FSC-watch kommentiert die ARTE Dokumentation: Bozovich und der Skandal um “Controlled Wood” in Peru

Hierbei handelt es sich um eine Übersetzung des ursprünglichen Artikels “ARTE Documentary: Bozovich and the scandal of “controlled wood” in Peru. FSC is “no guarantee of legality””

Angelehnt ist der Report an die erwähnte Arte-Dokumentation, die sich ebenfalls auf diesem Blog befindet

In der Fernsehdokumentation „Die Ausbeutung der Urwälder“ besuchen die ARTE Journalisten Manfred Ladwig und Thomas Reutter die Arbeitsorte der Bozovich Timber Products, eine FSC zertifizierte Holzfällerfirma, welche durch die deutsche Bundesregierung unterstützt wird. Die Journalisten fragen, ob die Gewährleistung der FSC Standards entlang der Lieferkette dort besser gewährleistet ist, als in Vietnam oder Kambodscha.
Um dies herauszufinden, begeben sich die beiden auf eine Reise mit der Firma und filmen den Holzeinschlag in der Otorongo-Konzession. Im Sägewerk der Firma ist FSC zertifiziertes Holz an den Enden rot, nicht-FSC konformes Material blau eingefärbt. Normalerweise sollte das Holz physisch voneinander getrennt sein, dies ist allerdings nicht der Fall.
Sie sprechen mit Simon Counsell, Mitglied der Rainforest Foundation UK sowie Gründungsmitglied von FSC Watch). Auf seinem Bildschirm scrollt Counsell durch den FSC Produktkettenstandard FSC-STD-40-004 V3-0 und hält bei folgender Tabelle an:


Anhand der Tabelle erklärt Counsell das Problem:
“Man könnte denken, dass ein Produkt mit einem FSC Etikett eine einfache Nachricht beinhaltet: Das Holz in diesem Produkt ist aus einer akzeptablen Quellen welche von FSC Auditoren überprüft wurde.”
„Das Label FSC 100%, welches ausschließlich FSC zertifiziertes Holz beinhaltet, ist tatsächlich nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes. Alle anderen Teile sind was der FSC euphemistisches „Controlled Wood“ bezeichnet. Controlled Wood ist solches [Holz], welches eben tatsächlich nicht kontrolliert wurde.“
“Anstatt das Auditoren im Auftrag des FSC in den Wald gehen um Holzfirmen zu überwachen, geschieht die Überwachung von weit entfernten Schreibtischen in Bonn oder London.“
Kim Carstensen, Direktor des FSC, erkennt an, dass Controlled Wood kontrovers ist und sagt Ladwig und Reutter:
“Controlled Wood ist eine der großen Kontroversen innerhalb des FSC. Es war schon immer eine große Kontroverse. Die gute Nachricht ist, dass wir das Controlled Wood System gestärkt haben und ich denke, dass jeder zustimmen wird, dass es jetzt ein gewisses Maß an Kontrolle gibt.“
Ladwig und Reutter wollen herausfinden, was „ein gewisses Maß an Kontrolle“ in Peru bedeutet.
Sie treffen die Direktorin der EIA Peru [Environmental Investigation Agency], Julia, Maria Urrunaga. Im Februar 2018 hat die EIA einen Bericht zum Thema illegaler Holzeinschlag in
Peru unter dem Namen „Moment of Truth“ veröffentlicht.
Dieser Bericht ist der jüngste Teil einer Serie von Berichten zum Thema illegaler Holzeinschlag in Peru. Der erste Bericht erschien 2012:

Ein 2012 von der EIA verfasster Bericht mit dem Namen “The Laundering Machine” stellte fest, dass “der größte Holzexporteur Perus, Maderera Bozovich, in dem Zeitraum [Jan ’08 bis Mai ‘10] Lieferungen unter 152 CITES Lizenzen exportierte von denen mindestens 45% aus
illegalen Quellen stammten.”
Der jüngste Bericht der EIA, “Moments of Truth”, stellt fest, dass FSC “keine Garantie für Legalität ist“:
Die Bozovich Gruppe ist eins von mehreren ADEX [Vereinigung der Exporteure] Mitgliedern mit FSC Waldbewirtschaftungs- und Produktkettenzertifzierung. Eine weitere Firma mit FSC Zertifzierung ist Inversiones La Oroza, deren Exporte sowohl von peruanischen als auch
amerikanischen Behörden auf illegales Holz untersucht wurden. Inversiones La Oroza bekam 2015 eine FSC Produktkettenzertifizierung für das Sägewerk in Loreta und im Spetmeber 2017 ein Waldbewirtschaftungszertifikat für ihren Waldbesitz.
Das peruanische Forstgesetz No. 29763 Artikel 127 erwähnt Zertifizierung ausdrücklich als ein Werkzeug der Nachverfolgung und der FSC hat lange sein System als Methode zur Nachverfolgung angepriesen. Dennoch verlangt das FSC System keine physische
Nachverfolgung der Holzprodukte entlang der Wertschöpfungskette, sondern greift auf ein mengenbasiertes Bilanzierungssystem zurück. Zudem beziehen sich die Poduktkettenzertifikate nie auf die Produkte an sich, sondern nur auf die Werke, in denen sie produziert wurden. Es besagt, dass ein Sägewerk grundsätzlich fähig ist, zertifzierte und nicht
zertifizierte Ware physisch zu trennen. So kann ein Sägewerk FSC CoC zertifiziert sein, ohne tatsächlich zertifiziertes Material zu produzieren.
CoC Zertifikate warden häufig in Kombination mit dem FSC “Controlled Wood” Label, welches darauf abzielt, Holz aus illegalen oder kontroversen Quellen zu vermeiden, benutzt. Zugleich entspricht dieses Holz aber nicht den FSC Kriterien der Waldbewirtschaftung. „Controlled Wood“ bedarf keiner Zurückverfolgung zum Einschlagsort und vor-Ort
Überprüfungen werden nur bei einem kleinen Teil der Lieferanten durchgeführt. Inversiones La Oroza verarbeitet „Controlled Wood“ zusätzlich zu zertifiziertem Material.
Die EIA Mitarbeiterin Julia Maria Urrunaga berichtet Ladwig und Reutter, dass Dokumente in der peruanischen Holzindustrie oft gefälscht sind. Sie zeigt ihnen eine Tabelle des letzten Urrunaga erklärt folgendes:


“In diesem, wie in dem davorgehenden, Bericht stellen sie [Bozovich] die meisten gefälschten Dokumenten. Natürlich sind sie der größte Exporteur, klar, deshalb ist das keine Überraschung. Das Problem ist aber, dass sie regelmäßig eine große Anzahl an gefälschten Dokumenten stellen. Von den 419 Dokumenten, die sie benutzt haben und die hier
stichprobenartig überprüft wurden, waren mindestens 62 gefälscht. Das wurde durch die Behörden, damit meine ich den Staat, festgestellt.
Carstensen antwortet den ARTE Journalisten, dass er den EIA Bericht kennt:
“Uns sind die EIA Berichte um Bozovich bekannt. Uns ist auch bekannt, dass amerikanische Behörden sich mit einigen der Fälle beschäftigt haben. Nach unserem Wissen war kein Material FSC zertifziert oder mit einem FSC Label versehen. Nach unserem Wissen könnte es Probleme geben, aber diese haben keinen Bezug auf FSC Produkte. Deshalb haben wir immer noch Interesse an der Firma. Sollte die Firma auf irgendeine Art in illegale Aktivitäten verwickelt sein, ist das natürlich für uns von Interesse.“
Es ist allerdings interessant, dass Carstensen nicht im Geringsten besorgt scheint, dass Bozovich als Fälscher von Frachtpapieren enttarnt wurde.
Und die passiert seit Jahren. Der 2012 veröffentlichte EIA Bericht stellte fest, dass „die für den Berichten gesammelten und analysierten Informationen zeigen ein ernsthaftes Problem in Bezug auf den legalen Ursprung eines Großteils der Produkte, die durch Bozovich vertrieben
werden. Die muss nicht notwendigerweise auch für die FSC Produkte gelten.“
Ladwig und Reutter besuchen den Hafen von Pucallpa und finden große Berge an Holz, das für den Export bestimmt ist. Ihr Schiffsführer teilt ihnen mit, dass alles illegal eingschlagenes Holz ist. „Das ist hier ein offenes Geheimnis“, sagt er.


Von hier geht das Holz an andere Holzfirmen – mit gefälschten Papieren. Die Journalisten kommentieren, dass jemand, der Dokumente und Stempel vertraut entweder naiv oder geschmiert ist.

FSC-Artikel im Newsletter von Skydda Skogen/Protect the Forest

Im aktuellen Newsletter veröffentlicht Protect the Forest (schwedisch: Skydda Skogen) einen Artikel zu einem offenen Brief, den FSC-zertifizierte Betriebe an schwedische Entscheidungsträger verschickt haben. Der Artikel zeigt eines der Probleme der FSC-Zertifizierung auf, nämlich die Problematik der verschiedenen Standards. In Schweden wird eine Waldbewirtschaftung geduldet, ja teilweise sogar verlangt, die in Deutschland gegen geltendes Recht verstoßen würde. Der FSC belegt hierdurch (wieder einmal), dass er keinesfalls eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder garantiert – und das offensichtlich nicht einmal anstrebt. Siehe hierzu auch unsere Fotoreihe zu riesigen Kahlschlägen biologisch wertvoller Wälder in Schweden – einfach hier klicken.

Der gesamte Newsletter kann auf Schwedisch und Englisch hier eingesehen werden. Eine (sehr rudimentäre) Übersetzung folgt weiter unten.

Besuchen Sie auch die Website der NGO für mehr Informationen zu ihrer Arbeit – Informationen sind an dieser Stelle auch auf Deutsch erhältlich.

 


 

In Schweden soll eine große Menge biologisch erhaltenswerter Wälder gefällt werden. In einem offenen Brief vom 9. Dezember forderten 90 Repräsentatnen aus 70 FSC-zertifizierten Unternehmen von Großkonsum-Staaten in Europa, Wälder mit großer Schützenswürdigkeit in Schweden permanent zu schützen. Schweden ist der drittgrößte Exporteur von Papier, Papierbrei und Sägeholz der Welt. Auch Deutschland zählt neben Großbritannien und den Niederlanden zu den größten Abnehmern. Repräsentanten dieser europäischen Unternehmen warnten, dass sie – sollten Ihre Forderungen nicht erfüllt werden – in Betracht ziehen könnten, den Handel mit schwedischen Waldprodukten auszusetzen.

Die unterzeichnenden Unternehmen sorgen sich um mehrere hochgradig erhaltenswerte Wälder, die von zertifizierten Forstunternehmen wie Sveaskog, Stora Enso und SCA gefällt werden sollen. Sie appellieren an die schwedische Regierung, die Schwedische Forst Agentur und die zertifizierten Waldunternehmen, diese Wälder permanent zu schützen.

In Schweden steht ein bedeutender Anteil der verbleibenden Naturwälder Europas. Schweden ist engagiert, seine Biodiversität durch internationale und nationale Umweltziele zu schützen. Trotzdem ist der Staat weit davon entfernt, diese Ziele zu erreichen. Der Forest Stewardship Council (FSC) ist ein Waldzertifikat für nachhaltige Waldwirtschaft. Dem FSC-Standard zufolge sollten hochgradig erhaltenswerte Wälder aus der Bewirtschaftung heraus genommen werden. Trotzdem werden viele biologisch erhaltenswerte Wälder von der zertifizierten Waldbewirtschaftung in Schweden gefällt.

Im offenen Brief heißt es: „Es ist inakzeptabel, dass diese Restbestände von hochgradig schützenswerten Wäldern, die einzigartig und Teil der letzten Wildnis in Europa sind, keinem permanenten Schutz unterstehen und unter der Fahne des FSC gefällt werden. Das untergräbt klar die Glaubwürdigkeit des FSC. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sollte die Biodiversität, Arten und natürliche Umwelt nicht verschlechtern.

Die Unternehmen, die diesen offenen Brief  unterzeichnet haben, arbeiten mit allem von Druck, Verpackung und Recycling bis hin zu Inneneinrichtung und Konstruktion, wie auch der Waldwirtschaft. „Konsumenten wollen sicher sein, dass sie ein verantwortungsvolles Produkt erwerben. In Deutschland unterstützt das FSC-Label eine Natur-orientierte Waldwirtschaft und hohe Umweltstandards, während sie in Schweden zerstörende Kahlschläge unterstützt. Für den Konsumenten ist das sehr verwirrend und verzerrt den Wettbewerb. Die Glaubwürdigkeit der gesamten schwedischen Waldwirtschaft und der FSC-Zertifizierung ist bedroht“, sagt Knut Sturm, Vorsitzender der Lübecker Stadtwaldverwaltung in Deutschland.

Die Initiatoren des Anschreibens sind die schwedische NGO „Protect the Forest“ und die deutsche NGO Robin Wood. „Wir können es uns nicht leisten diese wertvollen, letzten verbleibenden alten Wälder zu verlieren. Der Verlust der Biodiversität ist kritisch und es besteht dringender Bedarf, wissenschaftlich Naturschutz-orientiert zu handeln statt auf einer Produktionsorientiertung zu beharren. Wir hoffen, dass dieser Brief für Entscheidungsträger in der schwedischen Regierung, der Schwedischen Waldagentur und der Waldwirtschaft die Augen öffnet. Alle hochgradig erhaltenswerten Wälder müssen permant geschützt werden“, sagt David van der Spoel, Sprecher von Protect the Forest.

 

eurobinia in brand eins: Kritik am FSC

In der Ausgabe 09/2012 des Wirtschaftsmagazins brand eins schien ein Artikel, der unter anderem auf jahrelangen Recherchen von eurobinia beruht. Er enthält unter anderem ein Interview mit Andre de Freitas, Geschäftsführer der FSC International Center GmbH, der ASI GmbH und der Global Development Company GmbH, sowie Teile eines Interviews mit Gerriet Harms. Kritisch, aber sachlich, erläutert brand eins wie der FSC “seinen Erfindern, Konzernen, Kunden und der Politik” nutzt – “Nur der Umwelt herzlich wenig”.

Zusammenfassend: Sowohl für Kenner der Materie als auch bisher Uninformierte absolut lesenswert!

Der Artikel bei brand eins online: http://www.brandeins.de/magazin/interessen/die-stempel-industrie.html

Hier finden Sie auch noch eine PDF-Version des Artikels.

Der Pakt mit dem Panda

Am 22. Juni 2011, 23.30 Uhr erschien in der ARD der Beitrag “Der Pakt mit dem Panda”. Der Film bietet Einblicke hinter die Fassade des WWF, der möglicherweise einflussreichsten Lobbyorganisation der Welt. Dokumentarfilmer Wilfried Huismann zeigt Geschichten, die deutliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des grünen und ehrlichen Images des WWF wecken. Für den Zweck dieser Website ist das besonders interessant, weil der WWF einer der größten Verfechter des FSC ist und Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit damit ein weiterer Beleg für die Schwierigkeiten des FSC-Systems.
Der vollständige Filmbeitrag ist aktuell weder in der ARD-Mediathek noch auf youtube verfügbar. Auf dailymotion ist er jedoch noch zu finden: http://www.dailymotion.com/video/xqjbli

Weitere Informationen zu dem Pakt mit dem Panda:

http://www.tvdigital.de/programm/der-pakt-mit-dem-panda-was-uns-der-wwf-verschweigt_62016043

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Pakt_mit_dem_Panda

http://de.wwfdoku.wikia.com/wiki/WWF-Doku_%22Pakt_mit_dem_Panda%22_Wiki

 

Kahlschlag für Ökoholz – Report Mainz

Am 14. Februar 2011 wurde der Beitrag “Kahlschlag für Ökoholz” in die Report Mainz-Sendung aufgenommen. Der FSC reagierte hierbei mit einer Stellungnahme, die bereits am Dienstag den 15.02.2011 veröffentlicht wurde. Interessierte finden sie hier: Stellungnahme des FSCs. Wie gewohnt versucht der FSC die Darstellung zu relativieren, greifbare Argument oder konsequente Handlungen sind jedoch nicht zu erkennen. Widerlegen kann der FSC die Inhalte der Sendung jedenfalls nicht.

Wir hoffen, dass nun auch andere Medien diese Thematik aufgreifen und die Hintergründe des FSCs weiter beleuchten. Auch wenn einige Umweltorganisationen sich noch immer an den FSC klammern, darf der Irrtum, dass das FSC Siegel für umweltfreundliche und legale Waldwirtschaft einsteht, nicht weiter verbreitet werden. Die Argumentation der NGOs, dass ein schlechtes Zertifizierungssystem immer noch besser als gar keins sei, darf kein Grund sein, Greenwashing und Verbrauchertäuschung zu unterstützen.

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