Antwort: Kosten und Mehreinnahmen der FSC-Zertifizierung

Die Antwort der Landesregierung unterstreicht unsere Vermutung, dass die von der Landesregierung erwähnten 3.5 Mio € Mehreinnahmen aus dem Unique-Kapitel zur Baumartenzusammensetzung abgeleitet sind.

Durch die Anfrage hinweg zeigt sich deutlich, dass die Strategie, sich auf die (angeblichen) Mehreinnahmen durch Douglasie zu konzentrieren, nur bedingt aufgeht. So ignoriert die Landesregierung beispielsweise sämtliche andere Kostenpunkte, verweist aber beispielsweise bei Frage 4 nach indirekten Kosten auf das Gutachten. Dabei wird großmütig ignoriert, dass ebenjene erwähnten Kapitel zu einer anderen Schlussfolgerung kommen als die Landesregierung.

Auf Frage 5 antwortet die Landesregierung, dass Staatssekretärin Tappeser als Privatperson Mitglied im FSC ist, und sieht hierdurch scheinbar keinen Konflikt gegeben.

Die meisten anderen Fragen sind erstaunlich ausführlich und zum Teil sogar zufriedenstellend beantwortet. Eine Auflistung dieser Antworten wird hochgeladen, sobald diese Arbeitsgruppe die Fertigstellung beendet hat.

Die Kleine Anfrage ist wie immer über die Server der Landesregierung herunter zu laden: http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/3/06723.pdf

FDP Hessen stellt Kleine Anfrage zu Flächenstilllegungen – und wiederholt unsere wesentlichen Kritikpunkte!

Nachdem die SPD Fraktion Hessen eine Reihe Kleiner Anfragen an die hessische Landesregierung stellte, haben Ende März auch die Freien Demokraten eine Anfrage gestellt. Schon in der Überschrift betonen Sie, dass die Landesregierung mit der aktuellen Strategie (namentlich der FSC-Zertifizierung) “auf dem Holzweg” ist.

Weiterhin unterstützt die Anfrage unsere Forderung nach einer wissenschaftlichen Basis der Waldbewirtschaftung sowie unsere Betonung, dass Deutschland bereits seit Jahrzehnten eine nachhaltige Bewirtschaftung etabliert ist, der der FSC nichts zufügen kann. Im Gegenteil, die Zertifizierung hebt elementare Grundsätze außer Kraft und ersetzt sie durch populistische Phrasen.

Die pdf zur Anfrage steht zum Download auf den Servern der hessischen Landesregierung zur Verfügung, eine Vorschau gibt es zudem hier:

Der WWF-Skandal und die Auswirkungen auf den FSC

In den letzten Tagen haben verschiedene Medien darüber berichtet, dass der WWF mit Wildhütern zusammen arbeitet, die Menschen foltern und töten. Einige Artikel hierzu finden sich beispielsweise hier beispielsweise in der

der Tagesschau

Aargauer Zeitung

dem Spiegel

der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

noch einmal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

dem Handelsblatt

Als einer der größten Befürworter des FSC, einer Organisation die die Weltanschauung des FSC teilt und understützt und einem unermüdlichen Bestreben, den FSC zu fördern und seine Richtlinien zu implementieren; welche Rückschlüsse lässt solches Verhalten auf den vom WWF gegründeten FSC zu?

Der WWF steht hier nicht allein unter Kritik, auch auf den FSC als vom WWF gegründeter Konzern fallen diese Anklagepunkte zurück – die Artikel sind allerdings gerade nur auf Englisch verfügbar:


FSC-watch kommentiert die ARTE Dokumentation: Bozovich und der Skandal um “Controlled Wood” in Peru

Hierbei handelt es sich um eine Übersetzung des ursprünglichen Artikels “ARTE Documentary: Bozovich and the scandal of “controlled wood” in Peru. FSC is “no guarantee of legality””

Angelehnt ist der Report an die erwähnte Arte-Dokumentation, die sich ebenfalls auf diesem Blog befindet

In der Fernsehdokumentation „Die Ausbeutung der Urwälder“ besuchen die ARTE Journalisten Manfred Ladwig und Thomas Reutter die Arbeitsorte der Bozovich Timber Products, eine FSC zertifizierte Holzfällerfirma, welche durch die deutsche Bundesregierung unterstützt wird. Die Journalisten fragen, ob die Gewährleistung der FSC Standards entlang der Lieferkette dort besser gewährleistet ist, als in Vietnam oder Kambodscha.
Um dies herauszufinden, begeben sich die beiden auf eine Reise mit der Firma und filmen den Holzeinschlag in der Otorongo-Konzession. Im Sägewerk der Firma ist FSC zertifiziertes Holz an den Enden rot, nicht-FSC konformes Material blau eingefärbt. Normalerweise sollte das Holz physisch voneinander getrennt sein, dies ist allerdings nicht der Fall.
Sie sprechen mit Simon Counsell, Mitglied der Rainforest Foundation UK sowie Gründungsmitglied von FSC Watch). Auf seinem Bildschirm scrollt Counsell durch den FSC Produktkettenstandard FSC-STD-40-004 V3-0 und hält bei folgender Tabelle an:


Anhand der Tabelle erklärt Counsell das Problem:
“Man könnte denken, dass ein Produkt mit einem FSC Etikett eine einfache Nachricht beinhaltet: Das Holz in diesem Produkt ist aus einer akzeptablen Quellen welche von FSC Auditoren überprüft wurde.”
„Das Label FSC 100%, welches ausschließlich FSC zertifiziertes Holz beinhaltet, ist tatsächlich nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes. Alle anderen Teile sind was der FSC euphemistisches „Controlled Wood“ bezeichnet. Controlled Wood ist solches [Holz], welches eben tatsächlich nicht kontrolliert wurde.“
“Anstatt das Auditoren im Auftrag des FSC in den Wald gehen um Holzfirmen zu überwachen, geschieht die Überwachung von weit entfernten Schreibtischen in Bonn oder London.“
Kim Carstensen, Direktor des FSC, erkennt an, dass Controlled Wood kontrovers ist und sagt Ladwig und Reutter:
“Controlled Wood ist eine der großen Kontroversen innerhalb des FSC. Es war schon immer eine große Kontroverse. Die gute Nachricht ist, dass wir das Controlled Wood System gestärkt haben und ich denke, dass jeder zustimmen wird, dass es jetzt ein gewisses Maß an Kontrolle gibt.“
Ladwig und Reutter wollen herausfinden, was „ein gewisses Maß an Kontrolle“ in Peru bedeutet.
Sie treffen die Direktorin der EIA Peru [Environmental Investigation Agency], Julia, Maria Urrunaga. Im Februar 2018 hat die EIA einen Bericht zum Thema illegaler Holzeinschlag in
Peru unter dem Namen „Moment of Truth“ veröffentlicht.
Dieser Bericht ist der jüngste Teil einer Serie von Berichten zum Thema illegaler Holzeinschlag in Peru. Der erste Bericht erschien 2012:

Ein 2012 von der EIA verfasster Bericht mit dem Namen “The Laundering Machine” stellte fest, dass “der größte Holzexporteur Perus, Maderera Bozovich, in dem Zeitraum [Jan ’08 bis Mai ‘10] Lieferungen unter 152 CITES Lizenzen exportierte von denen mindestens 45% aus
illegalen Quellen stammten.”
Der jüngste Bericht der EIA, “Moments of Truth”, stellt fest, dass FSC “keine Garantie für Legalität ist“:
Die Bozovich Gruppe ist eins von mehreren ADEX [Vereinigung der Exporteure] Mitgliedern mit FSC Waldbewirtschaftungs- und Produktkettenzertifzierung. Eine weitere Firma mit FSC Zertifzierung ist Inversiones La Oroza, deren Exporte sowohl von peruanischen als auch
amerikanischen Behörden auf illegales Holz untersucht wurden. Inversiones La Oroza bekam 2015 eine FSC Produktkettenzertifizierung für das Sägewerk in Loreta und im Spetmeber 2017 ein Waldbewirtschaftungszertifikat für ihren Waldbesitz.
Das peruanische Forstgesetz No. 29763 Artikel 127 erwähnt Zertifizierung ausdrücklich als ein Werkzeug der Nachverfolgung und der FSC hat lange sein System als Methode zur Nachverfolgung angepriesen. Dennoch verlangt das FSC System keine physische
Nachverfolgung der Holzprodukte entlang der Wertschöpfungskette, sondern greift auf ein mengenbasiertes Bilanzierungssystem zurück. Zudem beziehen sich die Poduktkettenzertifikate nie auf die Produkte an sich, sondern nur auf die Werke, in denen sie produziert wurden. Es besagt, dass ein Sägewerk grundsätzlich fähig ist, zertifzierte und nicht
zertifizierte Ware physisch zu trennen. So kann ein Sägewerk FSC CoC zertifiziert sein, ohne tatsächlich zertifiziertes Material zu produzieren.
CoC Zertifikate warden häufig in Kombination mit dem FSC “Controlled Wood” Label, welches darauf abzielt, Holz aus illegalen oder kontroversen Quellen zu vermeiden, benutzt. Zugleich entspricht dieses Holz aber nicht den FSC Kriterien der Waldbewirtschaftung. „Controlled Wood“ bedarf keiner Zurückverfolgung zum Einschlagsort und vor-Ort
Überprüfungen werden nur bei einem kleinen Teil der Lieferanten durchgeführt. Inversiones La Oroza verarbeitet „Controlled Wood“ zusätzlich zu zertifiziertem Material.
Die EIA Mitarbeiterin Julia Maria Urrunaga berichtet Ladwig und Reutter, dass Dokumente in der peruanischen Holzindustrie oft gefälscht sind. Sie zeigt ihnen eine Tabelle des letzten Urrunaga erklärt folgendes:


“In diesem, wie in dem davorgehenden, Bericht stellen sie [Bozovich] die meisten gefälschten Dokumenten. Natürlich sind sie der größte Exporteur, klar, deshalb ist das keine Überraschung. Das Problem ist aber, dass sie regelmäßig eine große Anzahl an gefälschten Dokumenten stellen. Von den 419 Dokumenten, die sie benutzt haben und die hier
stichprobenartig überprüft wurden, waren mindestens 62 gefälscht. Das wurde durch die Behörden, damit meine ich den Staat, festgestellt.
Carstensen antwortet den ARTE Journalisten, dass er den EIA Bericht kennt:
“Uns sind die EIA Berichte um Bozovich bekannt. Uns ist auch bekannt, dass amerikanische Behörden sich mit einigen der Fälle beschäftigt haben. Nach unserem Wissen war kein Material FSC zertifziert oder mit einem FSC Label versehen. Nach unserem Wissen könnte es Probleme geben, aber diese haben keinen Bezug auf FSC Produkte. Deshalb haben wir immer noch Interesse an der Firma. Sollte die Firma auf irgendeine Art in illegale Aktivitäten verwickelt sein, ist das natürlich für uns von Interesse.“
Es ist allerdings interessant, dass Carstensen nicht im Geringsten besorgt scheint, dass Bozovich als Fälscher von Frachtpapieren enttarnt wurde.
Und die passiert seit Jahren. Der 2012 veröffentlichte EIA Bericht stellte fest, dass „die für den Berichten gesammelten und analysierten Informationen zeigen ein ernsthaftes Problem in Bezug auf den legalen Ursprung eines Großteils der Produkte, die durch Bozovich vertrieben
werden. Die muss nicht notwendigerweise auch für die FSC Produkte gelten.“
Ladwig und Reutter besuchen den Hafen von Pucallpa und finden große Berge an Holz, das für den Export bestimmt ist. Ihr Schiffsführer teilt ihnen mit, dass alles illegal eingschlagenes Holz ist. „Das ist hier ein offenes Geheimnis“, sagt er.


Von hier geht das Holz an andere Holzfirmen – mit gefälschten Papieren. Die Journalisten kommentieren, dass jemand, der Dokumente und Stempel vertraut entweder naiv oder geschmiert ist.

Teil 11: second SPD-request

Due to the growing depth of the discussion about FSC-certification for Hessian state forests, the SPD released another request to the State Ministry of Environment, Climate Protection, Agriculture and Consumer Protection on March 23rd. As always, the official document can be found on the website of the State Parliament: Small request concerning effects on the forest by hurricane Frederike.

 

Unfortunately, our ressources are limited, and translating our articles takes some time. If you are in need of an urgent translation of the documents we mention in this article, please contact as and we will try to translate as soon as possible.

Part 3a: Official response and our statement

On January 16, 2018, the Hessian State Parliament release the official response of the Ministry of Environment, Climate Protection, Agriculture and Consumer Protection to the SPD-request about FSC certification from November 2017.

As we are currently working on our official statement concerning UNIQUE’s report, our response to the publication mentioned above took some time and just now available for those who are interested. We did not send it to Ministers or the press, because our current focus is on UNIQUE’s report. Nevertheless, we wanted to publish it; for the sake of completeness.

For sharing: “Why should your company choose FSC”, a comment

Warning: The written statements neither represent our attitude towards the FSC, nor are they meant to be a recommendation. This text contains irony and sarcasm. It is an answer to 10 Reasons to Choose FSC, published by the FSC UK. The screenshots are taken from the original article on https://ic.fsc.org/en/choosing-fsc/10-reasons-to-choose-fsc, we do not own any of it. Please keep that in mind while reading the following:

 

Dear Companies, Associations, Private Members,

To simplify your decision for the FSC-certification, we explained the 10 Reasons to Choose FSC in more details, and of course unofficial material – just for you:



Which actually means, you could have a say in what the regulations look like. If you don’t like them, convince a couple of other members. If you get a XX or YY to use their veto-right, anything that threatens your interests is not going to happen. And don’t worry, there are no scientists orr influential environmental scientists, that could spit into your soup – the FSC is well protected, see point 3.



… in a world that does not have many forest standards at all. So “highest standard” actually means “we are better than the others”. But don’t worry, it does not mean you have to change your habits much, they’ll just rearrange a couple of things, and then you can go back to normal. They don’t mean to interfere much. If they are coming to check on you, they’ll most likely let you know. And if they don’t, no need to panic, you just have to show them the documents you’ll like them to see. So hire a good bookkeeper and you’ll be fine.
And here’s the best part, 95% of the world’s population (well, those 5% who heard of the FSC before), do actually believe that they HAVE the highest standard. So you’re getting the full deal. It’s like collaborating with a dictator that killed the fewest people. Or a farmer that is using the least toxic fertilizer. No one will know that there still are dead people and destroyed ecosystems. No one will care! Most of the NGOs have forgotten about their original intentions in their search for fundings and influence…



Don’t worry, FSC just sounds like a non-profit-organisation. They actually are a business just like yours. Phew. Your money is not in danger. Actually, collaborating with FSC could save you some money – AND avoid debates with NGOs, while you are harvesting clearcuts. They bring a lot of respectability, so you don’t have to spend that much more on campaigns and your public image. That is, after it’s known that you are FSC, of course. This is not a one-way street, you will be asked to take your part in the “they are so fantastic”-circle. And again: don’t worry, it’s not that much work and really pays off.



True. Well, partly. But you don’t have to tell that to everyone. FSC can show off certified forest from all around the world. Of course, the people(s) who live in them, often don’t have an idea whats happening. That is, unless the harvesters arrive. You know, the internet is such a fantastic thing, you can let everyone you want to know what’s happening – and those you don’t want to don’t have it! Did you know that just a few countries actually have a FSC-standard? Many countries use the general guideline instead. So the system is as cheap as possible, we promise.



Well, first: Do you see what they are doing here? Cleverly not mentioning on what, for what, where… they have this impact. This is how they work! Genius, right?
Also, this point is a bit confusing. We tried to find out if FSC is better than no-FSC around the globe. And believe me, that really is a question that can’t be answered easily. So we can’t really do it. That is due to:
a) Things that are permitted in one country can be strictly prohibited in another
b) These differences are completely random, so we had difficulties to link a rule to a specific region or micro climate
c) We are confused, how clear-cuts aline with “”we provide the highest level of protection for [..] natural forests”. But hey, doesn’t matter, they found a way to make money out of them AND having the media on their side. That’s a huge achievement!



As stated in 5, it’s really hard to tell what they do and what they just say they do. They really perfectionised a quoting-circle with some of the NGOS (check out WWF, they perfectioned it!)
So if you really want to make yourself bulletproof against any stones thrown, you really should check with your local FSC-group. They are nice, moderate people (no radical environmentalist there, guaranteed) and they’ll do their best to understand your question and try to find an answer in the endless document-jungle. You might need to be patient with them, though, the FSC tries to drown any critics in documents by constantly changing them, so even the insiders usually don’t really know what’s happening. But we are sure they’ll try their best.
But most importantly: If anyone would ever criticise you for your behaviour, your actions, things you said – FSC can send their big brothers to protect you!



But not too much. It’s a genius system: everyone who will have a short look will see what they want them to see – forest protection, sustainability, nature. And everyone who is sceptical will just get lost in the jungle – believe us, we’re talking from experience! Of course, they need to say they are “open to public review” (meaning: they share with registered stakeholders that signed a document saying they would never critise) and that their products are “independently audited”. But as we stated before, they know a lot of people, that can make negative publicity go away.



Again, this one really is tricky. As we said under point 5, it’s hard to understand where the differences came from. But they managed to keep the “principles and criteria”, which they refer to here, as general as possible. So just for those really fanatic people (nobody listens to), the contradictions will come to light.



That means, if you need to keep 10% of your forest in, let’s say, Germany, untouched, you don’t have to fear that you have to live without the wood that you would usually harvest there. Don’t worry, you won’t. It might come from far away, though, in case of the German example from, let’s say, Russia. That’s 5000km. But the good news is: people over there ask even fewer questions than your locals in Germany.
And if you want to cut the forest of a local people, you just have to officially advertise that somewhere, wait until the deadline is over (and no one will come forward, since they don’t know it’s existing, isn’t that genius!) and then send your harvesters. Even if the people protest, they don’t have internet, so just locals will hear. Nothing to worry about.



“FSC is the only forest certification scheme member of ISEAL Alliance, the global association for sustainability standards”. You can use that for your advertisement. Just few people actually know that ISEAL was founded by FSC and MSC just for the purpose to pretend that they are independent.
So wouldn’t it look great on YOUR office wall as well?!
What are you waiting for?

Geschäftsmodell Wolf

 

„Die Welt“ veröffentlichte vor kurzem einen Artikel, der einen unserer Kritikpunkte an den NGOs sehr anschaulich unterstreicht. Gegründet, um „die Welt zu retten“, sind viele NGOs mittlerweile gut verdienende Unternehmen. So profitieren beispielsweise WWF, Greenpeace, NaBu und BUND am FSC, da Ihnen die Kooperation nicht nur einen Imagegewinn sondern auch große Summen Drittmittel und Fördergelder verschafft. Der besagte Artikel verdeutlicht dies am Beispiel des NaBu mit dem „Geschäftsmodell Wolf“. Die folgenden Ausschnitte wurden vom Bauernverband Schleswig Holstein ausgewählt und auf Facebook gepostet:

 

Der Wolf ist eine gigantische Geldmaschine. Ein grünes Geschäftsmodell, das Ideologie in Abermillionen an Spenden und Steuergelder verwandelt, das Naturschutzfunktionäre in Regierungsämter hievt, Institute von professionellen Wolfsbeobachtern finanziert. Kritik daran, selbst Zweifel, gelten quasi als Umweltverbrechen.

Ein Beispiel dafür ist der Naturschutzbund Deutschland e.V. Der NABU ist auch ein florierendes Unternehmen mit Millionenumsätzen, professionellem Management, einer Abteilung für „Strategische Geschäftsentwicklung“.

Seit 12 Jahren hat der NABU das Projekt „Willkommen Wolf“ unter seine Fittiche genommen. 2016 hat der NABU-Bundesverband nach eigenen Angaben 22.300 Euro an wolfsbezogenen Spenden erhalten. 336.000 Euro kamen durch „Wolfspatenschaften“ herein. Aus dem Goldesel ist der Platinwolf geworden. Weniger wegen dieser Kleinspenden, sondern mehr wegen des Imagevorteils, der sich vortrefflich zu Geld machen lässt.

Über welche Mittel der NABU verfügt, ist nicht ganz einfach zu überschauen. Ausgewiesen sind für den Bundesverband Spenden in Höhe von 5,4 Millionen Euro. Die Gesamterträge belaufen sich auf 44,6 Millionen Euro. 9,2 Millionen davon kamen als staatliche Zuschüsse. Allerdings hat der NABU, der per Gesetz keine wirtschaftlichen Zwecke verfolgen darf, Stiftungen gegründet. Diese Stiftungen können sehr viel diskreter wirtschaften als eingetragene Vereine.

Weitere 3,7 Millionen Euro erlöste der NABU über Kooperationen mitder Industrie. Die Unternehmen zahlen Lizenzgebühren für die Werbung mit einem ökologische Korrektheit versprechenden NABU-Siegel. „Corporate Social Responsibility“ nennen es die Fachleute aus der Wirtschaft, „Greenwashing“ sagen Kritiker zu diesem Geschäftsmodell. Welche Unternehmen, ob Großbrauerei oder Möbelgigant, zu seinen Kooperationspartnern gehören, hat der NABU veröffentlicht. Aber welches Unternehmen mit welchen Beträgen und für was genau? „Aus vertragsrechtlichen Gründen dürfen wir hier keine Antwort geben“, teilte der NABU der „Welt am Sonntag“ mit.

Der NABU hat von diesem Modell profitiert. So hat der Autobauer Volkswagen über viele Jahre lang eine kostspielige Kooperation mit dem NABU gepflegt. Begonnen wurde sie im Jahr 2000. Es hat sich gelohnt. Für beide Seiten. Die Volkswagen AG hat nach eigenen Angaben verschiedene NABU-Projekte von 2002 bis 2015 mit rund 10,6 Millionen Euro unterstützt. Vom Fahrzeug für Wolfsbeobachter über Wanderausstellungen bis hin zu Willkommen-Wolf-Werbebroschüren.

Offiziell war die pikante Partnerschaft zwischen Autokonzern und Umweltorganisation im Dezember 2015 beendet worden. Der Grund: Der VW-Dieselskandal. Der Zusammenarbeit von NABU und VW sei „die Grundlage entzogen“ worden, erklärte Dietmar Oeliger, „Teamleiter Verkehrspolitik“ des NABU im Oktober 2015.

Doch im Gegensatz zu Abgasen stinkt Geld nicht. Wie der VW-Konzern jetzt einräumte – und der NABU bestätigte – läuft ein erheblicher Teil der VW-Zahlungen an den NABU noch bis 2020 weiter, also fünf weitere Jahre über das öffentlich verkündete Ende der Zusammenarbeit hinaus. Allerdings werden diese Zahlungen nicht im Namen der Volkswagen-Sparte VW verbucht, sondern gehen vom Konto der Volkswagen-Tochter „Financial Services“ ab. Dabei handelt es sich um weitere Zuwendungen in Höhe von insgesamt 1,4 Millionen Euro.

Ein Glaubwürdigkeits-GAU für den selbst ernannten Naturschutzbund. Und seine Gegenleistung für insgesamt also fast zwölf Millionen Euro von Volkswagen? „Als Dialogpartner hat der NABU gemeinsam mit Volkswagen den Diskurs über zukünftige Umwelt- und Mobilitätslösungen vorangetrieben“, teilte der Naturschutzbund dazu mit.
Dem Geschäftsmodell Wolf droht auf absehbare Zeit keine Konjunkturdelle.

Umweltministerien sind seit vielen Jahren von Umweltaktivisten durchsetzt. Prominentestes Beispiel: Jochen Flasbarth, SPD-Mitglied und seit 1980 in führenden Positionen beim NABU. Neun Jahre lang, bis 2003, als hauptamtlicher Präsident. Danach wurde Flasbarth Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium, danach Präsident des Bundesumweltamtes und seit 2013 bis heute ist er zurück im Bundesumweltministerium, diesmal ganz weit oben: als beamteter Staatssekretär.

Quelle: https://www.facebook.com/BauernverbandSchleswigHolstein/posts/1498225410268738

Teil 10: Pressemitteilung

Sowohl über die offenen Briefe an Frau Feldmayer (Grüne), Frau Schott (Linke), Herrn Landau (CDU) und Herrn Schäfer-Gümbel (SPD) als auch über unser Schreiben an den Rechnungshof wollten wir nach mehreren Monaten der Öffentlichkeitsarbeit in Hessen auch die Presse informieren. Hierzu verschickten wir das unten stehende Anschreiben mit der Ausführlichen Pressemitteilung im Anhang.

Diese finden Sie hier: PM Druckversion

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

In der letzten Woche haben wir verschiedene offene Briefe verschickt, in denen wir Frau Hinz sowie ihrer Staatssekretärin Frau Tappeser Vetternwirtschaft, Vorteilsnahme sowie bewusste Falschaussagen im Zusammenhang mit der FSC-Zertifizierung für den hessischen Staatswald  vorwerfen.

Im Sommer letzten Jahres wurde bekannt, dass die Ministerin die „Vergleichende ökonomische und ökologische Bewertung der schrittweisen FSC Zertifizierung im Hessischen Staatswald“ durch HessenForst AöR fast 1,5 Jahre lang unter Verschluss gehalten hat. Auf massiven Druck der Öffentlichkeit wurde schließlich eine geschwärzte Version veröffentlicht die ein vernichtendes Urteil über den FSC fällt:

„Betrachtet man die drei Säulen der Nachhaltigkeit sind zum jetzigen Zeitpunkt keine signifikanten Verbesserungen durch die FSC Zertifizierung erkennbar. Demgegenüber stehen finanzielle und volkswirtschaftlich langfristig spürbare negative Effekte.“

Im Januar wurde ein externes Gegengutachten veröffentlicht – diesmal ohne geschwärzte Passagen. UNIQUE, die hiermit beauftragte Firma, ist selbst Mitglied im FSC. Trotzdem bestätigt auch dieses Gutachten, dass die FSC-Zertifizierung keinen ökologischen, ökonomischen oder sozialen Vorteil für den hessischen Staatswald bedeuten würde. Diese Tatsache wurde in der Pressemitteilung des Umweltministeriums bezüglich des UNIQUE-Gutachtens sowie in der Rede der forstpolitischen Sprecherin der GRÜNEN Frau Feldmayer im Landtag, konsequent ignoriert.

Statt aufgrund der zweifachen negativen Beurteilung von den Zertifizierungsbestrebungen abzuweichen oder diese zumindest intern zu prüfen, beharrt die Partei weiterhin darauf, dass der FSC einen „wichtigen Beitrag leisten [wird], den Hessischen Staatswald in ökologischer Sicht nochmals deutlich aufzuwerten“. Zudem sollen zusätzliche „3.5 Millionen Euro im Jahr“ an Mehreinnahmen generiert werden.

Beide Aussagen sind weder im Gutachten zu finden, noch entsprechen sie der Wahrheit. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall – durch die Zertifizierung werden laut Gutachten 8 bis 11 Millionen Euro weniger eingenommen werden. Entnehmen Sie weitere Informationen hierzu auch unserem ausführlichen Schreiben an den Rechnungshof.

Die Dreistigkeit, mit der fundierte Fakten zugunsten der wirtschaftlichen Interessen des FSC verdreht werden, macht uns sprachlos. Leider ist dies jedoch kein Einzelfall sondern im FSC-„System“ gängige Praxis. Eine Prüfung, inwieweit das bisherige Verhalten rechtswidrig war, obliegt anderen Instanzen, dass es falsch war, steht unserer Meinung nach außer Frage. Inwieweit Frau Hinz hierdurch Steuergelder verschwendet hat, wird nun vom Rechnungshof geprüft.

Frau Hinz oder andere Politiker der Grünen oder des Koalitionspartners sind nicht bereit, sich mit der Problematik – und unserem Anliegen – auseinander zu setzen. Wir werfen Frau Hinz vor, Ihr Amt zu missbrauchen, um ein Projekt durchzupressen, das extrem teuer ist und einzig FSC-Interessen dient. Ein Nutzen für Wald und Wähler*innen besteht explizit nicht. Wir fordern Frau Hinz deshalb nachdrücklich auf, sich der Diskussion zu stellen und ihre Falschaussagen zur FSC-Zertifizierung umgehend klarzustellen, bzw. von der geplanten Zertifizierung abzusehen.

Für Nachfragen oder die Bereitstellung weiterführender Informationen stehen wir wie immer jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Arbeitsgruppe FadFSC

 

 

Forest Stewardship Council – A Introduction

The Forest Stewardship Council (FSC) A.C. is a civil „company“ that is based in Mexiko[1]. The organisational structure is highly complex, even to the point where it is internally hard to track. Our attempt to illustrate it can be found here[2].

Most countries (around 37 at the moment) have “local groups”, many of them associations. National Standards for Forest Management can only be developed if there is a functioning Working Group. In Germany, there is the Association for Responsible Forest Management (de: Verein für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V.), plus a Limited Liability Company (Ltd) that is closely connected to the association. Additionally, the FSC Germany has three subsidiary companies – the ASI (Accreditation Services International GmbH)[3], the FSC Global Development GmbH[4]  and the non-profit limited FSC International Center[5].

Each regional group, as well as the FSC AC itself, is divided into three different chambers, namely environment, economy and the social chamber. New FSC-members are automatically assigned to one of these chambers, according to their field of work. eNGOs, for example, are always assigned to environment-chamber, regardless their interests or wishes. Also, the membership-option is limited to local stakeholders. Being a stakeholder is the only entry criteria, a background in forestry, ecology or similar is not required. As a result, regional FSC Forest Management Standards are developed by semi-professionals; standards, definitions, policies and all other FSC-documents don’t name (or ever use) scientific resources, resolving in FSC-work, that completely ignores centuries of valuable research realted to forestry management and ecology.

To solve this soft spot in their public appearance, FSC and some NGOS started a system that we call the “quoting circle”: Each internal documents points toward other internal documents. In the rare case that it uses quotes from external documents, they are most likely written in cooperation with or provided by a supporting company/NGO. This system tries to provide a “credibility”, without risking to expose the FSC to critics or discourse – a common practice, brought to perfection by some NGOs (like e.g. the WWF).

It does not make their claims true.

Officially, the FSC was initiated during the “Rio Conference” (United Nations Conference on Environment and Development ) in 1992. Contemporaneously, many sawmills and trading companies were shutting down, due to the rain forest timber boycott in 1986/1987. Sales suffered from a setback of nearly 90%, compared to previous years. Mysteriously, the FSC solved most of the affected companies problems by making this timber “acceptable” again. In our opinion, that only leaves the conclusion that the true reason for founding the FSC was less “protecting the forest” and more “protecting out interests”. A role, that the FSC still fulfils.

Does that sound unbelievable?

How about the FSC stating it themselves? We quote Mr Sayer, chairman of the Association for Resonsible Forest Management:

„The ecological sustainability, that is widely associated with the FSC, […] just played and plays a seconday role.”

Also, the FSC does not have any understanding of global responsibility (that is absolutely crucial for sustainability!). The global perspective, that the FSC propagates itself, must therefore be considered non-existent. One example is their call for a bigger amount of German forest, which should excluded from forestry. In a German perspective, that seems to be a reasonable tool for nature conservation (well, at first sight, looking more carefully there are a few problems with such a simplified approach). Nevertheless, the global perspective draws a completely different picture. Losing German timber, means that the still needed goods have to be harvested in and transported from other forests. Usually from boreal forest, over 5000km from Germany. What that means in term of ecological consequences, shouldn’t need much explanation. Further information will follow.

As previously mentioned, given the circumstances it is not surprising that the National Standards don’t reflect current research recommendations, but instead includes claims that are expected to reach maximum publicity. That alone is bad enough to fight the FSC. Considering, that they – as the global player that they are – completely ignoring their responsibility and concentrate on making profit, leading centuries of forestry research ad absurdum, worsen working conditions, decreasing biodiversity, it is surprising that most NGOs still hold on to it.

Edit, 27.03.2018: Greenpeace International just ended their FSC-membership, further details see here.

More examples: the Enquete Komission zum Schutz der Erdatmosphäre argued multiple times, that timber can not be taken from (tropical) primary forests, because they would by definition lose their status by doing so. Nevertheless, some of these forests are FSC-certified, doomed to be cut in the name of “responsible forest management”.  Other FSC-“requirements” (to get certified) are completely random, or almost vintage in their underlying argumentation. Further information can be found on our website, and in different open letters we posted since September 2017 (only available in German so far, please contact us for translations).

FSC’s biggest achievement is the wide-range acceptance of dubious forest management.

It makes him the most desirable indulgence-instrument for politics, NGOS, the construction industry, the retail sector,… – only the forest, that he is supposed to protect, does not profit. At all. He [the forest] would be way better of taking his chances in the precise, more detailed regulations of German forestry laws, which generally are a lot more consistent, scientifically proven and developed in years of careful research and calculation. Of course, these laws are far from perfect as well. But they are a lot better than the rudimentary, propaganda-based FSC-Standards.

How about taking away the responsibility for our forests from a private company (based in Mexiko), and take it into our own hands, as a society; if there is one thing we should have learned from history, it’s that outsourcing our common responsibility into a for-profit-company is and can never be anything but an illusion.

Who’s in?

 

 

 

[1]          Forest Stewardship Council A.C., Calle Margarita Maza de Juárez No. 422, Colonia Centro, 68000 Oaxaca, Oaxaca

Mexiko

[2]          http://www.fragen-an-den-fsc.de/?p=991

[3]    ASI-Accreditation Services International GmbH, Friedrich-Ebert-Allee 69, 53113 Bonn, Deutschland

[4]        Charles-de-Gaulle-Str. 5, 53113 Bonn / Zentrum, Deutschland

[5]        Charles-de-Gaulle-Str. 5, 53113 Bonn / Zentrum, Deutschland

FSC-Artikel im Newsletter von Skydda Skogen/Protect the Forest

Im aktuellen Newsletter veröffentlicht Protect the Forest (schwedisch: Skydda Skogen) einen Artikel zu einem offenen Brief, den FSC-zertifizierte Betriebe an schwedische Entscheidungsträger verschickt haben. Der Artikel zeigt eines der Probleme der FSC-Zertifizierung auf, nämlich die Problematik der verschiedenen Standards. In Schweden wird eine Waldbewirtschaftung geduldet, ja teilweise sogar verlangt, die in Deutschland gegen geltendes Recht verstoßen würde. Der FSC belegt hierdurch (wieder einmal), dass er keinesfalls eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder garantiert – und das offensichtlich nicht einmal anstrebt. Siehe hierzu auch unsere Fotoreihe zu riesigen Kahlschlägen biologisch wertvoller Wälder in Schweden – einfach hier klicken.

Der gesamte Newsletter kann auf Schwedisch und Englisch hier eingesehen werden. Eine (sehr rudimentäre) Übersetzung folgt weiter unten.

Besuchen Sie auch die Website der NGO für mehr Informationen zu ihrer Arbeit – Informationen sind an dieser Stelle auch auf Deutsch erhältlich.

 


 

In Schweden soll eine große Menge biologisch erhaltenswerter Wälder gefällt werden. In einem offenen Brief vom 9. Dezember forderten 90 Repräsentatnen aus 70 FSC-zertifizierten Unternehmen von Großkonsum-Staaten in Europa, Wälder mit großer Schützenswürdigkeit in Schweden permanent zu schützen. Schweden ist der drittgrößte Exporteur von Papier, Papierbrei und Sägeholz der Welt. Auch Deutschland zählt neben Großbritannien und den Niederlanden zu den größten Abnehmern. Repräsentanten dieser europäischen Unternehmen warnten, dass sie – sollten Ihre Forderungen nicht erfüllt werden – in Betracht ziehen könnten, den Handel mit schwedischen Waldprodukten auszusetzen.

Die unterzeichnenden Unternehmen sorgen sich um mehrere hochgradig erhaltenswerte Wälder, die von zertifizierten Forstunternehmen wie Sveaskog, Stora Enso und SCA gefällt werden sollen. Sie appellieren an die schwedische Regierung, die Schwedische Forst Agentur und die zertifizierten Waldunternehmen, diese Wälder permanent zu schützen.

In Schweden steht ein bedeutender Anteil der verbleibenden Naturwälder Europas. Schweden ist engagiert, seine Biodiversität durch internationale und nationale Umweltziele zu schützen. Trotzdem ist der Staat weit davon entfernt, diese Ziele zu erreichen. Der Forest Stewardship Council (FSC) ist ein Waldzertifikat für nachhaltige Waldwirtschaft. Dem FSC-Standard zufolge sollten hochgradig erhaltenswerte Wälder aus der Bewirtschaftung heraus genommen werden. Trotzdem werden viele biologisch erhaltenswerte Wälder von der zertifizierten Waldbewirtschaftung in Schweden gefällt.

Im offenen Brief heißt es: „Es ist inakzeptabel, dass diese Restbestände von hochgradig schützenswerten Wäldern, die einzigartig und Teil der letzten Wildnis in Europa sind, keinem permanenten Schutz unterstehen und unter der Fahne des FSC gefällt werden. Das untergräbt klar die Glaubwürdigkeit des FSC. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sollte die Biodiversität, Arten und natürliche Umwelt nicht verschlechtern.

Die Unternehmen, die diesen offenen Brief  unterzeichnet haben, arbeiten mit allem von Druck, Verpackung und Recycling bis hin zu Inneneinrichtung und Konstruktion, wie auch der Waldwirtschaft. „Konsumenten wollen sicher sein, dass sie ein verantwortungsvolles Produkt erwerben. In Deutschland unterstützt das FSC-Label eine Natur-orientierte Waldwirtschaft und hohe Umweltstandards, während sie in Schweden zerstörende Kahlschläge unterstützt. Für den Konsumenten ist das sehr verwirrend und verzerrt den Wettbewerb. Die Glaubwürdigkeit der gesamten schwedischen Waldwirtschaft und der FSC-Zertifizierung ist bedroht“, sagt Knut Sturm, Vorsitzender der Lübecker Stadtwaldverwaltung in Deutschland.

Die Initiatoren des Anschreibens sind die schwedische NGO „Protect the Forest“ und die deutsche NGO Robin Wood. „Wir können es uns nicht leisten diese wertvollen, letzten verbleibenden alten Wälder zu verlieren. Der Verlust der Biodiversität ist kritisch und es besteht dringender Bedarf, wissenschaftlich Naturschutz-orientiert zu handeln statt auf einer Produktionsorientiertung zu beharren. Wir hoffen, dass dieser Brief für Entscheidungsträger in der schwedischen Regierung, der Schwedischen Waldagentur und der Waldwirtschaft die Augen öffnet. Alle hochgradig erhaltenswerten Wälder müssen permant geschützt werden“, sagt David van der Spoel, Sprecher von Protect the Forest.

 

Teil 8.4: Offener Brief Herr Schäfer-Gümbel

Unsere Reaktion auf die Rede von Herrn Schäfer-Gümbel (SPD) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Herr Schäfer-Gümbel

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

 

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Sehr geehrter Herr Schäfer-Gümbel,

 

es freut uns, dass Sie seit unserem letzten Anschreiben scheinbar vorsichtiger geworden sind mit Lobeshymnen auf den FSC. Schade, dass Sie in einem Großteil Ihrer Rede nicht auf das Thema sondern nur auf das Publikum eingehen.

Es freut uns, dass der „Schlingerkurs […] damit zu tun [hat], dass wir Sachen zu Ende denken“. Dann besteht für uns noch Hoffnung, dass Sie am Ende dieser Überlegungen Waldschutz und Transparenz nicht dem politischen Kalkül opfern. Denn aus politischer Perspektive mag verständlich sein, dass Sie der Konflikt in der Koalition freut. Tatsächlich wäre das aber Ihre Chance, sich als glaubwürdigen und durchsetzungsfähigen Politiker zu etablieren und sich mit dem Sachverhalt auseinander zu setzen statt abzuwarten, welche Position im Hinblick auf die nächsten Wahlen günstiger erscheint. Inhalte statt Phrasen, das wäre doch mal eine angenehme Abwechslung, um die politikverdrossene Bevölkerung von Ihrer Kompetenz zu überzeugen.

Insofern stimmen wir Ihnen vollkommen zu, dass es nicht reicht, nur Kontroll- und Zertifizierungskosten zu kompensieren. Denn was tatsächlich kompensiert werden müsste, wie wir letzte Woche schon schrieben, sind die negativen Folgen auf Mensch und Natur, die mit der Zertifizierung einhergehen. Darüber, dass das weder möglich ist noch versucht werden wird, muss man sich wohl keine Illusionen machen. Es ist ja auch der grundverkehrte Ansatz.

Die Frage, die bleibt: Wer profitiert am Ende überhaupt von einer FSC-Zertifizierung? Die Grünen, weil Sie Ihre Forderung öffentlichkeitswirksam durchgesetzt haben? Am Ende ist doch der einzige Profiteur das System FSC mit seinen akkreditierten Zertifizierern, den NGOS und Universitäten (die durch ihn Drittmittel bekommen). Der Wald, den alle immer beteuern, schützen zu wollen, ist es sicher nicht!

Auch die von Ihnen angestrebte Mitgliedschaft im FSC wird hieran nichts ändern. Sie ist im Gegenteil einer der Gründe dafür, dass dieses System niemals funktionieren kann. Solange Interessenvertreter aus Politik und Wirtschaft in den „Steuerungskreisen des FSC“, wie Ihr Kollege Herr Landau es bezeichnete, mitwirken, werden Nachhaltigkeit und Naturschutz niemals im Mittelpunkt stehen. Statt den Erkenntnissen aus moderner Forschung zu folgen werden medienwirksame aber nichtfundierte Forderungen gestellt. Wir haben Ihnen das letzte Woche bereits an den Beispielen Flächenstilllegung und Rückegassenabstände erläutert. Natürlich haben Sie Recht, dass es absurd ist, dass in Osteuropa gänzlich andere Standards gelten als hier. Glückwunsch, übrigens, dass Sie bereits bis zu diesem Sachverhalt durchgedrungen sind. Es freut uns, dass zumindest ein Teil unserer Aufklärungsversuche auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Dass das Mitwirken des Umweltministeriums oder der hessischen Landesregierung hieran etwas ändern würde, bleibt jedoch stark zu bezweifeln.

Dass eine solche Vermischung einen massiven Interessenkonflikt darstellt und dementsprechend inakzeptable ist, scheint weder die Landesregierung noch die Opposition zu stören. Wir finden diese Vermischung zutiefst schockierend und fordern Sie auf, sich hiervon klar zu distanzieren.

Im Übrigen sind die weltweit zum Teil stark unterschiedlichen Standards nicht nur aufgrund einer Wettbewerbsverzerrung für Deutschland problematisch. Sie führen auch zu Verlagerungs- bzw. Verdrängungseffekten die das genaue Gegenteil von dem bewirken, was angeblich erreicht werden soll. Wie beispielsweise den Holzimport aus borealen Primärwäldern, den wir bereits in unserem letzten Schreiben ausführlich erläutert haben.

 

Um wirklichen Naturschutz in den hessischen Wäldern zu erreichen fordern wir Sie auf:

  1. Halten Sie Ihr Versprechen, dass der „Personalabbau nicht nur gestoppt sondern Personal wieder aufgebaut wird damit nachhaltiges Wirtschaften auch weiterhin möglich ist“. Und das bedeutet: Keine FSC-Zertifizierung. Hierfür lassen sich die von Ihnen versprochenen Kompensationszahlungen hervorragend nutzen. Und Sie sparen eine Menge Geld, das nicht für eine unsinnige Zertifizierung ausgegeben werden muss.
  2. Klären Sie Ihre Kollegin Frau Feldmayer darüber auf, dass eine Tarifbezahlung für Landesbedienstete selbstverständlich ist – und keinesfalls einer FSC-Zertifizierung bedarf.
  3. Nutzen Sie die rechtlichen Grundlagen, die bereits seit Jahrzehnten in den Bundes- und Landeswaldgesetzen verankert sind, statt Ihre Verantwortung an einen Multimillionen Dollar Konzern mit Sitz in Mexiko abzugeben, der sich jeder Kontrolle entzieht.
  4. Ziehen Sie bei Ihren Bestrebungen nach einer einheitlichen Strategie für Staats-, Kommunal- und Privatwald auch die Privatwaldbesitzer mit ein, statt deren Stimmen konsequent zu ignorieren. Wussten Sie eigentlich, dass deren Ausstiegszahlen aus dem FSC seit Jahren so stark steigen, dass es so gut wie keine privaten Waldbesitzer mehr im FSC gibt? Selbst Gründungsmitglieder haben dem FSC-System inzwischen den Rücken gekehrt. Das sollte Ihnen zu denken geben.
  5. Fordern Sie Ihre Kollegen der anderen Parteien auf, Falschaussagen bezüglich des FSC und Falsch“deutungen“ des Gutachtens umgehend richtig zu stellen und von Ihren Onlinepräsenzen zu entfernen
  6. Entziehen Sie den FSC-Zertifizierungsbemühungen für den hessischen Landesforst Ihre Unterstützung. Umgehend.

 

Sie sagen, dass Sie „von nachhaltiger Waldwirtschaftsstrategie […] bisher herzlich wenig gesehen [haben].“Wir auch nicht. Und wir würden uns wirklich außerordentlich freuen, wenn sich das in naher Zukunft ändern würde. Was Sie ja versprechen. Nur bitte nicht indem Sie einer Partei folgen, die nur weil sie „grün“ im Titel trägt, noch lange nicht qualifiziert ist (und aktuell sehr anschaulich das Gegenteil beweist) die Umweltgeschicke für Hessen „allein“ zu bestimmen.

Wir sind wie immer gerne bereit weiterführende Dokumente zu liefern und uns einer Diskussion mit Ihnen oder anderen Interessierten zu stellen. Aktuelle Informationen finden Sie auch jederzeit auf unserem Blog www.fragen-an-den-fsc.de .

 

Mit freundlichen Grüßen,

Arbeitsgruppe FadFSC

 

Teil 8.3: Offener Brief an Herrn Landau (CDU)

Unsere Reaktion auf die Rede von Herrn Schott (CDU) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Herr Landau

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

 

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Sehr geehrter Herr Landau,

mit Interesse haben wir die Diskussion um die FSC-Zertifizierung für den hessischen Landesforst verfolgt. Zuerst einmal möchten wir Ihre Rede insofern loben, als dass sie im Verhältnis zu denen Ihrer Koalitionspartner verhältnismäßig viele Sachverhalte korrekt dargestellt haben.

Leider müssen wir Sie trotzdem an einigen Stellen berichtigen.

So loben Sie die Mitarbeiter von HessenForst als „gut ausgebildet und leistungsfähig“ und bedanken sich für die „wissenschaftliche Bewertung“ – wenn auch seitens des Umweltministerium diese nur mit Widerwillen öffentlich zugänglich gemacht wurde. Gleichzeitig handeln Sie jedoch bewusst gegen die Empfehlung dieser Mitarbeiter, die sich explizit gegen die Zertifizierung ausgesprochen hatten. Statt sich also wirklich zu bedanken entmündigen Sie die Landesbediensteten, sprechen Ihnen die Fähigkeit ab, die Zukunft des Landesforstes mitbestimmen zu können. Zumal die FSC-Zertifizierung für viele von Ihnen den Verlust der Arbeitsplätze bedeutet[1] und für andere damit eine signifikante Erhöhung des Risikos von Arbeitsunfällen einher geht[2]; da können Sie noch so viele Kompensationen in Aussicht stellen. Eine Handlung, die nach Aussage Ihres Koalitionspartners ja angeblich gar nicht nötig ist, wie sowohl Frau Feldmayer als auch Frau Hinz versichern. Dass mit einer solchen Dreistigkeit wissenschaftliche Ausführungen eines Gutachtens verdreht werden, macht uns nahezu sprachlos. Lassen Sie uns kurz aufklären: Tatsächlich geht das UNIQUE-Gutachten von lokalen Kosten von 8 bis 11 Millionen Euro aus. Eine Position der Gesamtrechnung sind hierbei 3.29 Millionen Euro Mehreinnahmen durch die Bewirtschaftung jeder zweiten Rückegasse[3]. Diese Summe kann jedoch erst fließen, wenn der Bestand in den natürlich längst angelegten Rückegassen nachgewachsen ist, was in frühestens 50 Jahren der Fall wäre. Ferner veranschlagt UNIQUE rund 1.21 Millionen Euro

Mehrkosten für die Bewirtschaftung mit weniger Rückegassen pro Jahr[4]. Darüber hinaus müssten die „zuvielen“ Rückegassen erst zurückgebaut werden um sie entsprechend bepflanzen zu können, dieser nicht unerheblich kostenverursachende Umstand ist erst gar nicht eingepreist.

Dabei handelt es sich aber gar nicht um die Summe, auf die Frau Feldmayer und Frau Hinz sich beziehen. Diese soll durch Mehreinnahmen durch Douglasienholz entstehen. Ein Punkt, der im gesamten Gutachten gar nicht zu finden ist. Außerdem wird auch hierbei unterschlagen, dass diese Einnahmen in frühestens 50 Jahren zu Buche schlagen werden. Und wenn, so kann OHNE FSC mehr Douglasie angepflanzt werden als MIT; eine Vortäuschung von Mehreinnahmen ist hier also nicht nur mangelhaft recherchiert sondern auch stümperhaft durchgeführt worden.

Wir dürfen Sie zitieren: „Uns als CDU ist wichtig, dass der Wald in Hessen nach höchsten Standards nachhaltig und umweltschonend bewirtschaftet wird, weil er als unser Erbe für künftige Generationen erhalten bleiben soll und weil er viele Funktionen für die Umwelt, die Artenvielfalt, den Klimaschutz, den Wasserhaushalt – aber eben auch als Erholungsraum für die Menschen.“ Da Sie sich ja bereits seit 25 Jahren in der CDU engagieren sollte Ihnen eigentlich bewusst sein, dass diese „höchsten Standards“ schon seit Jahrzehnten im Bundeswaldgesetz sowie in den Landeswaldgesetzen verankert sind. Das, was der FSC für sich selbst in Anspruch nimmt, nämlich „umweltgerechte, wirtschaftlich tragfähige und sozial förderliche“[5] Waldwirtschaft, also längst festgelegt und in weiten Teilen auch umgesetzt wurde. Abgesehen davon ist der FSC das denkbar ungeeignetste Mittel, um die Bewirtschaftung der hessischen Wälder nachhaltiger zu gestalten. Er garantiert entgegen gängiger Meinung mitnichten die Nachhaltigkeit eines Produktes respektive einer Bewirtschaftungsform. Auch ist er, übrigens nach eigener Aussage, kein Ökosiegel[6]. Seine Forderungen sind rein plakativ, populistisch und undifferenziert. Wenn Sie sich zum Beispiel mit dem Thema Rückegassenabstände wirklich auseinandersetzen, werden Sie schnell erkennen, das die pauschale Forderung des FSC, diese auf 40 m auszuweiten, jeder fachlichen Basis entbehrt.

Das Geschenk, das Sie Ihrem Koalitionspartner da machen, bringt keinen Vorteil für irgendwen (außer den FSC selbst, natürlich) – aber es wird uns alle etwas kosten. Und damit meinen wir längst nicht nur die sowohl in der Bewertung von HessenForst als auch im Gutachten von UNIQUE veranschlagten 8 bis 11 Millionen Euro und die Folgen für die Mitarbeiter von HessenForst. Auch die Umwelt wird unter FSC mehr in Mitleidenschaft gezogen als ohne – wie beispielsweise durch die weiteren Rückegassenabstände[7] oder auch durch Flächenstilllegungen. Ihre Aussagen, dass „Bodenschutz durch weniger Rückegassen“ erreicht werden könne, ist im Übrigen grundlegend falsch[8].

Natürlich muss man für die Kalkulation der tatsächlichen Kosten solcher Forderungen eine globale Betrachtungsweise an- – und globale Verantwortung übernehmen. Aber das sollte ja für eine regierende Partei selbstverständlich sein. Eigentlich müssten Sie bei der Lektüre unserer bisherigen offenen Briefe an Ihre Kollegen verschiedener Parteien[9][10][11][12] bereits hierauf gestoßen sein. Da Sie diese trotzdem weiterhin ignorieren fordern wir Sie dringend auf, als CDU Hessen hierzu Stellung zu nehmen.

Noch mehr hat uns schockiert, dass Sie annehmen, dass Ihre Mitwirkung in den „Steuerungskreisen des FSC“ eine gute Idee sei. Eine solche Einmischung von fachfremden, politischen Interessen ist einer der großen Kritikpunkte am System FSC! Denn so werden statt Umweltschutzinteressen immer auch politische Abwägungen im Mittelpunkt stehen, die an dieser Stelle keinen Platz haben! Auch das „der neue FSC-Standard […] nicht vorschreibt, dass wir vollständig alle FSC-Standards erfüllen müssen, sondern dass wir uns hier in einen kontinuierlichen Prozess begeben“ ist schlicht falsch. Dass Ihnen der FSC gelegen kommt,

damit Sie keine neue Richtlinie für die Bewirtschaftung im Staatsforst oder der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung entwickeln müssen, ist, ehrlich gesagt, eine lahme Ausrede. Sie können die Zukunft des hessischen Waldes, des „Erholungsraumes“, den Sie so preisen, nicht einfach an einen Multimillionen Euro schweren Konzern mit Sitz in Mexiko abgeben, der sich jeder Kontrolle entzieht. Erwarten Sie wirklich, dass das keine Konsequenzen nach sich zieht? Sicher, die NGOs, die massiv vom FSC profitieren werden Sie hierfür öffentlichkeitswirksam loben. Aber kann das wirklich Ihr Ziel sein?

Wo bleibt Ihre Verantwortung für Ihr Land und künftige Generationen, die Sie durch die Annahme der Regierungsführung übernommen haben?

Für weitere Informationen und Diskussionen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Die bisherigen offenen Briefe sowie Hintergrundinformationen finden Sie auf unserem Blog www.fragen-an-den-fsc.de .

 

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe FadFSC

 

 

[1] Ihre Kollegin Frau Knell hat das auf 500 Arbeitsplätze hoch gerechnet, in der Regel ergeben sich aus 1000m³3 Waldholz ein Arbeitsplatz.

[2] https://www.forstpraxis.de/klugmann_arbeitssicherheit_og/, abgerufen am 05.02.2017 um 15:17 Uhr

[3] https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/2018-01-18_abschlussbericht
_fsc_hessen_unique.pdf, Seite 73 mittig

[4] https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/2018-01- 18_abschlussbericht_fsc_hessen_unique.pdf, Seite 74 unten

[5] http://www.fsc-deutschland.de/de-de, abgerufen am 05.02.2017 um 15:17 Uhr

[6] https://www.regenwald.org/pressemitteilungen/4475/fsc-ist-kein-oekolabel,
abgerufen am 06.02.2018 um 15:08 Uhr

[7] http://www.fragen-an-den-fsc.de/?p=1051

[8] http://www.fragen-an-den-fsc.de/?p=1051

[9] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2018/02/Anschreiben-Sch
%C3%A4fer-G%C3%BCmbel.pdf

[10] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2018/02/Offener-Brief-Frau-
Feldmayer.pdf

[11] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2017/09/Fragen-An-Den-
FSC_OffenerBrief-LT-Hessen.pdf

[12] http://www.fragen-an-den-fsc.de/wp-content/uploads/2018/02/Offener-Brief-Frau-
Schott.pdf

Teil 8.2: offener Brief Frau Schott (Die LINKE)

Unsere Reaktion auf die Rede von Frau Schott (Die Linke) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Frau Schott

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

Sehr geehrte Frau Schott,

mit Bedauern haben wir Ihre gestrige Rede im hessischen Landtag verfolgt. Zuerst einmal freut es uns, dass Sie sich zu Waldschutzbemühungen bekennen. Gleichzeitig sind wir jedoch erschrocken über den Informationsmangel, der Ihren Aussagen zugrunde liegt.

Falls Sie sich nicht erinnern können: Wir sind eine Arbeitsgruppe die es sich zum Ziel gesetzt hat über den FSC aufzuklären und gegen die FSC-Verbrauchertäuschung und Betrug zu kämpfen. Aussagen, die wir im Übrigen gerne belegen können. Wir haben bereits im September letzten Jahres angefangen uns gegen die FSC-Zertifizierung der hessischen Staatswälder zu engagieren und haben hierzu mehrere offene Briefe formuliert. Dementsprechend fragen wir uns, warum Sie diese Informationen nicht prüfen und stattdessen weiterhin vorformulierten Ansichten des FSC und seiner Profiteure folgen. Ein Verhalten, das einer linkspolitischen Partei absolut unwürdig ist!

Sie betonen, dass der Waldschutz wichtiger ist als monetäre Interessen. Diese Grundeinstellung ist erst einmal lobenswert! Sie lassen dabei jedoch völlig außer Acht, dass der FSC ein gänzlich unzureichendes Instrument ist um dies zu erreichen. Wir betonen noch einmal, wie wir es schon dutzende Male getan haben, dass er weder ein Garant für Nachhaltigkeit ist, noch ein Öko-Zertifikat. Eine Tatsache, die er im Übrigen selbst betont: „Ihre Aussage, der FSC sei ein Ökolabel ist falsch und entbehrt jeder Grundlage“1. Abgesehen davon unterstellen Sie den Landesbediensteten mit dieser extrem verkürzten Darstellung, dass sie nicht in der Lage sind, ökologische sowie ökonomische Aspekte der Waldbewirtschaftung zu beachten. Eine ganze Berufsgruppe derart pauschal zu verunglimpfen, macht uns geradezu sprachlos. Zumal gerade diese Berufsgruppe sich die FSC-Zertifizierung „etwas kosten lassen“ muss – unter anderem dadurch, dass durch eine Ausweitung der Flächenstilllegung Arbeitsplätze weg fallen. Und ist Ihnen bewusst, dass sich durch die vom FSC geforderte Erweiterung der Rückegassenabstände von 20 m auf 40 m das Sicherheitsrisiko für Forstmitarbeiter signifikant erhöht2? Eine Tatsache, die unserer Meinung nach übrigens gegen geltendes Arbeitsrecht verstößt!

Wir fordern Sie auf, sich umfassender zu informieren und den FSC, sein System, seine Grundsätze und Handhabungen (beispielsweise in der nicht vorhanden, angeblich „strengen“ Kontrolle) kritisch zu hinterfragen!

Sie werfen der FDP vor, in der Schule nicht aufgepasst (und die eine oder andere Sendung mit der Maus verpasst) zu haben. Gleichzeitig ignorieren Sie, dass die FDP – scheinbar im Gegensatz zu Ihnen – das Gutachten gelesen und ausgewertet hat. Da stellt sich die Frage, wer von Ihnen wo nicht aufgepasst hat. Auch werfen Sie der Partei vor, „ökologisch komplett blind“ zu sein. Dass das Gegenteil der Fall ist erlauben wir uns im Folgenden ausschnittartig darzustellen.

Da wäre beispielsweise die von Ihnen erwähnte Flächenstilllegung zu nennen. Neben dem Aspekt der Entlassung von Waldarbeitern – 1.000 m³ Waldholz entsprechen etwa einem Arbeitsplatz – ist diese Forderung auch ökologisch verwerflich. Wir vermuten, dass Sie mit der Aussage, dass „ein Wald nie mehr CO² freisetzen kann als er zuvor gebunden hat“ auf den Klimaschutz durch Flächenstilllegungen einzugehen versuchen? Sollte das der Fall sein, so bitten wir zu beachten, dass durch eine Flächenstilllegung in Hessen die gleiche Menge Holz an anderer Stelle eingeschlagen werden wird – meist in borealen Wäldern z. B. in Russland. Sie müssen also beachten, dass
a) … die Einschlagsmethoden wesentlich rudimentärer sind, was im Klartext bedeutet, dass es auf den ökologischen Super-Gau des Kahlschlages hinaus läuft.
b) … mit der Kahlschlagung dieser Wälder das großflächigem Auftauen von Permafrostböden einher geht. Hierdurch werden massive Methanvorkommen freigesetzt – ein Gas, das 400 mal klimawirksamer ist als CO2. Das zieht ungleich schlimmere Folgen nach sich als die Einschlagung der gleichen Menge in Deutschland.
c) … dass das Holz durchschnittlich 5000 km weit transportiert werden muss, was mit massiven Folgen (sowohl monetären als auch ökologischen!) einhergeht.
d) …etwa 50% der Ernte aufgrund der Erschließungsbeschaffenheiten verloren geht und die Hauptproduktausbeute im Vergleich zu mitteleuropäischen Sägewerken um 30% reduziert ist. Es muss also etwa die dreifache Menge Holz eingeschlagen werden um die gleiche nutzbare Menge zu erzeugen.
Es handelt sich also, global gesehen, um einen massive Steigerung der Vernichtung ökologischer Ressourcen. Das Gleiche gilt auch für die Rückegassenabstände, die nach dem Willen des FSC von 20 m auf 40 m ausgeweitet werden sollen. Neben den negativen Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit bedeutet dies auch, dass der Boden in den verbleibenden Rückegassen exponentiell stärker geschädigt wird als bei Beibehaltung des 20 m-Abstands3.

Wie Sie ja selbst schon betonen, sind bereits jetzt gesetzliche Grundlagen vorhanden die beispielsweise den Schutz der Biodiversität durch Flächenstilllegung (aber eben nicht von 10%) gewährleisten können. Der FSC-Standard stellt hierzu keine Verbesserung da. Lassen Sie uns das an einem kurzen Beispiel verdeutlichen. Generell werden in deutschen Wäldern nur dann Pestizide verwenden, wenn sie unumgänglich sind – beispielsweise um eine großflächige Waldzerstörung zu unterbinden. Nach FSC-Richtlinien sind Pestizide generell verboten – man kann aber im Fall der Fälle auf eine Art „Sondergenehmigung“ zurück greifen, die gegen Zahlung einer Gebühr vom Verbot befreit. Dementsprechend ist diese Pestizidrichtlinie für den Waldschutz völlig sinn frei; für den FSC stellt sie jedoch eine weitere Einnahmequelle dar.

Von Transparenz, die Sie loben, kann darüber hinaus wirklich keine Rede sein. Die „vergleichende ökonomische und ökologische Bewertung der schrittweisen FSC-Zertifizierung im Hessischen Staatswald“ durch den Landesbetrieb HessenForst AöR wurde schließlich fast eineinhalb Jahre (!) lang unter Verschluss gehalten. Veröffentlicht wurde am Ende, aufgrund von massivem Druck aus den Medien, nur eine geschwärzte Version! Und dass Frau Tappesser nicht nur Staatssekretärin sondern auch Mitglied im Verein für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V. ist, winken die Grünen als belanglos ab, sie sei es ja „nur als Privatperson“. Eine Aussage, die wir bezweifeln4 – die an der Meldepflicht aber auch nichts ändern würde.

Da Sie selbst ja schon Zweifel verlauten lassen, dass die stillgelegten Flächen „hoffentlich sorgfältig ausgesucht“ werden, hoffen wir, dass Sie sich für die folgenden Debatte wissenschaftlicher Fakten und keiner medienwirksamen Oberflächlichkeit bedienen und zur einzig richtigen Erkenntnis kommen – nämlich dass die FSC-Zertifizierung in Hessen nicht dem Wald nutzt – sondern nur den monetären Interessen einiger Weniger, in diesem Fall auf der „Umweltschützer“seite.

Für weitere Informationen und Diskussionen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Die bisherigen offenen Briefe sowie Hintergrundinformationen finden Sie auf unserem Blog www.fragen-an-den-fsc.de

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe FadFSC

Teil 8.1: offener Brief an Frau Feldmayer (Grüne)

Unsere Reaktion auf die Rede von Frau Feldmayer (Grüne) im hessischen Landtag.

Als pdf: Offener Brief Frau Feldmayer

Die Rede als Video findet sich auf der Website der hessenschau.

Sehr geehrter Frau Feldmayer,

es freut uns, dass Sie in Ihrer Rede auf die drei Aspekte der Nachhaltigkeit eingehen. Wo Sie doch hiermit ein so hervorragendes Beispiel dafür liefern, warum die FSC-Zertifizierung im hessischen Landesforst abzulehnen ist. Denn auch, wenn wir großzügig mal davon ausgehen könnten, dass die FSC-Zertifizierung tatsächlich einen ökologischen Nutzen bringt (was, obwohl sie so schön ein Zitat hierfür im Gutachten gefunden zu haben glauben, nicht der Fall ist), so ist das weder für die soziale noch für die ökonomische Nachhaltigkeit der Fall. Wir möchten an dieser Stelle auf ein früheres Schreiben unsererseits verweisen, das diese Behauptungen bereits widerlegt… Zur sozialen Nachhaltigkeit haben wir übrigens hier schon einen Artikel zur Herabsenkung der Arbeitssicherheit durch erweiterte Rückegassen gepostet, wir möchten auch hierauf verweisen. Abgesehen davon, übrigens, dass soziale Nachhaltigkeit unserer Auffassung nach auch bedeutet, 8 bis 11 Millionen € nicht für eine „imageträchtige“ aber sinnfreie Zertifizierung sondern für Bildung und Arbeitsplatzsicherheit zu investieren. Gleichzeitig zitieren Sie, dass durch die Zertifizierung Mehreinnahmen entstehen werden. Wir fordern Sie auf, diese Stelle bitte zu belegen – wir haben Sie im Gutachten nicht gefunden. Sie wünschen sich Tarifbezahlung? Wir auch, sehr gerne! Aber suggerieren Sie nicht, dass dies durch den FSC passieren wird! Stattdessen werden durch Flächenstilllegungen Arbeitsplätze entfallen – Frau Knell hatte diese beispielsweise mit 500 veranschlagt, wir werden dies jedoch selbst noch einmal prüfen.

Ich darf Sie kurz zitieren: „Es wird nachgeprüft […] und von einem unabhängigen Gutachter dann auch kontrolliert (…).“ Scheinbar haben Sie sich mit dem System des FSC noch nicht weiter auseinander gesetzt, wir würden dies dringend empfehlen. Nur in Kurzform: Die Gutachter können nur prüfen, was Ihnen auch freiwillig vorgelegt wird, sie erhalten keinen unbegrenzten Einblick in die Bücher. Und unabhängig sind diese Gutachter ganz und gar nicht, sie werden im Gegenteil sogar vom zertifizierten Betrieb ausgesucht – und bezahlt!

Sie sagen, es gab für die Förster durch die Zertifizierung überhaupt keine Probleme. Klären Sie uns auf wenn wir irren, aber sagt das vernichtende Gutachten von HessenForst nicht eben genau das aus, dass die Förster die Zertifizierung nicht wollen?

Wer genau sich aus welchem Grund gegen den FSC wehrt ist für uns erst einmal nur zweitrangig. Wir freuen uns, dass die Diskussion, die in den von Ihnen erwähnten Bundesländern nicht so stattgefunden hat wie Sie hätte stattfinden müssen, nun endlich in Hessen geführt wird. Warum Sie als Grüne das als persönlichen Angriff statt als fachlich-wissenschaftliche Hilfestellung interpretieren ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir hoffen, dass Sie unsere Richtigstellungsversuche irgendwann in naher Zukunft nicht mehr so konsequent ignorieren werden.

Denn: der FSC handelt bar jeder Wissenschaftlichkeit aus monetären, nicht naturbewahrenden Motiven. Und je eher Sie das erkennen, desto eher können Sie sich dem wirklichen Waldschutz widmen.

Wir fordern Sie auf, sich der inhaltlichen Diskussion über die Hintergründe des FSCs auch außerhalb des Parlamentes zu stellen. Wir fordern Sie auf, Ihre Aussagen zu belegen. Wir fordern Sie auf, hierbei von wählerklientel-freundlichen Phrasen abzusehen, die jeder Wissenschaftlichkeit entbehren. Schon bei der Auseinandersetzung mit FSC-eigenen Dokumenten wird Ihnen auffallen, dass die von Ihnen erstrebten Ziele mit diesem Instrument nicht erreichbar sind. Desweiteren sind Informationsquellen wie der NaBu, BUND, WWF, Greenpeace oder anderer NGOs übrigens unzureichend, da sie selbst massiv vom FSC profitieren, beispielsweise durch Drittmittel.

Bitte besuchen Sie auch unseren Blog www.fragen-an-den-fsc.de.

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe FadFSC

Rückegassenabstände

Slideshow: Beispiele für Rückegassen

 

Erschließung
Um überhaupt irgendeine Arbeit im Wald verrichten zu können, muss man erst einmal an ihn heran kommen, d. h. man braucht einen Weg. Üblicherweise ist es jedoch mit einem Weg nicht getan. Letztendlich ist der bewirtschaftet Wald von einem Wegenetz durchzogen welches der Fachmann als Erschließung bezeichnet. Diese Erschließung besteht i. d. R. aus zwei Teilen. Erstens aus dem mit Lkws befahrbaren Wegenetz (Groberschließung) über welches der Transport von Geräten, Maschinen, Material und Menschen, etc. in den Wald sowie die Holzabfuhr aus dem Wald erfolgt. Und zweitens aus dem Rückegassensystem (Feinerschließung) über welches das Holz aus dem Bestand an den Waldweg gebracht wird. Während ein Lkw-befahrbarer Weg eine echte Wegebaumaßnahme darstellt und befestigt ist, sind Rückegassen einzig baumfreie Trassen in den Beständen, ohne jegliche bauliche Veränderung des Untergrundes. Im Mittelgebirge gibt es noch eine dritte Variante, den sogenannten Maschinenweg. Dieser stellt quasi eine Art „Zwischenvariante“ dar, denn hier sind nicht nur die Bäume entfernt und die Stöcke gerodet sondern der Weg ist auch geschoben und verdichtet – nicht aber befestigt. Letzterer wird zumeist in steilem Gelände eingebracht, da der Tragschlepper (Forwarder) Einsatz i. d. R. nur bis max. 30 % Gefälle durchgeführt werden sollte .

Aktuell werden diese Abstände durch die Zertifizierung in den betroffenen Wäldern von 20 auf 40 m erhöht (Version 2.3 vom 01.07.2012) bzw. die Befahrung auf 10 % der Fläche reduziert (Version 3.0 vom 15.06.2016 noch nicht offiziell gültig). Das klingt zunächst so, als würde der Schaden am Wald hierdurch geringer gehalten. Denn wenn jede zweite Rückegasse still gelegt wird, so scheint auf den ersten Blick weniger Waldfläche zerstört zu werden. Leider basiert diese Forderung jedoch weder auf einer fundierten Analyse aus der Praxis noch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es wird einfach unterstellt, dass größere Abstände nachhaltiger seien – wie es auch für einen Laien auf den ersten Blick ersichtlich sein kann.

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Stellen Sie sich folgende Rechnung bildlich vor. Wenn der Abstand von 20 auf 40m erhöht wird, fällt jede zweite Rückegasse weg. Das bedeutet, dass über jede der verbleibenden Rückegassen die doppelte Menge Holz transportiert werden muss – was mit einer höheren Belastung des Bodens einhergeht. So wird beispielsweise angemahnt, dass durch das Befahren des Bodens mit großen Erntemaschinen (Harvestern) dieser verdichtet und dementsprechend schlechter durchlüftet wird wodurch auch die Wasserspeicherfähigkeit verloren gehen kann. Darüber hinaus können Feinwurzeln durch den Druck abreißen.

Grundsätzlich sollte ein dauerhaftes Erschließungssystem angestrebt werden welches über mehrere Umtriebszeiten Bestand hat. Bei der Erst- und oder Neuanlage sollte diese möglichst frühzeitig im Bestandesleben erfolgen, im Idealfall mit Beginn der Erstdurchforstung. Eine Anlage in älteren Beständen, die erstmals erschlossen werden, muss die Ausnahme bleiben.

Aus vielfältigen Gründen hat sich in vielen Teilen Europas ein Rückegassenabstand von 20 m etabliert. Zur Erläuterung der den komplexen Sachzusammenhänge verweisen wir auf:
• Forsttechnische Informationen 1+2/2010, „Bodenschonung Beim Forstmaschineneinsatz“ FTI_1+2_2010-NEU_ende
• Forsttechnische Informationen 3+4/2010, „Bodenschutz“ FTI_3+4_2010_final
• Forsttechnische Informationen 9+10/2010, „1. KWF-Thementage Bodenschutz“ FTI_9+10_2010 (3)
• AFZ Der Wald Nr. 18, September 2013, „ 2. KWF-Thementage Umweltgerechte Bewirtschaftung nasser Waldstandorte“ AFZ_Thementage_komplett

Die Diskussion ist also nicht einfach, zeigt aber, dass eine Vereinheitlichung auf 40 m keineswegs als sinnvoll erachtet werden kann.

Viel schwerwiegender ist jedoch, dass bei der Bewirtschaftung durch die weiteren Abstände i. d. R. motormanuell zugefällt werden muss, was neben deutlich höheren Schäden am Bestand auch ein erheblich höheres Sicherheitsrisiko für die Waldarbeiter darstellt. Hierzu verweisen wir auf:

• Forst & Technik 9/2017, S 20 ff „Arbeitssicherheit – Prinzip Stop

Damit steht die Forderung nach weiteren Rückegassenabständen durch die erheblich höhere Gefährdung der Arbeiter geltendem Arbeitsrecht entgegen.

Teil 6: offener Brief an Schäfer-Gümbel

Nach widersprüchlichen Aussagen verschiedener Mitglieder der hessichen SPD und dem aktuellen Schlingerkurs von Herrn Schäfer-Gümbel zum Beispiel in den folgenden Medien

http://www.allgemeine-zeitung.de/politik/hessen/fsc-zertifizierung-des-staatswaldes-der-ton-wird-rauer-das-thema-politischer_18481744.htm

http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/waelder-in-hessen-spd-lobt-waldsiegel-a-1423125

haben wir am 25.01.2017 den folgenden offenen Brief versendet:

Anschreiben Schäfer-Gümbel

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Sehr geehrter Herr Schäfer-Gümbel,

leider müssen ich Sie aufklären, dass Sie bezüglich des FSC falsch informiert worden sind.
Möglicherweise sind Sie vom NaBu, BUND, WWF, Greenpeace oder einer ähnlichen
Organisation unzureichend aufgeklärt worden. Diese Organisationen mögen in anderen
Angelegenheiten des Umwelt- und Naturschutzes zwar gute Informationsquellen darstellen.
Im Falle des FSC sind sie jedoch parteiisch, da sie selbst massiv vom FSC profitieren,
beispielsweise durch Drittmittel. Gleichzeitig haben Sie das FSC-System seit seiner
Gründung unterstützt und können sich nun, da seine Schwächen immer mehr offenbar und
auch öffentlich kritisiert werden, nicht mehr dagegen wenden ohne ihre Glaubwürdigkeit zu
verlieren.

Ihre Forderung, Hessen solle seine Wälder nachhaltiger bewirtschaften lassen, ist zunächst
löblich. Bedauerlicherweise stellt der FSC hierfür jedoch ein ganz und gar unzureichendes
Instrument dar. Er garantiert mitnichten Nachhaltigkeit und ist, übrigens auch nach eigener
Aussage, auch kein Ökosiegel.

Wenn Sie sich von einem unabhängigen Waldökologen (also einem, der weder direkt noch
indirekt vom System profitiert) beraten lassen wird dieser Ihnen bestätigen, dass das FSC
Siegel absolut keinen Mehrwert für die Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung
darstellt. Ebenso werden Sie kaum einen Holzhändler finden, der sich mit der Materie
auseinander gesetzt hat und ehrlich hinter dem System steht. Abgesehen von solchen, die es
nutzen um beispielsweise bedenkliches Holz aus Urwäldern über den FSC zu waschen und
es fälschlicherweise als nachhaltig geerntetes Holz zu verkaufen.
Weiterhin empfehlen wir die Lektüre der „Vergleichenden ökonomischen und ökologischen
Bewertung der schrittweisen FSC Zertifizierung im Hessischen Staatswald“ durch den
Landesbetrieb HessenForst AöR. Diese finden Sie beispielsweise auf unserem Blog:
http://www.fragen-an-den-fsc.de/?p=1037.

Im Folgenden erlauben wir uns nur auf einige wenige Probleme der Zertifizierung näher
einzugehen:

1. Rückegassenabstände:
Durch die Zertifizierung werden die Rückegassenabstände in den betroffenen Wäldern von
20 auf 40m erhöht. Das klingt zunächst danach, als würde der Schaden am Wald hierdurch
geringer gehalten. Tatsächlich basiert diese Forderung jedoch weder auf einer fundierten
Analyse aus der Praxis noch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es wird einfach
unterstellt, dass größere Abstände nachhaltiger seien. Stellen Sie sich jedoch vor, was das in
der Praxis bedeutet, erstens muss doppelt soviel Holz über die Hälfte der Rückegassen
abtransportiert werden, was zu einer viel höheren Belastung derselben führt.
Viel schwerwiegender ist jedoch, dass bei der Bewirtschaftung durch die weiteren Abstände i.
d. R. motormanuell zugefällt werden, was neben deutlich höheren Schäden am Bestand auch
ein erheblich höheres Sicherheitsrisiko für die Waldarbeiter darstellt. (siehe hierzu
Forst&Technik 9/2017 S. 20 ff) Somit stellt sich grundsätzlich die Frage der Sinnhaftigkeit
dieser Forderung – zumal sie damit geltendem Arbeitsrecht entgegensteht.

2. Pestizideinsatz:
Das Gleiche gilt für das generelle Pestizidverbot im Wald. Auf den ersten Blick scheint es
eine plausible Forderung zu sein. Allerdings war der Pestizideinsatz in deutschen Wäldern
immer schon marginal und stellte unter Waldschutzgesichtspunkten die Ultima Ratio dar. Im
Falle von Kalamitäten, z. B. durch Insekten, nach großen abiotischen Schadereignissen wie
Stürmen, kann der Pestizideinsatz jedoch durchaus sinnvoll sein, um weitere großflächige
Waldzerstörung zu unterbinden. Für diesen Fall greift der FSC auf eine Art
„Ausnahmegenehmigung“ zurück, die gegen Zahlung einer Gebühr vom Pestizidverbot
befreit. Dementsprechend ist die FSC-Pestizidrichtlinie ebenso plakativ wie unproduktiv,
aber eine weitere Einnahmequelle für den FSC.

3. Flächenstilllegung:
Lokale Bewirtschaftung, die global gedacht werden muss – eine schwierige Diskussion.
In Deutschland sollen 5% der Waldfläche stillgelegt, also künftig von der Bewirtschaftung
ausgeschlossen werden. Das sind ca. 600.000 Hektar, die einem jährlichen Einschlag von ca.
4 Mio. m³ Holz entsprechen. Das klingt erst einmal nach einer guten Idee für Umweltschutz
und Nachhaltigkeit. Fakt ist jedoch, dass die fehlende Menge Holz deshalb nicht einfach
wegfällt sondern ersetzt werden muss – in der Regel mit Holz aus borealen Wäldern
(winterkalte Wälder z. B. in Russland).
Um die Dimensionen klar zu machen muss man wissen, dass in Deutschland pro Jahr und
Hektar im Durchschnitt 11 m³ Holz nachwachsen. Im borealen Wald ca. 1 bis 1,5 m³, also
um den Faktor 10 weniger. Letzteres äußert sich auch in den Vorräten pro Hektar. Diese
liegen, bezogen auf die mit hiebsreifen Beständen bestockten Waldflächen bei 36 m³ pro
Hektar. Im Klartext heißt das, um die bei uns durch Flächenstilllegungen eingesparte
Holzmenge zu ersetzen, muss z. B. in Russland, jährlich eine Fläche in der Größe von knapp
121.000 Hektar kahlgeschlagen werden, eine Fläche die größer ist als die des Landkreises
Wetterau.
Von weiteren negativen Auswirkungen auf die Umwelt wie das Auftauen der
Permafrostböden mit einhergehender Ausgasung von Methan (das 400 Mal klimawirksamer
ist als CO2) ganz zu schweigen. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden die massive
Erhöhung der grauen Energie z. B. für die Überwindung einer erheblich höheren
Transportentfernung und die damit einher gehenden ökologischen Folgen.
So führt das Experiment „Wildnis wagen“ durch Unterschutzstellung von hiesigen
Wirtschaftswäldern zur Vernichtung echter Primär(Ur)wälder in der nördlichen Hemisphäre.
Und der Verbrauch von Holz nimmt tendenziell weiter zu.
Ginge es nach dem FSC so würden aus den 5% Flächenstilllegung 10% werden, das heiß die
zuvor geschilderten Auswirkungen würden sich verdoppeln!

4. Inkonsequenz
Der FSC arbeitet mit Länderstandards. Diese werden von den Länderarbeitsgruppen – in
denen können ausschließlich örtlichen Interessenvertreter sitzen – erarbeitet, unterscheiden
sich also dementsprechend stark voneinander. Insofern ist die Verwendung des Begriffs
Standard an dieser Stelle eigentlich nicht korrekt, da er eine Einheitlichkeit impliziert die de
facto nicht gegeben ist. Eine Folge hiervon ist, dass beispielsweise in Deutschland (dem
Land mit dem wohl „strengsten“ Standard) sowohl Kahlschläge als auch Pestizide
grundsätzlich verboten sind. In Schweden darf hingegen eine beliebig große Fläche kahl
geschlagen werden. Wieso in Südschweden (nach dem FSC Standard) erlaubt ist, was in
Schleswig-Holstein oder Dänemark (gleiche klimatisch-geographische Begebenheiten) zu
einem Gefängnisaufenthalt führen würde, ist hierbei völlig unersichtlich – siehe mangelnde
Wissenschaftlichkeit, einen Absatz weiter.

5. Wissenschaftliche Basis
Die nicht vorhandene wissenschaftliche Basis der FSC-Regularien kann an verschiedensten
Beispielen verdeutlicht werden. So unterscheiden sich die oben genannten Standards an
politischen, nicht an ökosystemaren Grenzen. Dass das jeder wissenschaftlichen
Sinnhaftigkeit entbehrt ist offenkundig. Folgerichtig gibt es keinen wissenschaftlichen
Beirat- weder in den Arbeitsgruppen, noch im Mutterkonzern, noch in den einzelnen
Kammern.

6. Soziale Nachhaltigkeit
Der FSC schreibt, er wolle „umweltgerechte, wirtschaftlich tragfähige und sozial
förderliche“ Waldbewirtschaftung garantieren. Von sozialer Nachhaltigkeit kann jedoch beim
besten Willen nicht gesprochen werden, wenn zum Beispiel die oben bereits erwähnte
Erhöhung der Rückegassenabstände völlig ohne Berücksichtigung der Folgen für die
Arbeiter durchgesetzt wird.
Auch von einer basisdemokratischen Struktur, die Sie als SPD doch fordern müssten, ist der
FSC weit entfernt. Zwar sieht er vor, stakeholder an Entscheidungen über
Waldbewirtschaftung zu beteiligen. Allerdings handelt es sich hierbei für einen Großteil der
FSC-zertifizierten Flächen um Bewohner von Primärwäldern, die „schlecht erreichbar“ sind
– der Wald hat kein Telefon. Die dort lebenden Menschen wissen oft gar nicht, dass ihr
Lebensraum abgeholzt werden soll. Manche hatten nie Zugang zu westlicher Bildung,
geschweige denn zu Medien. Also verpassen sie die deadlines, sind von Konsultationen
ausgeschlossen und dementsprechend nicht an der Entscheidungsfindung beteiligt. Was in
vielen Fällen bedeutet, dass ihre Umgebung für immer zerstört wird. Spätere Proteste, wenn
die zertifizierten Arbeiter mit den Bulldozern anrücken, verhallen ungehört.
Auch die Einteilung in ein Dreikammersystem ist zwar grundsätzlich eine gute
demokratische Idee, kann jedoch niemals funktionieren, solange jede Kammer immer ein
Veto einlegen kann. So kann die Wirtschaftskammer beispielsweise Entscheidungen solange
boykottieren, bis sie zu Ihren Interessen passen. Die soziale Nachhaltigkeit bleibt bei dieser
Kompromissfindung – ebenso wie die ökologische – auf der Strecke.

Diese Liste könnte noch beliebig fortgeführt werden, wir wollten jedoch nur schlaglichtartig
auf die Fehlannahmen bezüglich des FSC hinweisen. Für weitere Informationen können Sie
uns jederzeit gerne kontaktieren.

Wie sie möglicherweise schon aus vorherigen Anschreiben an verschiedene Politiker in
Hessen entnommen haben, engagieren wir uns seit Jahrzehnten mit Holz und Waldschutz.
Dementsprechend stellen wir uns die Frage: Wie steht die SPD zur FSC-Zertifizierung? Und
wie wird sie in Zukunft dazu stehen – nicht nur, aber vor allem im hessischen Landesforst?
Für uns ist der Kampf gegen die Umweltzerstörung und Verbrauchertäuschung des FSC
unabdingbar. Ein Ablasshandel, in dem Primärwälder zugunsten des Überlebens von NGOs,
die sie eigentlich retten sollten zerstört werden, ist nicht akzeptabel.

Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe Fragen An Den FSC

Sicherheitsrisiko durch weitere Rückegassenabstände

Durch die Erhöhung der Rückegassen von 20 auf 40m muss neben den Maschinen auf motor-manuelle Methoden zurück gegriffen werden. Hierzu verfasste die SOzialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und und Gartenbau den folgenden Artikel, veröffentlicht in der Forst und Technik:

FT_09_17_24

Alternativ kann über die folgende Website abgerufen werden (stand 16.01.2018): https://www.forstpraxis.de/klugmann_arbeitssicherheit_og/

Der Warenfluss im FSC-Konzern

An dieser Stelle finden Sie eine von uns erarbeitete Aufstellung der Warenflüsse und des neuesten Bilanzierungssystems (Mengenbilanzung) des FSC in Bezug auf die Vermischung von zertifizierten und unzertifizierten Holz. Für Verbraucher ist hier nachvollziehbar (so hoffen wir) dargestellt, dass in einem FSC gelabelten Produkt nicht eine einzige Faser zertifiziertes Holz stecken muss. Das Label “Controlled Wood” ist dementsprechend irreführend, denn der FSC hat keinerlei Zugriff auf Ursprungsnachweise – und keine Sanktionsmöglichkeiten im Falle einer Falschaussage der Lieferanten, dass das Holz aus “legaler Herkunft” stamm.

Da das Mengenbilanzeurngssystem einen unserer größten Kritikpunkte am COC-Zertifikates darstellt, sei es hier nochmals kurz erläutert:

Der Produzent kauft FSC-zertifiziertes Holz ein (z.B. 20m³). Gleichzeitig erwirbt er z.B. 10m³ nicht zertifiziertes Holz (“Controlled Wood”) und 50m³ aus “Recycled Wood” (Herkunft völlig unklar). Diese drei Holz”arten” kann er im Endprodukt beliebig mischen, sowohl in ihrer Menge als auch holzartenspezifisch. Auch wenn er selbst den Anspruch verfolgt, nur FSC-Holz für z.B. die Produktion von Stühlen zu verwenden, so muss er sich genau ausrechnen, wie viele Stühle er aus 80m³ zur Verfügung stehenden Materials produzieren kann. Diese Menge darf er dann als “FSC mixed= Holz aus verantwortungsvollen Quellen” labeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verbraucher einen Stuhl erwirbt, der zwar FSC-mixed zertifiziert ist, jedoch kein FSC-zertifiziertes Holz enthält (zur Erinnerung, nur 20 von 80m³ waren zertifiziert), liegt also bei 75%

Nochmal: Der Verbraucher erwirbt ein “Produkt aus verantwortungsvollen Quellen”, gibt hierfür vermutlich deutlich mehr aus als für ein vergleichbares Produkt ohne Zertifikat. Er wird jedoch (im Beispiel dieses Produzenten) mit 75% Wahrscheinlichekeit ein Produkt erwerben, das kein zertifiziertes Holz enthält.

Stellt sich nun also die Frage: Wenn das kein Verbraucherbetrug ist, wie definieren wir ihn dann?

Diese und andere Informationen haben wir sehr mühsam aus FSC-internen Dokumenten heraus gefiltert. Leider haben sich diese jedoch auch häufig widersprochen und einige Angaben waren unklar oder mehrdeutlich formuliert. Wir haben dieses Diagram nach bestem Wissen und Gewissen erarbeitet, können aufgrund der zugrunde liegenden Informationen jedoch weder Vollständigkeit noch Perfektion garantierten. Wir freuen uns, durch aufmerksame Leser Verbesserungen durchführen zu können.

Warenflussdiagram