offener Brief an Frau Feldmayer (Grüne)

Unsere Reaktion auf die Rede von Frau Feldmayer (Grüne) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Frau Feldmayer

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

Sehr geehrter Frau Feldmayer,

es freut uns, dass Sie in Ihrer Rede auf die drei Aspekte der Nachhaltigkeit eingehen. Wo Sie doch hiermit ein so hervorragendes Beispiel dafür liefern, warum die FSC-Zertifizierung im hessischen Landesforst abzulehnen ist. Denn auch, wenn wir großzügig mal davon ausgehen könnten, dass die FSC-Zertifizierung tatsächlich einen ökologischen Nutzen bringt (was, obwohl sie so schön ein Zitat hierfür im Gutachten gefunden zu haben glauben, nicht der Fall ist), so ist das weder für die soziale noch für die ökonomische Nachhaltigkeit der Fall. Wir möchten an dieser Stelle auf ein früheres Schreiben unsererseits verweisen, das diese Behauptungen bereits widerlegt… Zur sozialen Nachhaltigkeit haben wir übrigens hier schon einen Artikel zur Herabsenkung der Arbeitssicherheit durch erweiterte Rückegassen gepostet, wir möchten auch hierauf verweisen. Abgesehen davon, übrigens, dass soziale Nachhaltigkeit unserer Auffassung nach auch bedeutet, 8 bis 11 Millionen € nicht für eine „imageträchtige“ aber sinnfreie Zertifizierung sondern für Bildung und Arbeitsplatzsicherheit zu investieren. Gleichzeitig zitieren Sie, dass durch die Zertifizierung Mehreinnahmen entstehen werden. Wir fordern Sie auf, diese Stelle bitte zu belegen – wir haben Sie im Gutachten nicht gefunden. Sie wünschen sich Tarifbezahlung? Wir auch, sehr gerne! Aber suggerieren Sie nicht, dass dies durch den FSC passieren wird! Stattdessen werden durch Flächenstilllegungen Arbeitsplätze entfallen – Frau Knell hatte diese beispielsweise mit 500 veranschlagt, wir werden dies jedoch selbst noch einmal prüfen.

Ich darf Sie kurz zitieren: „Es wird nachgeprüft […] und von einem unabhängigen Gutachter dann auch kontrolliert (…).“ Scheinbar haben Sie sich mit dem System des FSC noch nicht weiter auseinander gesetzt, wir würden dies dringend empfehlen. Nur in Kurzform: Die Gutachter können nur prüfen, was Ihnen auch freiwillig vorgelegt wird, sie erhalten keinen unbegrenzten Einblick in die Bücher. Und unabhängig sind diese Gutachter ganz und gar nicht, sie werden im Gegenteil sogar vom zertifizierten Betrieb ausgesucht – und bezahlt!

Sie sagen, es gab für die Förster durch die Zertifizierung überhaupt keine Probleme. Klären Sie uns auf wenn wir irren, aber sagt das vernichtende Gutachten von HessenForst nicht eben genau das aus, dass die Förster die Zertifizierung nicht wollen?

Wer genau sich aus welchem Grund gegen den FSC wehrt ist für uns erst einmal nur zweitrangig. Wir freuen uns, dass die Diskussion, die in den von Ihnen erwähnten Bundesländern nicht so stattgefunden hat wie Sie hätte stattfinden müssen, nun endlich in Hessen geführt wird. Warum Sie als Grüne das als persönlichen Angriff statt als fachlich-wissenschaftliche Hilfestellung interpretieren ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir hoffen, dass Sie unsere Richtigstellungsversuche irgendwann in naher Zukunft nicht mehr so konsequent ignorieren werden.

Denn: der FSC handelt bar jeder Wissenschaftlichkeit aus monetären, nicht naturbewahrenden Motiven. Und je eher Sie das erkennen, desto eher können Sie sich dem wirklichen Waldschutz widmen.

Wir fordern Sie auf, sich der inhaltlichen Diskussion über die Hintergründe des FSCs auch außerhalb des Parlamentes zu stellen. Wir fordern Sie auf, Ihre Aussagen zu belegen. Wir fordern Sie auf, hierbei von wählerklientel-freundlichen Phrasen abzusehen, die jeder Wissenschaftlichkeit entbehren. Schon bei der Auseinandersetzung mit FSC-eigenen Dokumenten wird Ihnen auffallen, dass die von Ihnen erstrebten Ziele mit diesem Instrument nicht erreichbar sind. Desweiteren sind Informationsquellen wie der NaBu, BUND, WWF, Greenpeace oder anderer NGOs übrigens unzureichend, da sie selbst massiv vom FSC profitieren, beispielsweise durch Drittmittel.

Bitte besuchen Sie auch unseren Blog www.fragen-an-den-fsc.de.

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe FadFSC

Teil 6: offener Brief an Schäfer-Gümbel

Nach widersprüchlichen Aussagen verschiedener Mitglieder der hessichen SPD und dem aktuellen Schlingerkurs von Herrn Schäfer-Gümbel zum Beispiel in den folgenden Medien

http://www.allgemeine-zeitung.de/politik/hessen/fsc-zertifizierung-des-staatswaldes-der-ton-wird-rauer-das-thema-politischer_18481744.htm

http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/waelder-in-hessen-spd-lobt-waldsiegel-a-1423125

haben wir am 25.01.2017 den folgenden offenen Brief versendet:

Anschreiben Schäfer-Gümbel

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Sehr geehrter Herr Schäfer-Gümbel,

leider müssen ich Sie aufklären, dass Sie bezüglich des FSC falsch informiert worden sind.
Möglicherweise sind Sie vom NaBu, BUND, WWF, Greenpeace oder einer ähnlichen
Organisation unzureichend aufgeklärt worden. Diese Organisationen mögen in anderen
Angelegenheiten des Umwelt- und Naturschutzes zwar gute Informationsquellen darstellen.
Im Falle des FSC sind sie jedoch parteiisch, da sie selbst massiv vom FSC profitieren,
beispielsweise durch Drittmittel. Gleichzeitig haben Sie das FSC-System seit seiner
Gründung unterstützt und können sich nun, da seine Schwächen immer mehr offenbar und
auch öffentlich kritisiert werden, nicht mehr dagegen wenden ohne ihre Glaubwürdigkeit zu
verlieren.

Ihre Forderung, Hessen solle seine Wälder nachhaltiger bewirtschaften lassen, ist zunächst
löblich. Bedauerlicherweise stellt der FSC hierfür jedoch ein ganz und gar unzureichendes
Instrument dar. Er garantiert mitnichten Nachhaltigkeit und ist, übrigens auch nach eigener
Aussage, auch kein Ökosiegel.

Wenn Sie sich von einem unabhängigen Waldökologen (also einem, der weder direkt noch
indirekt vom System profitiert) beraten lassen wird dieser Ihnen bestätigen, dass das FSC
Siegel absolut keinen Mehrwert für die Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung
darstellt. Ebenso werden Sie kaum einen Holzhändler finden, der sich mit der Materie
auseinander gesetzt hat und ehrlich hinter dem System steht. Abgesehen von solchen, die es
nutzen um beispielsweise bedenkliches Holz aus Urwäldern über den FSC zu waschen und
es fälschlicherweise als nachhaltig geerntetes Holz zu verkaufen.
Weiterhin empfehlen wir die Lektüre der „Vergleichenden ökonomischen und ökologischen
Bewertung der schrittweisen FSC Zertifizierung im Hessischen Staatswald“ durch den
Landesbetrieb HessenForst AöR. Diese finden Sie beispielsweise auf unserem Blog:
http://www.fragen-an-den-fsc.de/?p=1037.

Im Folgenden erlauben wir uns nur auf einige wenige Probleme der Zertifizierung näher
einzugehen:

1. Rückegassenabstände:
Durch die Zertifizierung werden die Rückegassenabstände in den betroffenen Wäldern von
20 auf 40m erhöht. Das klingt zunächst danach, als würde der Schaden am Wald hierdurch
geringer gehalten. Tatsächlich basiert diese Forderung jedoch weder auf einer fundierten
Analyse aus der Praxis noch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es wird einfach
unterstellt, dass größere Abstände nachhaltiger seien. Stellen Sie sich jedoch vor, was das in
der Praxis bedeutet, erstens muss doppelt soviel Holz über die Hälfte der Rückegassen
abtransportiert werden, was zu einer viel höheren Belastung derselben führt.
Viel schwerwiegender ist jedoch, dass bei der Bewirtschaftung durch die weiteren Abstände i.
d. R. motormanuell zugefällt werden, was neben deutlich höheren Schäden am Bestand auch
ein erheblich höheres Sicherheitsrisiko für die Waldarbeiter darstellt. (siehe hierzu
Forst&Technik 9/2017 S. 20 ff) Somit stellt sich grundsätzlich die Frage der Sinnhaftigkeit
dieser Forderung – zumal sie damit geltendem Arbeitsrecht entgegensteht.

2. Pestizideinsatz:
Das Gleiche gilt für das generelle Pestizidverbot im Wald. Auf den ersten Blick scheint es
eine plausible Forderung zu sein. Allerdings war der Pestizideinsatz in deutschen Wäldern
immer schon marginal und stellte unter Waldschutzgesichtspunkten die Ultima Ratio dar. Im
Falle von Kalamitäten, z. B. durch Insekten, nach großen abiotischen Schadereignissen wie
Stürmen, kann der Pestizideinsatz jedoch durchaus sinnvoll sein, um weitere großflächige
Waldzerstörung zu unterbinden. Für diesen Fall greift der FSC auf eine Art
„Ausnahmegenehmigung“ zurück, die gegen Zahlung einer Gebühr vom Pestizidverbot
befreit. Dementsprechend ist die FSC-Pestizidrichtlinie ebenso plakativ wie unproduktiv,
aber eine weitere Einnahmequelle für den FSC.

3. Flächenstilllegung:
Lokale Bewirtschaftung, die global gedacht werden muss – eine schwierige Diskussion.
In Deutschland sollen 5% der Waldfläche stillgelegt, also künftig von der Bewirtschaftung
ausgeschlossen werden. Das sind ca. 600.000 Hektar, die einem jährlichen Einschlag von ca.
4 Mio. m³ Holz entsprechen. Das klingt erst einmal nach einer guten Idee für Umweltschutz
und Nachhaltigkeit. Fakt ist jedoch, dass die fehlende Menge Holz deshalb nicht einfach
wegfällt sondern ersetzt werden muss – in der Regel mit Holz aus borealen Wäldern
(winterkalte Wälder z. B. in Russland).
Um die Dimensionen klar zu machen muss man wissen, dass in Deutschland pro Jahr und
Hektar im Durchschnitt 11 m³ Holz nachwachsen. Im borealen Wald ca. 1 bis 1,5 m³, also
um den Faktor 10 weniger. Letzteres äußert sich auch in den Vorräten pro Hektar. Diese
liegen, bezogen auf die mit hiebsreifen Beständen bestockten Waldflächen bei 36 m³ pro
Hektar. Im Klartext heißt das, um die bei uns durch Flächenstilllegungen eingesparte
Holzmenge zu ersetzen, muss z. B. in Russland, jährlich eine Fläche in der Größe von knapp
121.000 Hektar kahlgeschlagen werden, eine Fläche die größer ist als die des Landkreises
Wetterau.
Von weiteren negativen Auswirkungen auf die Umwelt wie das Auftauen der
Permafrostböden mit einhergehender Ausgasung von Methan (das 400 Mal klimawirksamer
ist als CO2) ganz zu schweigen. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden die massive
Erhöhung der grauen Energie z. B. für die Überwindung einer erheblich höheren
Transportentfernung und die damit einher gehenden ökologischen Folgen.
So führt das Experiment „Wildnis wagen“ durch Unterschutzstellung von hiesigen
Wirtschaftswäldern zur Vernichtung echter Primär(Ur)wälder in der nördlichen Hemisphäre.
Und der Verbrauch von Holz nimmt tendenziell weiter zu.
Ginge es nach dem FSC so würden aus den 5% Flächenstilllegung 10% werden, das heiß die
zuvor geschilderten Auswirkungen würden sich verdoppeln!

4. Inkonsequenz
Der FSC arbeitet mit Länderstandards. Diese werden von den Länderarbeitsgruppen – in
denen können ausschließlich örtlichen Interessenvertreter sitzen – erarbeitet, unterscheiden
sich also dementsprechend stark voneinander. Insofern ist die Verwendung des Begriffs
Standard an dieser Stelle eigentlich nicht korrekt, da er eine Einheitlichkeit impliziert die de
facto nicht gegeben ist. Eine Folge hiervon ist, dass beispielsweise in Deutschland (dem
Land mit dem wohl „strengsten“ Standard) sowohl Kahlschläge als auch Pestizide
grundsätzlich verboten sind. In Schweden darf hingegen eine beliebig große Fläche kahl
geschlagen werden. Wieso in Südschweden (nach dem FSC Standard) erlaubt ist, was in
Schleswig-Holstein oder Dänemark (gleiche klimatisch-geographische Begebenheiten) zu
einem Gefängnisaufenthalt führen würde, ist hierbei völlig unersichtlich – siehe mangelnde
Wissenschaftlichkeit, einen Absatz weiter.

5. Wissenschaftliche Basis
Die nicht vorhandene wissenschaftliche Basis der FSC-Regularien kann an verschiedensten
Beispielen verdeutlicht werden. So unterscheiden sich die oben genannten Standards an
politischen, nicht an ökosystemaren Grenzen. Dass das jeder wissenschaftlichen
Sinnhaftigkeit entbehrt ist offenkundig. Folgerichtig gibt es keinen wissenschaftlichen
Beirat- weder in den Arbeitsgruppen, noch im Mutterkonzern, noch in den einzelnen
Kammern.

6. Soziale Nachhaltigkeit
Der FSC schreibt, er wolle „umweltgerechte, wirtschaftlich tragfähige und sozial
förderliche“ Waldbewirtschaftung garantieren. Von sozialer Nachhaltigkeit kann jedoch beim
besten Willen nicht gesprochen werden, wenn zum Beispiel die oben bereits erwähnte
Erhöhung der Rückegassenabstände völlig ohne Berücksichtigung der Folgen für die
Arbeiter durchgesetzt wird.
Auch von einer basisdemokratischen Struktur, die Sie als SPD doch fordern müssten, ist der
FSC weit entfernt. Zwar sieht er vor, stakeholder an Entscheidungen über
Waldbewirtschaftung zu beteiligen. Allerdings handelt es sich hierbei für einen Großteil der
FSC-zertifizierten Flächen um Bewohner von Primärwäldern, die „schlecht erreichbar“ sind
– der Wald hat kein Telefon. Die dort lebenden Menschen wissen oft gar nicht, dass ihr
Lebensraum abgeholzt werden soll. Manche hatten nie Zugang zu westlicher Bildung,
geschweige denn zu Medien. Also verpassen sie die deadlines, sind von Konsultationen
ausgeschlossen und dementsprechend nicht an der Entscheidungsfindung beteiligt. Was in
vielen Fällen bedeutet, dass ihre Umgebung für immer zerstört wird. Spätere Proteste, wenn
die zertifizierten Arbeiter mit den Bulldozern anrücken, verhallen ungehört.
Auch die Einteilung in ein Dreikammersystem ist zwar grundsätzlich eine gute
demokratische Idee, kann jedoch niemals funktionieren, solange jede Kammer immer ein
Veto einlegen kann. So kann die Wirtschaftskammer beispielsweise Entscheidungen solange
boykottieren, bis sie zu Ihren Interessen passen. Die soziale Nachhaltigkeit bleibt bei dieser
Kompromissfindung – ebenso wie die ökologische – auf der Strecke.

Diese Liste könnte noch beliebig fortgeführt werden, wir wollten jedoch nur schlaglichtartig
auf die Fehlannahmen bezüglich des FSC hinweisen. Für weitere Informationen können Sie
uns jederzeit gerne kontaktieren.

Wie sie möglicherweise schon aus vorherigen Anschreiben an verschiedene Politiker in
Hessen entnommen haben, engagieren wir uns seit Jahrzehnten mit Holz und Waldschutz.
Dementsprechend stellen wir uns die Frage: Wie steht die SPD zur FSC-Zertifizierung? Und
wie wird sie in Zukunft dazu stehen – nicht nur, aber vor allem im hessischen Landesforst?
Für uns ist der Kampf gegen die Umweltzerstörung und Verbrauchertäuschung des FSC
unabdingbar. Ein Ablasshandel, in dem Primärwälder zugunsten des Überlebens von NGOs,
die sie eigentlich retten sollten zerstört werden, ist nicht akzeptabel.

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe Fragen An Den FSC

Teil 2: Offene Briefe bzgl Begutachtung des FSC durch die Firma UNIQUE

Vor wenigen Wochen verkündete das Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Twitter, dass das zweite Gutachten, das Frau Ministerin Hinz in Auftrag gegeben hat, von der Firma UNIQUE aus Freiburg erstellt werden solle.

Eine kurze Internetrecherche zeigte, dass UNIQUE sowohl Mitglied der Wirtschaftskammer des „Vereins für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V.“ in Freiburg sind. Weiterhin ist nach Auskunft der FSC-Website https://info.fsc.org/certificate.php vom 18.10.2017, 17.22 Uhr dem Betrieb ein Zertifikats-Code (GFA-COC-001162) zugeordnet. Dies nahmen wir zum Anlass, einen offenen Brief sowohl an UNIQUE als auch an den Vorstand des Verein für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e. V., den Geschäftsführer der FSC Global Development GmbH und den den Geschäftsführer FSC International Center gemeinnützige Gesellschaft mbH zu versenden. Auch Frau Hinz erhielt von uns ein weiteres Schreiben.

Wir sind sprachlos, wie tief die Moral der politischen Entscheidungsträger gesunken ist, dass versucht wird, eine negative Beurteilung der FSC-Zertifizierung in HessenForst mit allen Mitteln aus der Öffentlichkeit heraus zu halten. Nicht nur, dass das ursprüngliche Gutachten von HessenForst ist nach wie vor nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Frau Hinz begründet dies – ebenfalls auf Twitter – im Übrigen damit, dass man erst das zweite Gutachten abwarten wolle.

Eine Argumentation, die vor allem deswegen abdurd erscheint, weil die Firma gar nicht anders handeln kann als den FSC positiv zu bewerten, da sie sonst gegen § 4 der Satzung des Vereins für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V. verstoßen würde (in der Fassung von 2014: „(4) Die Mitglieder sind verpflichtet, die Satzung und die Beschlüsse der Vereinsorgane zu beachten und den Vereinsinteressen nicht zuwider zu handeln“).

Wir fordern Frau Hinz auch an dieser Stelle Sie daher an dieser Stelle noch einmal mit Nachdruck auf, das erste Gutachten unverzüglich und in vollem Umfang, ohne geschwärzte Passagen, zu veröffentlichen.

Die Schreiben finden Sie hier:

Frau Hinz: FragenAnDenFSC Offener Brief Frau Hinz

Funktionsträger des FSC: FragenAnDenFSC Offener Brief bzgl Firma Unique

Firma Unique: FragenAnDenFSC Offener Brief Firma UNIQUE

Über Antworten und andere Reaktionen informieren wir wie üblich an dieser Stelle.

Teil 1: Offener Brief an die Mitglieder des hessischen Landtages

Über ein Jahr lang wurde ein internes Gutachten von HessenForst, das den ökologischen und forstwirtschaftlichen Nutzen der FSC-Zertifizierung bezweifelt, unter Verschluss gehalten. Umweltministerin Hinz äußerte, dass man erst ein “externes Gutachten” abwarten wolle, und dass “die ‘Stellungnahme von HessenForst’ lediglich ein Beitrag” zur Diskussion bei. Als Reaktion sowohl auf dieses Verhalten als auch auf die Äußerungen der Ministerin wurde am 11.09.2017 ein offener Brief an die Mitglieder des hessischen Landtages verschickt. Das Schreiben finden Sie hier. Über Reaktionen, möglicherweise folgende Gespräche und ähnliches wird an gewohnter Stelle aufgeklärt. Fragen An Den FSC_OffenerBrief LT Hessen